Gastautor 17.07.2008 15:16 +Feedback
Theodore Dalrymple: Biedermann und die Islamisten
Das Stück «Biedermann und die Brandstifter» hatte Max Frisch als Parabel auf die Machtergreifung Hitlers geschrieben. Es wurde kürzlich in London mit Erfolg wieder aufgeführt. Viele nahmen den Klassiker mit neuen Augen wahr: als Warnung vor dem fanatischen Islamismus.
Schweizer Leser sind hoffentlich nicht beleidigt, wenn ich sage, dass englische Herzen bei dem Begriff «Schweizer Literatur» nicht unbedingt schneller klopfen. Wahrscheinlich löst er überhaupt keine Assoziationen aus. Trösten Sie sich damit, dass viele junge Briten nach elf Jahren Schulbildung – oder sagen wir besser: Pflicht zur Anwesenheit in einer Schule – nicht nur keine Zeile Shakespeare aufsagen können, sondern auch nicht wissen, wer Shakespeare war.
Doch trotz der insgesamt erschreckenden Kulturlosigkeit gibt es paradoxerweise ein lebendiges kulturelles Leben in Grossbritannien. Es erscheinen mehr Bücher als in jedem anderen europäischen Land, und viele sind gut. London dürfte weltweit die erste Adresse für Kunstausstellungen sein, die Musikszene bietet mehr als diejenige in Paris. Und kürzlich wurde einer der grossen (und wenigen) Klassiker des modernen Theaters erfolgreich neu inszeniert – «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch. Die Vorstellung war im Nu ausverkauft.
Wie alle grosse Literatur führt dieses Stück eine Situation vor, die überall auf der Welt verstanden wird. Es scheint Edmund Burkes berühmten Ausspruch beweisen zu wollen: «Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.»
Jedenfalls ist Herr Biedermann nicht unbedingt ein «guter» Mensch. Er ist ein Fabrikant von Haarwasser, einem gewissermassen trügerischen Produkt. Und wer sein Geld damit verdient, die Kunden in die Irre zu führen oder ihnen etwas vorzugaukeln, dürfte kaum ein moralisches Vorbild sein. Überdies ist er ein strenger und rücksichtsloser Chef, der nicht davor zurückschreckt, seine Angestellten zu schikanieren und sogar in den Selbstmord zu treiben.
Trotzdem ist Herr Biedermann kein durch und durch schlechter Mensch. Seine Moral ist ganz konventionell: Es kommt nur darauf an, die gesellschaftlichen Normen zu beachten und sich an die Gesetze zu halten. Er will nicht selbständig denken oder dazu verpflichtet sein; überkommene Verhaltensregeln und Gesetzestreue reichen ihm.
In normalen Zeiten würde Herr Biedermann damit ohne Schwierigkeiten durchs Leben kommen, doch leider lebt er nicht in normalen Zeiten. In seiner Stadt hat es mehrere Fälle von Brandstiftung gegeben, und zwei dubiose Männer sind in sein Haus eingedrungen, ohne dass er sich ihnen in den Weg gestellt hätte. Von Anfang an ist klar, dass sie die Brandstifter sind, aber Herr Biedermann bringt es – in einer Mischung aus Höflichkeit, Trägheit und moralischer und physischer Feigheit – nicht fertig, sie vor die Tür zu setzen. Und die beiden Männer verbergen ihre Absicht nicht einmal: Sie schaffen Benzinfässer und Zündschnüre in die Dachkammer. Herr Biedermann versucht, die beiden zu beschwichtigen, indem er das Ganze als einen Scherz abtut und sie anschliessend zum Abendessen einlädt und versucht, sich mit ihnen anzufreunden. Er verwendet viel Energie darauf, die Augen vor dem zu verschliessen, was sich deutlich sichtbar vor ihm abspielt. Einer der Brandstifter, Eisenring, sagt: «Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die nackte und blanke Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.»
Schliesslich gibt Herr Biedermann den Männern sogar die Streichhölzer, mit denen sie sein Haus anzünden. Aus Kleinmut und Fantasielosigkeit (noch nie in seinem Leben ist er Brandstiftern begegnet) macht er sich zum Komplizen bei der Zerstörung seiner eigenen Existenz.
