01.06.2008   11:01   +Feedback

Tories verlieren ihren Vordenker

Muss man sich Sorgen um die britischen Konservativen machen? Zwar liegen sie nach jüngsten Umfragen 20 Prozentpunkte vor der Labour-Partei von Premierminister Brown, aber der Sunday Telegraph berichtet heute, dass die Partei ihren Chefstrategen verliert. Dabei handelt es sich selbstverständlich nicht um Parteichef David Cameron, denn der war ohnehin stets nur der Chefverkäufer der neuen Tories. Die Rede ist von Steve Hilton, Mr Camerons Marketing-Guru.

Da Hiltons Frau einen Topjob in der kalifornischen Konzernzentrale von Google erhalten soll, will das Paar offenbar England verlassen. Zunächst einmal nur für sechs Monate, wobei Hilton bei vollen Bezügen von geschätzten 276.000 Pfund im Jahr weiter beratend für die Konservativen tätig bleiben soll.

Für die Konservativen dürfte der zumindest vorübergehende Abschied von Mr Hilton einen tiefen Einschnitt bedeuten. Kurz nach David Camerons Wahl zum Parteichef hatte dieser Hilton nämlich damit beauftragt, der Partei ein neues Image zu geben. Es sollte nichts mehr an die alten Konservativen erinnern, die am liebsten über Steuersenkungen, Privatisierungen und die Fehler der EU diskutierten. Hilton leistete ganze Arbeit. Die neuen Themen waren der Klimawandel, die Gesundheitspolitik und die Steigerung der allgemeinen Wohlbefindens.

Dass sich hinter diesen Schlagworten nicht viel an konkreten Inhalten verbarg, das kann man Hilton wohl kaum vorwerfen, denn er war schließlich fürs Image, nicht für die Inhalte eingestellt worden. Und dass es dabei bunt durcheinander gehen würde, hätte man sich schon nach der Lektüre von Hiltons Buch “Good Business” denken können. Es endet nämlich mit der bemerkenswerten Auflösung aller politischen Gegensätze im ideologischen Nirvana:

“Social responsibility. Social leadership. Social marketing. Social reporting. Social auditing. All these social-ists; all of them capitalists. This is why capitalism can become the anti-capitalist’s ally. Capitalists and anti-capitalists of the world unite! You have nothing to lose but your guilt.”

Ganz in diesem Sinne hat Hilton die Tories zur antikapitalitischen Kapitalismuspartei, zur Partei des sozialistischen Individualismus und zur internationalistischen Protektionismusbewegung gemacht. Sein Abgang wird eine Lücke im konservativen Programmvakuum hinterlassen.


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Kategorie(n): Ausland