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  20.01.2012   16:47   +Feedback

Sonnenbrand

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Vorschriften und Gesetze regeln selbst den entferntesten Bereich, damit Niemand ein noch so hypothetisches Ungemach zustoße. So machte kürzlich der Plan von sich reden, Tagesmütter den gleichen Hygiene-Vorschriften zu unterwerfen wie Lebensmittel-Hersteller. Wir erinnern uns auch an die aufwendigen Asbest-Sanierungen von Schulen und Kindergärten. Milliarden wurden für diese Maßnahmen ausgegeben.

Deshalb sind wir verwundert, was sich heute auf Deutschlands Schuldächern tut. Die werden nämlich gerne mit Solarpaneelen belegt. Diese Stromerzeuger haben jedoch einen kleinen Nachteil: Die Feuerwehr kann sie im Brandfall nicht löschen. Sie produzieren Gleichstrom und das nicht zu knapp - selbst kleinere Anlagen auf Einfamilienhäusern. Und das auch bei bedecktem Himmel, es braucht keine Sonne sondern nur Licht. In der Nacht reicht sogar die Einsatzbeleuchtung der Feuerwehr um die Stromproduktion einzuleiten. Löscht die Feuerwehr die Solaranlage mit Wasser, leitet es, und setzt alles unter Strom - die Retter und die Bewohner eingeschlossen. Der Einsatz von Schaum bringt nicht viel, weil er von den Schmutz abweisenden Beschichtung abrutscht. Und die noch schlechtere Nachricht: Die Anlagen sind nicht abschaltbar. Auch die Leitung zwischen den Modulen und dem Wechselrichter steht -selbst bei gezogener Hauptsicherung - weiter unter Strom. Ein Ratgeber für Feuerwehren empfiehlt daher ein Vorgehen wie bei „Hochbrand“ und „Hochspannung“. Das heißt in der Regel ein „kontrolliertes“ abbrennen lassen, denn „Stand heute gibt es keine sinnvolle Methode um im Ernstfall eine Photovoltaikanlage auszuschalten“.

Nicht eben zur Beruhigung von Bewohnern dürfte darüber hinaus beitragen, dass mit Solardächern versehene Häuser in der Regel auch aufwendig gedämmt sind. Die Fassaden werden mit dicken Hartschaumplatten eingehüllt. Bei Versuchen der Materialprüfungsanstalt Braunschweig fingen solche Platten schon nach wenigen Minuten Feuer und wirkten als „Brandbeschleuniger“. Ein brennender Mülleimer vor einem Haus in Delmenhorst entzündete kürzlich die Fassade und gleich fünf Mehrfamilienhäuser brannten aus. Das Feuer kletterte in kürzester Zeit zum Dachstuhl hoch. Und dort ist häufig eine Solaranlage installiert. Wie wundersam, dass nicht einmal bei Schulen oder Kindergärten Eltern dagegen Sturm laufen. Ein grüner Anstrich genügt offenbar um bei Behörden und Bewohnern jegliches Risikobewusstsein auszuschalten.

Erschienen in DIE WELT vom 20.01.2012

(Maxeiner und Miersch)


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Kategorie(n): Klima-Debatte  Wissen  Wirtschaft 

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