Frischs Stück ist eine Parabel über die Mechanismen, mit deren Hilfe die Nazis die Macht eroberten, erst in Deutschland, dann in ganz Europa. Kein anständiger Mensch wollte nach 1918 noch einmal Krieg; und weil es einen Wahnsinnigen wie Hitler noch nie gegeben hatte, konnten sich die europäischen Politiker einreden, dass es auch keinen geben konnte und dass Hitlers Wahnsinn, egal, was dieser Mann tat oder sagte, eher aufgesetzt als real war. Also nahm man ihn nicht ernst. Ausserdem hatte niemand ein völlig reines Gewissen. Die deutschen und die europäischen Politiker reagierten auf die neue, noch nie erlebte Situation mit der gleichen Unbekümmertheit und dem gleichen feigen Vertrauen auf traditionelle Anstandsregeln, wie Herr Biedermann auf die Brandstifter reagiert.
Zwei dänische Journalisten, Karen Jespersen und Ralf Pittelkow, beziehen sich auf Frischs Bühnenstück, um die These ihres Buches «Islamistes et naïvistes» zu veranschaulichen. Sie erklären, dass die meisten europäischen Politiker und viele Intellektuelle wie Biedermann handeln, weil sie vor den offen deklarierten Zielen der unter uns lebenden Islamisten die Augen verschliessen und im Streit um die Mohammed-Karikaturen feige reagiert haben, nicht zu reden von vielen anderen Situationen, in denen sie klein beigeben.
Tatsächlich wird in England schon seit Jahren eine Appeasement-Politik gegenüber den Islamisten praktiziert, in der Hoffnung, die Fanatiker würden, indem man ihnen verständnisvoll entgegenkommt, ihren Fanatismus aufgeben und eine solche Dankbarkeit empfinden, dass sie Grossbritannien von der Liste ihrer Ziele streichen.
Die Regierung sah untätig zu, als Demonstranten den Tod Salman Rushdies forderten, und viele Intellektuelle, die lautstarke Proteste gegen einen Performance-Künstler, der öffentlich auf ein Bild der Jungfrau Maria uriniert, als inakzeptable Einschränkung der Kunstfreiheit bezeichnet hätten, hielten es plötzlich für richtig, mit den muslimischen Buch- und Bilderverbrennern von Bradford zu sympathisieren.
Seit Jahren rufen Prediger in Grossbritannien offen zu Hass und Gewalt auf, doch die Regierung bombardierte lieber ferne, fremde Länder, statt die Probleme im eigenen Land anzupacken – so wie Biedermann einen Angestellten fast in den Selbstmord treibt, aber nichts gegen die Brandstifter im eigenen Haus unternimmt.
Ein Erzbischof plädiert für die Scharia
Das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche, der Erzbiedermann von Canterbury Dr. Rowan Williams, plädierte unlängst in einem BBC-Interview dafür, die Scharia in die britische Rechtsordnung aufzunehmen. Dieser Schritt erscheine ihm «unvermeidlich». Wenig später erklärte er einer Riege prominenter Juristen, unter ihnen der Chief Justice, dass der Bürger die Möglichkeit haben sollte, sich frei für ein Rechtssystem zu entscheiden. Seinerzeit hatte auch er Sympathie, Verständnis und Mitgefühl für die Bücherverbrenner geäussert, aber natürlich kein Wort für den Mann gesagt, der die nächsten Jahre, vom Tod bedroht, an geheimen Orten verbringen musste. Die Sentimentalität, von der Eisenring spricht, lässt sich kaum noch steigern.
Aber nicht nur in politischer Hinsicht ist Frischs Stück von erstaunlicher Aktualität. Es verrät uns etwas über unseren Alltag und die Kompromisse, die wir alle schliessen und schliessen müssen.
