Richard Wagner 29.08.2010 05:49 +Feedback
Sarrazin und das Kartell
Der Streit um den Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin und sein aktuelles Buch, das er morgen, am Montag, der Öffentlichkeit präsentieren will, geht bereits in die nächste Runde. Eine gewaltige Gegnerschaft baut sich auf, eine Gegnerschaft, man muss es so sagen, aus dem herrschenden Kartell der politischen Klasse und der ihr zugeordneten diversen Medien, kurzum, die Liste des jährlichen Presseballs.
Die Schwerpunkte aus dem Buch Sarrazins, seine unverstellten und unverbogenen Verweise auf die Problematik, die sich für Deutschland, seine Gegenwart und Zukunft, durch die islamische Einwanderung und ihre kulturverändernden Folgen ergibt, haben das Kartell schier außer Rand und Band gebracht.
Der Grund dafür ist vor allem wohl das Zusammentreffen des Beifalls und der Zustimmung aus der Bevölkerung für den Bundesbanker und seine Ansichten mit dem schlechten Politbarometer, also den Umfrageergebnissen für die etablierten Politiker von rechts bis links und wieder zurück. Plötzlich haben sie gemeinsame Interessen und einen gemeinsamen Gegner. Und sie möchten gern glauben, dass dieser Gegner bloß Sarrazin ist.
Als Beobachter der Situation müssen wir sie enttäuschen. Nein, der Gegner ist nicht Sarrazin, zumindest ist er es nicht allein, der Gegner ist Teil der öffentlichen Meinung und dieser Teil der öffentlichen Meinung wächst. Es ist der Teil, dem es von der Lüge reicht, der nicht weiter hinnehmen will, was alles zum Thema islamische Einwanderung schön geredet wird vom Kartell, von rechts bis links und wieder zurück.
Es geht um nichts weniger, als um das Selbstverständnis unseres Landes und unserer Nation. Es geht nicht um Ausgrenzung, und es geht auch nicht um das Problem der Integration. Es geht um die Frage, ob wir für dieses Deutschland als Teil des Westens und der europäischen Idee, als Verbündeter der Vereinigten Staaten und Israels, weiterhin wirken wollen, oder ob wir uns der „multikulturellen Demokratie“ zuwenden, dem Kulturrelativismus, und den Rechtsstaat zu Gunsten einer anatolischen Basargesellschaft mit religiösen Faustregeln aufgeben wollen, die aller christlichen Theologie widersprechen. Wer heute den Papst bekämpft, macht den Weg für den Imam frei.
Es geht darum, ob wir weiterhin die Freiheit als Zentrum unserer Lebensweise betrachten wollen, von der Meinungsfreiheit bis zur Unternehmensfreiheit, die Gleichstellung der Geschlechter, die Selbstverantwortung der Bürgerschaft, oder ob wir uns mit der „kultursensiblen“ Transformation unserer Gesellschaft abfinden wollen, mit der Enteuropäisierung unseres Landes.
Der Sozialdemokrat Sarrazin hat mit seinen Äußerungen den Blick der Öffentlichkeit auf ein Thema gelenkt, über das man nicht mehr hinwegsehen kann. Er kam mit seinem Buch, das übrigens in einem renommierten Verlag, bei der DVA, einem Traditionsverlagshaus, erschienen ist, im richtigen Augenblick. Jedes andere Buch zu diesem Thema, das so ungeschminkt wie seines daherkäme, hätte diese Aufgabe erfüllen können. Das zeigt unter anderem auch der Erfolg des anderen Buches zum Thema, des Buches der Richterin Heisig. Sie aber ist tot, und damit keine Gefahr mehr für das Kartell und seine Barometer.
Sarrazin kann man in der Sache nicht los werden. Das weiß die politische Klasse, und das wissen auch die ihr zugeordneten Medien, die Traumtänzer vom Presseball. Deshalb werden sie versuchen ihn mit den bekannten Mitteln der Diffamierung und der Entlarvung öffentlich zur Unperson zu machen.
Zunächst war es die Statistik, die man ihm um die Ohren schlug. Rauf und runter wurde nachgewiesen, dass seine Statistiken verschieden interpretierbar seien. Danach kam das eine oder andere Zitat aus seiner angeblich genetischen Argumentation. Das neueste ist nun, innerhalb dieses Genetikzirkus, der Vorwurf des Antisemitismus. So ist Sarrazin, innerhalb von ein paar Tagen, vom Provokateur zum Rassisten und Antisemiten geworden.
Das Problem aber ist damit nicht ausdiskutiert, und schon längst nicht gelöst. Denn dass die islamische Einwanderung ein Problem ist, ist nicht nur eine Macke von Sarrazin, sondern die Überzeugung immer größerer Teile der Bevölkerung und der Öffentlichkeit. Das lässt sich nicht aus der Welt schaffen, weder durch Beschönigung noch durch Manipulation. Auch nicht durch die Schließung von Diskussionsforen im Internet, wenn die Inhalte nicht mehr passen, und die Löschung von Dutzenden von Leserrezensionen, wie es über amazon.de behauptet wird. All diese Vorkommnisse täuschen darüber nicht hinweg, sie verdeutlichen eher das Dilemma des Kartells.
Wie wäre es, verehrte Berufspolitiker, Qualitätsjournalisten und sonstige Gutmenschen, ehrenamtliche und besoldete, wenn ihr jetzt mal aufhören würdet, uns, die anderen, eure Wähler, den Rest der Nation, als Rassisten, als Antisemiten, als unverbesserliche Deutsche zu beschimpfen und statt dessen über den Stand der Dinge mit uns redet, einfach so.


