Fundstück 03.12.2009 20:29 +Feedback
So., 13.12., Hamburg: Demonstration gegen antisemitische Übergriffe
Für Sonntag, den 13. Dezember, ruft ein breites Bündnis zu einer
Demonstration gegen Antisemitismus auf. Anlass ist die am selben Tag
stattfindende Neuansetzung des Films »Warum Israel« im Hamburger
Programmkino B-Movie. Die Neuansetzung war nötig geworden, weil das
Kino die erste Vorführung aus Sorge um die Sicherheit seiner Gäste
hatte absagen müssen. Mitglieder einer benachbarten linken
Einrichtung, des »Internationalen Zentrums B5«, hatten am 25. Oktober
den Zugang zum Kino blockiert und den ca. 70 Besuchern mit Gewalt den
Zutritt verweigert. Dabei fielen nach Berichten von Augenzeugen auch
Beschimpfungen wie »Schwuchteln« und »Judenschweine«.
Der antisemitische Angriff auf »Warum Israel«, eine 1973 von Claude
Lanzmann gedrehte Dokumentation, hatte im In- und Ausland für heftige
Empörung gesorgt. Auch Lanzmann selber zeigte sich schockiert. Der
Regisseur, dessen Film »Shoah«, eine Recherche über die Vernichtung
der europäischen Juden, Weltruhm erlangte, erklärte auf Spiegel
Online: »Es ist noch nie irgendwo auf der Welt die Vorführung meiner
Filme verhindert worden« - ausgerechnet in Deutschland sei es jetzt
passiert.
»Die Demonstration«, so Bündnissprecher Andreas Benl, »soll deutlich
machen, dass antisemitischen Übergriffen entschlossen entgegengetreten
werden muss - egal, ob die Täter als traditionelle Judenhasser oder
als linke Antizionisten auftreten.« Unter dem Motto »Antisemitische
Schläger unmöglich machen - auch linke« wird die Demonstration vom
Schulterblatt, wo der Aufzug um 13:30 beginnt, zum B-Movie in die
Brigittenstraße ziehen. Die Aufrufer, die von der Jüdischen Gemeinde
Pinneberg über antifaschistische Gruppen bis zur Hamburger Band
Tocotronic reichen, wollen damit ein Zeichen der Unterstützung für die
Filmvorführung setzen.
Ziel der Kundgebung, heißt es im Aufruf der Initiatoren, sei es, »die
Angreiferinnen und Angreifer vom 25.10. politisch zu isolieren und
eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels zu
verunmöglichen«. Dazu Benl: »Wären die paar stalinistischen Spinner,
von denen die Blockade ausging, auf sich allein gestellt, würden sie
kaum eine Gefahr darstellen. Aber antiisraelische Hetze stößt
gesellschaftlich immer wieder auf offene Ohren. Und in der Hamburger
linken Szene gibt es leider eine lange Tradition der Duldung und
Deckung der antisemitischen Schläger.« Auch auf der Website der
Hamburger Linkspartei habe wochenlang ein Pamphlet stehen können,
welches die Verhinderung des Lanzmann-Films ausdrücklich
rechtfertigte. »Und wenn man sich«, so Benl weiter, »die Online-
Kommentare zur Berichterstattung in den überregionalen Medien
anschaut, bemerkt man schnell, dass antisemitisch fundierte
Israelfeindschaft beileibe kein Monopol der Linken ist.«
Über eine Berichterstattung in Ihrem Medium würden wir uns freuen. Den
vollständigen Aufruftext, mit täglich aktualisierter
Unterzeichnerliste, finden Sie unter
http://b-g-h-u.blogspot.com/
Für Nachfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Herrn Andreas Benl,
Tel. 0176 831 67 660, oder an hsb@studienbibliothek.org
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Kategorie(n): Inland