In meinem Beruf als Arzt habe ich miterlebt, dass der Staat eine Politik verfolgt, durch die die ärztliche Unabhängigkeit allmählich ausgehöhlt sowie renommierte Krankenhäuser zerstört wurden und ganz allgemein die Macht einer korrupten und unfähigen Bürokratie gestärkt wurde, die einzig an der Steigerung ihres Einflusses interessiert ist. Und ich bin keineswegs der Einzige mit dieser Ansicht. Fast jeder Mediziner, den ich kenne, sieht das ähnlich. Und nicht nur Ärzte sind in dieser Weise betroffen. Auch Lehrer und Professoren haben ihre Unabhängigkeit fast vollständig verloren. Widerstand gegen diese Entwicklung hat es kaum oder gar nicht gegeben.
Ich möchte nur ein kleines Beispiel nennen, bei dem entschlossene Gegenwehr eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Die Regierung beschloss eine Überprüfung der staatlichen Krankenhäuser. All jene Institutionen, die einem Notfallpatienten innerhalb von vier Stunden nach der Aufnahme ein Krankenhausbett garantierten, sollten eine Prämie erhalten. Die Verwaltungsdirektoren dachten sich sogleich eine Methode aus, wie dieser Vorgabe zu entsprechen wäre: Patienten mussten so lange in den Krankenwagen warten, bis ein freies Bett zur Verfügung stand. Vor vielen Spitälern kam es daraufhin zu langen Schlangen von Krankenwagen.
Abgesehen von der gogolschen Absurdität dieses Vorgehens, gibt es so viele Einwände gegen diese Vorschrift, dass der Platz nicht ausreichen würde, sie alle aufzuzählen. Die Ärzte waren unzufrieden, haben aber nicht protestiert, geschweige denn sich geweigert, die staatliche Vorschrift zur Kenntnis zu nehmen. Obwohl sie gar nichts zu befürchten hatten, nicht entlassen werden konnten und – in einem offen ausgetragenen Konflikt mit der Regierung – sehr wohl die besseren Karten gehabt hätten.
Kürzlich bekamen alle Krankenhausmitarbeiter einen Fragebogen zugeschickt, auf dem sie ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Präferenzen und Zivilstand angeben mussten. Laut Begleitschreiben sollten diese Informationen dazu dienen, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu verhindern. Man konnte wählen zwischen 17 verschiedenen Ethnien, 7 Religionen, 6 sexuellen Präferenzen und 6 verschiedenen Formen des Zivilstands. Daraus ergaben sich insgesamt 4284 verschiedene Kategorien, deren Nichtdiskriminierung das Krankenhaus zu gewährleisten hatte.
Die ganze Absurdität staatlicher Schnüffelei war kaum noch zu überbieten. So empfanden das auch die meisten Klinikmitarbeiter. Sie stöhnten (und lachten), füllten das Formular aber trotzdem aus. Manche übten passiv Widerstand, indem sie der Aufforderung schlicht nicht nachkamen. Die Leute wollen einfach ihre Ruhe.
Genau das ist Biedermanns Haltung gegenüber den Brandstiftern, die sich in seinem Haus breitgemacht haben. Statt von vornherein eine unangenehme Szene zu riskieren, gibt er nach, bis es für Widerstand zu spät ist. Seine Schwäche wird ihm zum Verhängnis.
Hier liegt ein Problem: Wann weigert man sich, einem Befehl zu folgen? In jeder Gesellschaft muss es Autorität geben, das heisst, es muss Gehorsam wie Auflehnung geben. Ich erinnere mich, dass ich als junger Arzt einmal den Auftrag erhielt, einen Patienten zu untersuchen, der meines Erachtens eindeutig im Sterben lag (meine Annahme erwies sich als richtig). Sollte ich die Anweisung meines Vorgesetzten befolgen und dem Patienten unnötige Schmerzen zufügen, oder sollte ich mich weigern? Am Ende fügte ich mich, weil ich meinen Vorgesetzten, dessen fachliche Kompetenz und dessen menschlichen Anstand ich respektierte, für erfahrener hielt. Aber ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich recht hatte oder einfach feige war. Und es ist über dreissig Jahre her.
