03.03.2012   16:18   Leserkommentare (0)*

Schweigen im Massengrab

Können Sie sich noch an das “Schlacht von Jenin” im April 2002 erinnern? Die Rede war von einem Massaker mit Hunderten, wenn nicht gar Tausenden von Toten, es hiess, die ganze Stadt sei dem Erdboden gleichgemacht worden, die einen sprachen von “Jeningrad”, die anderen von Oradour und Lidice der Palästinenser. Selbst die stinksolide NZZ schrieb, Jenin sei “zum Mythos” geworden. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, blieben 54 tote Palästinenser (die Hälfte von ihnen Zivilisten) und 23 tote israelische Soldaten zurück.

Und nun Homs. Die Stadt wird seit Wochen von Assads Truppe beschossen, vieles spricht dafür, dass dort tatsächlich ein Massaker stattfindet, bei dem Hunderte von Menschen ums Leben gekommen sind. Aber so lange Karin Leukefeld als einzige unabhängige und objektive Journalistin aus Syrien berichten darf, wobei sie sich auf die “ausländische Hife” konzentriert, die den “Aktivisten” zuteil wird, können solche Meldungen nicht bestätigt werden. Es könnte sich ja um gezielte antisyrische Propaganda der Imperialisten handeln.

Und deswegen gehen die Nachrichten aus Syrien den Edelseelen der deutschen Friedensbewegung an deren erkalteten Herzen und verfetteten Ärschen vorbei. Sie schweigen wie ein Massengrab. Es macht sich auch niemand als “menschliches Schutzschild” auf den Weg nach Homs, wie damals, als es darum ging, Saddam Hussein vor einem Angriff der Amis zu bewahren. Nicht einmal Konstantin Wecker, der Anfang 2003 ein Konzert in Bagdad gab - als ob die Menschen dort nicht schon genug leiden mussten - sagt oder trällert was zu Homs.

Denn die Altherrenriege der Friedensbewegung hat derzeit alle Hände voll zu tun, einen Angriff des Westens auf den Iran zu verhindern. Nach Saddam, Osama Bin Laden und Gaddafi ist den deutschen Pace-Grufties nur noch Ahmadinejad als Idol übrig geblieben. Schauen Sie sich mal diesen Aufruf und die Liste der Unterzeichner an. Die wissen nicht nur genau, was das iranische Volk will, die haben alle noch mit Leni Riefenstahl rumgemacht.

Mein All-Tine-Favorite ist der in Berlin-Dahlem weltberühmte Politologe Ekkehart Krippendorff, der tatsächich einmal geschrieben hat, die Juden hätten durch “massiven passiven Widerstand” das Dritte Reich zum Einsturz bringen können:

““Man stelle sich dieses Szenario vor: Kein deutscher Jude folgt den diskriminierenden Anordnungen der deutschen Behörden (Judenstern, getrennte Parkbänke, beschränkte Einkaufszeiten usw.) - wären sie gegenüber Hunderttausenden durchsetzbar gewesen? Man stelle sich vor, kein deutscher Jude wäre Befehlen gefolgt, sich zu Sammelplätzen einzufinden - einige Dutzend, einige hundert, vielleicht auch einige zehntausend hätte die deutsche Polizei einzeln (passiver Widerstand!) aus ihren Wohnungen gezerrt und auf Lastwagen verladen; aber Hunderttausende? . . . Oder man stelle sich vor, die Kolonnen der Hunderte und Tausende auf dem Weg zu den Güterbahnhöfen hätten sich schlicht hingesetzt, ,Sitzstreik’’ nennen wir das heute - hätten Polizei, SA, Wehrmacht und SS es gewagt, im Angesicht aller deutschen Zuschauer diese Menschen jeden Alters und Geschlechts zusammenzuschlagen und sie Körper für Körper, widerstandslos und doch mächtig, auf Lastwagen zu verfrachten? . . . Die Spekulation ist zumindest legitim, sich zu fragen, ob das Regime nicht an einem solchen massiven passiven Widerstand selbst zerbrochen wäre.” http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491166.html

Und dieser Volltrottel traut sich noch immer, das Maul aufzureißen.

Siehe auch:
http://www.stern.de/politik/ausland/trotz-internationaler-proteste-das-blutbad-in-syrien-nimmt-kein-ende-1794950.html#utm_source=standard&utm_medium=rss-feed&utm_campaign=alle

Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Inland  Ausland 

Leserkommentare **

* Leserkommentare werden meist einmal täglich veröffentlicht. Wenn Sie Kommentare vermissen, schauen Sie doch später noch mal vorbei.


Es wurden noch keine Kommentare veröffentlicht.

Kommentar schreiben

Es kann nur innerhalb der ersten drei Tage nach Veröffentlichung eines Artikels kommentiert werden.


** Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserkommentare nicht, gekürzt oder in Auszügen zu veröffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. (Bitte Vor- und Nachnamen angeben!) Leserkommentare sollten zusätzliche Argumente, Gedanken oder Informationen zum kommentierten Beitrag erhalten. Bloße Zustimmung oder Ablehnung sortieren wir aus.