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  03.06.2007   22:58   +Feedback

Vereint dagegen, getrennt … wofür?

„Gib 8 - Sozial statt global“ lautet das Motto einer Kampagne von Globalisierungsgegnern vor dem G-8-Gipfel. „Acht geben“ scheint tatsächlich nötig - hinter dem Aufruf steht die NPD. Das Logo der Kampagne ist in Orange gehalten, wie das Logo der Globalisierungskritiker von Attac. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Trick: Rechtsradikale hängen sich an die Proteste gegen den G-8-Gipfel, um von der globalisierungskritischen Stimmung im Land zu profitieren.
Doch so einfach ist es nicht. Die NPD und mit ihr kooperierende „Freien Kameradschaften“ haben sich Globalisierungs- und Kapitalismuskritik nicht ausgeliehen, sie besetzen sie. 

Hinter Parolen wie „Freie Menschen statt freie Märkte“ oder „Zukunft statt Globalisierung“, die sich derzeit auf rechtsextremen Websites finden, steht das Programm der NPD. Sie hat heute mit der westdeutschen, chauvinistischen Altherrenpartei der sechziger Jahre nichts mehr gemein. Sie sieht sich als revolutionäre Kraft - und diese Kraft ist antikapitalistisch und antiwestlich.

Für linke und andere Globalisierungskritiker ist das problematisch. Denn die Analysen der zu bekämpfenden Zustände kommen sich oft zum Verwechseln nah. „Globalisierung ist das Bestreben des internationalen Kapitalismus, möglichst einheitliche, den Gewinn steigernde Rahmenbedingungen zur Heranschaffung von Arbeitskräften, zur Ausbeutung der Rohstoffe sowie zum monopolistischen Warenabsatz zu schaffen“, heißt es im NPD-Programm. „Der nationale Freiheitskampf“ richtet sich laut eines Aufsatzes aus dem NPD-Umfeld „gegen die Einmischung internationaler Finanzorganisationen (Weltbank, IWF, WTO) ... in die inneren wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten der Völker.“ Auch Attac fordert in einem Diskussionspapier „die Abschaffung der G 8, der Weltbank, des IWF und der WTO.“

Zwar grenzt sich Attac von Rechtsextremisten ab, indem es darauf verweist, man wolle eine „andere“ Globalisierung, während die NPD gar keine Globalisierung wolle. Die Rechtsradikalen setzen darauf, dass solche Feinheiten im Protest untergehen. Es genügt ihnen, der Eindruck, man sei gemeinsam gegen dasselbe - zumal Attac-Arbeitsgruppen etwa zum Nahostkonflikt ohnehin Positionen beziehen, die denen der NPD ähneln.

Die Rechtsradikalen erhoffen sich durch die bewusste Nähe zu den Parolen und „Codes“ der anderen Globalisierungsgegner allgemeine Akzeptanz. Erst im zweiten Schritt ist es ihnen wichtig, sich deutlich abzugrenzen und ihre eigenen Antworten zu präsentieren. „Es gibt keine gerechte Globalisierung“, so die Behauptung der „Gib 8“-Aktivisten. Und sie versprechen mit ihren Vorstellungen von nationalen Wirtschaften ein Gegenrezept, das viel einfacher und umfassender scheint als alle komplizierten Theorien einer „anderen Welt“ dank „glokaler Demokratie“, über die beispielsweise bei Attac diskutiert wird.

KStA Online, 3.6.07

(Tobias Kaufmann)


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