Wenn wir uns wie Herr Biedermann verhalten, werden wir den Übeln in unserer Gesellschaft nicht beikommen, solange es noch möglich ist, sie zu bekämpfen. Nehmen wir uns die Moral von Frischs Stück aber allzu sehr zu Herzen, sehen wir vielleicht in jeder unangenehmen Situation den Beginn einer Biedermann-Geschichte, an deren Ende uns eine Hölle erwartet (Herr und Frau Biedermann finden sich am Ende des Stücks tatsächlich in der Hölle wieder). Kurzum, wir werden nervös und paranoid und noch dazu überheblich, weil wir unsere persönliche Wahrnehmung für die einzig richtige halten.
Es braucht Urteilskraft und einen Blick für Verhältnismässigkeit, um zu wissen, wann man ja und wann man nein sagen soll, wann man sich fügen, wann man widerstehen soll, wann man Kompromisse macht und wann nicht. Man gerät oft in unübersichtliche Situationen, aber nicht immer und überall. Angebracht sind weder kriecherische Unterwerfung noch unerbittlicher Widerstand.
Osama Bin London, der Crack-Süchtige
Um auf die Haltung gegenüber dem Islamismus zurückzukommen – ich schwanke zwischen allergrösster Besorgnis und heiterer Gelassenheit. Auf den Strassen unserer zunehmend kosmopolitischen Städte sehe ich viele Menschen unterschiedlichster Herkunft, die friedlich miteinander auskommen, und ich denke an all die Muslime, die ich kenne, absolut anständige Leute. Dann schlage ich die Zeitung auf und sehe, wie neulich, die Fotos von fünf bärtigen Fanatikern, die zu einer Haftstrafe verurteilt wurden, weil sie in einem Wald in Hampshire an einer Terroristenausbildung teilgenommen haben. Ihr Anführer, der sich (mit einem Humor, der unter seinesgleichen selten ist) Osama Bin London nannte, soll erklärt haben, dass die zweiundfünfzig Opfer, die bei dem U-Bahn-Anschlag in London starben, gar nicht der Rede wert seien.
Wie verhält man sich dazu? (Ich meine hier nicht die moralisch korrekte Haltung gegenüber Mordlust, sondern die Perspektive, in der man das Ganze sehen sollte.) Ist es ein persönlicher Irrweg oder eine psychische Macke (interessanterweise war Osama Bin London bzw. Mohammed Hamid ein ehemaliger Crack-Süchtiger), wie sie überall auf der Welt vorkommen, oder ist es die logische und naheliegende Konsequenz religiöser Ansichten, die er mit Millionen anderen teilt?
Meinungsumfragen unter britischen Muslimen zeigen, dass Fanatiker wie Osama Bin London mit einem erschreckenden Mass an Sympathie rechnen können. Das lässt die Vermutung zu, dass seine Gedanken (wenn nicht seine Handlungen) keineswegs nur ein privater Irrweg sind. Andererseits ist es vor allem die zweite Generation der Muslime, also diejenigen, die in Grossbritannien geboren sind, welche den gewaltbereiten Fanatismus unterstützt, und auch sie ist nur eine Minderheit. Die Eltern stehen dem Terrorismus mehr oder weniger verständnislos gegenüber. Es ist also nicht der Islam allein, der diesen Fanatismus hervorbringt, sondern das Selbstverständnis einiger muslimischer Jugendlicher in westlichen Gesellschaften.
Der Gerichtsfall der Cherie Blair
Auch auf die Gefahr hin, den Leser zu verwirren, möchte ich aber darauf hinweisen, dass kein einziger Sikh oder Hindu der zweiten Generation, von denen es mehrere Hunderttausende in Grossbritannien gibt, Terrorist geworden ist. Man kann also nicht sagen, dass der Islam überhaupt nichts mit dem Terrorismus zu tun hat, auch wenn die Formulierung «islamischer Terrorismus» offiziell nicht mehr verwendet werden darf. Die Annahme, mit anderen Ausdrücken die Realität verändern zu können, ist typisch für die Biedermann-Mentalität.
