12.01.2007   09:25   +Feedback

Selbstmord gescheitert, Schadensersatz gewonnen

Über manche Nachrichten in der britischen Presse kann man sich nur wundern. Da versuchte ein junger Strafgefangener, Selbstmord zu begehen, wurde aber vom Gefängnispersonal gefunden und erfolgreich wiederbelebt. So weit, so gut - könnte man meinen. Doch weit gefehlt: der gescheiterte Selbstmörder verklagte den Staat auf Schadensersatz und erhielt, wie nun bekannt wurde, in einer außergerichtlichen Einigung tatsächlich £575.000 (ca. €867.000). Bislang sind nur wenige Einzelheiten des Falles bekannt geworden, aber es wird davon ausgegangen, dass der Schadensersatzanspruch mit einem Verstoß gegen die Menschenrechte des Gefangenen begründet wurde.

Wenigstens regt sich nun Kritik, nicht nur an der Zahlung an sich, sondern vor allem an der Geheimniskrämerei um diesen Fall. Abgeordnete aus dem Haushaltsausschuss des Parlaments bemühen sich um Aufklärung, während das Zentralorgan der englischen Volksseele, The Sun, einen Sprecher der Gewerkschaft der Gefängnisaufseher zitiert:

“His life is saved and he walks out with more money than many people earn in their lifetime. It’s disgusting.”

Gehört es inzwischen zur Fürsorgepflicht des Staates seinen Strafgefangenen gegenüber, sie bei Selbstmordversuchen nicht zu stören?


Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Ausland  Bunte Welt