Henryk M. Broder 02.07.2012 04:24 +Feedback
Viva Manischewitz!
Ich komme eben vom Dicke-Amerikaner-Gucken und Einkaufen bei Food Lions zurück.Food Lions ist nicht so groß wie Walmart, hat aber das bessere Angebot an Obst und Gemüse und immerhin von 6am bis 11pm auf.
Irgendwie war mit heute nach Couscous zumute, vermutlich weil ich gerade eine Geschichte über Casablanca gelesen habe. Es gab aber keinen Couscous bei Food Lion, was für einen amerikanischen Supermarkt recht ungewöhnlich ist. In der Abteilung “ethnic food” gab es chinesische, japanische, italienische und südamerikanische Spezialitäten, aber keinen Couscous! Ein klares Zeichen von Islamophobia. Was es dagegen gab, war ein ganzes Regal mit Manischewitz-Produkten. Manischewitz ist in Amerika das, was Oetker in Deutschland ist, nur eben koscher.
Rabbiner Dov Behr Manischewitz, der die Firma in 1888 in Cincinnati, Ohio gründete, hat die quadratische Matze erfunden und damit deren industrielle Produktion ermöglicht, ein Meilenstein in der jüdischen Geschichte, nur vergleichbar mit dem Auszug aus Ägypten, der Gründung des Staates Israel und der Erfindung des Bagels. Heute stellt Manischewitz ein ganzes Sortiment an koscheren Lebensmitteln her. Keine Hochzeit, keine Bar und Bat Mitzwa, keine Brit Mila (Sie wissen schon, jenes archaische, brutale Ritual, das soeben von einer Kammer des Kölner Landgerichts verboten wurde!) ohne Manischewitz. Wenn die jetzt auch noch Couscous ins Sortiment aufnehmen, werde ich meine Ernährung komplett auf koscher umstellen.
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n): Ausland Wirtschaft Bunte Welt

