Richard Wagner 11.06.2009 07:48 +Feedback
Trojanows Luftkrieg
„D-Day ist für mich, wie wohl für die meisten von uns, das Sinnbild eines gerechten, moralisch unangreifbaren Krieges. Ein Mythos, mit dem wir aufgewachsen sind. (...) Denn auch diese Invasion hatte ihre düsteren Seiten. Allein in der Normandie wurden mehr als 15.000 Zivilisten durch die Bombardierungen im Vorfeld getötet und weitere 20.000 bei den Gefechten nach der Landung, vor allem in Caen. Insgesamt wurden im Sommer 1944 mehr französische Zivilisten (rund 70.000) durch Bomben der Alliierten getötet als britische Zivilisten durch deutsche Bomben (rund 50.000).“
Dieses Zitat stammt nicht aus der „Jungen Freiheit“ sondern aus der „taz“ von gestern. Das Zitierte steht dort in einer Kolumne des Schriftstellers Ilija Trojanow. Was treibt den Kollegen um, fragt man sich nach der Lektüre. Strebt er etwa einen Job bei der Bundesvertriebenen-Domina Steinbach an? Wohl kaum, der Mann hat durchaus sein Auskommen, er gehört zu den erfolgreichen Autoren auf unserem Buchmarkt. Welcher Teufel reitet ihn also?
Die profunde Wahrheit ist wohl, dass es ihm gar nicht um den D-Day geht, ihm geht es vielmehr um die moralische Dekonspiration des Westens: „Mit einem Abstand von mehr als 60 Jahren wird auch der Zweite Weltkrieg zunehmend als ein Höllenfeuer angesehen, aus dem keine Seite moralisch unbeschadet herausgekommen und der mit dem Persilschein des ‚gerechten Krieges’ nicht reinzuwaschen ist.“
Wumms! Musste dass nicht endlich mal gesagt werden? Nein. Und warum nicht? Die schlichte Antwort lautet: Weil es nicht egal war und ist, wer aus jenem Zweiten Weltkrieg als Sieger heraustrat. Dass Europa heute die Verfasstheit einer offenen Gesellschaft hat, ist primär der erfolgreichen Kriegsführung der Alliierten zu verdanken.
Wer dieses Kriegsziel relativiert, stellt auch das Kriegsergebnis infrage, er strebt die Delegitimierung des Westens an. Damit aber wären wir wieder einmal beim Stellungskrieg der Gegenwart, in dem es um die Positionierung des Islam geht, für dessen Einfluss Trojanow seit Jahren wirbt. Mal durch die Verharmlosung der moslemischen Militanz, mal durch die Entlarvung des westlichen Zustands. Verblendung oder Verrat? Wie auch immer. Den Titel „Nützlicher Idiot“ hat er sich redlich verdient.