Aber sind die europäischen Politiker in ihrer Haltung zum Islam durchweg Biedermänner? Mit einem einfachen Ja oder Nein kann man diese Frage nicht beantworten. Von Zeit zu Zeit sehe ich, dass man sich bestimmten Forderungen beugt, was in der Praxis nur zu weiteren Forderungen führen wird – in einer grossen öffentlichen Bibliothek sah ich beispielsweise Tische nur für Frauen, und alle Frauen waren verschleiert.
Die Frau unseres Ex-Premiers Tony Blair, Cherie Blair, ist eine prominente Rechtsanwältin. Einmal vertrat sie ein Mädchen, das darauf bestand, in der Schule, entgegen den Vorschriften, den Schleier zu tragen. Das Mädchen (das von einer muslimischen Organisation unterstützt wurde, die in den meisten anderen Ländern wegen mutmasslicher Kontakte zu Terroristen verboten wurde, nicht jedoch in Grossbritannien) erklärte, ihr werde nur wegen ihrer Kleidung das Recht auf Schulbesuch verweigert. Dass sie vor Gericht von der Frau des Premierministers vertreten wurde, dürfte die Eisenrings der islamischen Welt sehr amüsiert haben. Ein wenig erinnert es an Herrn Biedermann, der den Brandstiftern noch die Streichhölzer aushändigt, damit sie sein Haus anzünden können.
Andererseits sind unsere Sicherheitsdienste offenbar in der Lage, terroristische Zellen aufzuspüren und zu zerschlagen. Ein Agent namens Dawood, der in Osama Bin Londons Gruppe eingeschleust wurde, konnte ein halbes Jahr lang Informationen sammeln. Er belauschte Gespräche und nahm selbst an der Ausbildung teil, was für ihn selbst nicht ganz ungefährlich war. Der Unterschied zwischen Dawood und Herrn Biedermann könnte kaum grösser sein. Allein in Grossbritannien sollen rund dreissig islamistische Zellen gegenwärtig unter Beobachtung stehen.
Wenn ich Max Frischs Stück erneut lese, bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es unsere heutige Realität wiedergibt und was man heute aus ihm lernen kann. Bin ich Herr Biedermann, wenn ich glaube, dass wir den Islamisten nicht hilflos ausgeliefert sind, dass wir einfach gute geheimdienstliche Arbeit leisten müssen, um diese Leute auch weiterhin in Schach zu halten, und dass die meisten Muslime in Ruhe leben wollen? Ist es Paranoia, wenn ich in das andere Extrem falle und glaube, dass wir unsere Kultur und Freiheit aufs Spiel setzen, wenn wir nicht massiv gegen die islamistische Gefahr vorgehen?
Ein anderer bedeutender Dramatiker, Eugène Ionesco, erklärte einmal in einem Interview mit Claude Bonnefoy: «Wenn ich hauptsächlich für das Theater und weniger Romane und Essays geschrieben habe, dann deswegen, weil Essays und selbst Romane einen klaren Aufbau verlangen, während in einem Theaterstück Widersprüche oder Unklarheiten ungehindert zum Ausdruck kommen können. Auf der Bühne können die Figuren alles sagen, alle nur denkbaren Absurditäten und Widersprüchlichkeiten, weil nicht ich es sage, sondern sie, die Figuren. Der Respekt vor den Menschen bleibt also gewahrt.»
Das Theater gibt uns keine Antworten, nur Fragen. Sind wir Biedermänner – oder eher nicht?
Aus dem Englischen von Matthias Fienbork
Theodore Dalrymple, geb. 1949, machte sich im angelsächsischen Raum einen Namen als Reiseschriftsteller, Essayist und Kolumnist. Er veröffentlichte u.a. die Essay-Bände «Life at the Bottom» und «Our Culture, What’s Left of It». Unter seinem richtigen Namen Anthony Daniels praktizierte der Engländer als Arzt und Psychiater in afrikanischen und südamerikanischen Slums, britischen Gefängnissen und öffentlichen Spitälern. Heute lebt er in Südfrankreich. (c) 2008 by Die Weltwoche, Zürich
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Kategorie(n): Ausland


