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  02.12.2011   20:34   +Feedback

Staat in der Manege

Der Bundesrat will, dass Zirkusse künftig keine Elefanten und andere Wildtiere mehr mitführen dürfen. Diese Forderung wurde im Jahr 2003 von der Länderkammer schon einmal erfolglos erhoben. Wir hoffen, dass sie auch diesmal folgenlos bleibt.

Politiker lieben solche Beschlüsse. Man macht sich bei einer starken Lobbygruppe beliebt, in diesem Fall bei den Medienprofis von PETA & Co. Während die Betroffenen kaum ins Gewicht fallen. Zirkusse mit Elefanten und anderen teuren Großtieren gibt es kaum mehr ein Dutzend, dazu kommen 200 bis 300 kleine Familienunternehmen, die nur durch extreme Selbstausbeutung überleben, und sich ohnehin nur ein paar Ponys und Lamas leisten können.

Die Zeit prachtvoller Zelte und riesiger Tierschauen ist lange vorbei. Unaufhaltsam schrumpft die Zirkuswelt, denn im Gegensatz zu vielen anderen kulturellen Traditionen, wird sie in Deutschland nicht staatlich gefördert. Ihr Zenit lag um die vorletzte Jahrhundertwende. Damals war es ein Großereignis, wenn der Zirkus in die Stadt kam. Ganze Elefantenherden paradierten vom Bahnhof zum Zeltplatz, die Bevölkerung stand staunend Spalier.

Es geht doch auch ohne Tiere, wenden die Kritiker ein. Ja, aber dann ist es kein Zirkus mehr, sondern Varietee. Tiere machen die spezielle Zirkusluft aus. Wem aber würden sie fehlen, außer ein paar Nostalgikern?

Doch! Es wäre ein Verlust. Ein weiteres Fenster zu den Tieren würde verschlossen. Auch die besten Naturfilme können die Nähe und den Geruch wilder Tiere nicht ersetzen. Eine Nähe die nur noch Jäger, Naturschutzprofis und ein paar Forscher erleben. Dem Normalbürger und seinen Kindern begegnen keine Wildtiere, außer im Zoo und im Zirkus. Ohne solche Sinneseindrücke bleiben sie so virtuell wie die Chimären in Fantasy-Filmen und Computerspielen. Man sieht sie, aber man spürt sie nicht.

Wer heute die Anti-Zirkus-Kampagnen der Tierrechtler unterstützt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie als nächstes die Zoos abschaffen wollen. Schritt für Schritt, zunächst die Delfinarien, dann den Rest. Am Ende der PETA-Agenda steht ganz offiziell die Befreiung der Hunde und Katzen von ihrem Haustierdasein.

Ob diese Welt dann frei von Tierleid wäre, ist fraglich. Sie wäre auf jeden Fall ein kälterer Ort. Nähe zur lebendigen Natur ist für manche Menschen so wichtig, wie für andere Musik. Liebe Menschenrechtler redet doch mal mit den Tierrechtlern, ob wir nicht ein paar Elefanten behalten dürfen.

Erschienen in DIE WELT am 02.11.2011

Siehe auch: http://www.welt.de/wissenschaft/article13746841/Das-Maerchen-vom-grossen-Leiden-der-Zirkustiere.html

(Maxeiner und Miersch)


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Kategorie(n): Inland  Kultur  Bunte Welt 

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