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  01.11.2008   19:33   +Feedback

Tanz mit der Toleranz

Was darf eine liberale, tolerante Demokratie zulassen und was muss sie verbieten? In horizontal organisierten Gesellschaften, in denen Vegetarier und Kannibalen auf gleicher Augenhöhe miteinander über die Vor- und Nachteile ihrer jeweiligen Ernährung diskutieren, in denen es jeder Frau überlassen bleibt, ob sie eine Burka oder einen Bikini anziehen will, in Gesellschaften, in denen die Begriffe “gut” und “schlecht”, “richtig” und “falsch” zugunsten von “anders”, “multikulturell” und “relativ” abgeschafft wurden, kommt diese harmlos klingende Frage der Quadratur des Kreises gleich. Toleranz gebietet es, auch extreme Ansichten hinzunehmen. Zum multikulturellen Repertoire gehören auch Monokulturen, die keine andere Kultur neben sich dulden würden, wenn sie das Sagen hätten. “A hallmark of liberal, secular societies is supposed to be respect for different cultures, including traditional, religious cultures — even intolerant ones”, schreibt Noah Feldman, Doktor der Islamwissenschaften und Rechtsgelehrter in Harvard.

Außerhalb der Ivy-League freilich gebietet es die Vernunft, solchen Kulturen das Recht auf Entfaltung zu verweigern. Man kann eine Gesellschaft aber auch zu Tode schützen, indem man die Grenzen des Zulässigen immer enger zieht. Andererseits würde eine totale Demokratie genauso kollabieren wie der Straßenverkehr, wenn alle, die ein Auto haben, es zur selben Zeit benutzen würden. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,584843,00.html

(Henryk M. Broder)


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Kategorie(n): Kultur 

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