Wolfgang Röhl 13.03.2010 14:33 +Feedback
Sagen Sie mal, werter Hajo Schumacher…
...was hat da Ihre ansonsten nicht ganz unhelle Birne jäh verdunkelt? Eine „Ethik-Debatte“ möchte Sie im Medienmagazin „V.i.S.d.P.“ (steht für „Verantwortlich im Sinne des Presserechts“) lostreten? Und zwar aus Anlass der Marginalie, dass der weltberühmte Medienjournalist Stefan Niggemeier, Kolumnendreher und Mitschöpfer des „Bildblog“, sich als Mitautor für das Drehbuch einer strunzdoofen Show verdingt hat, die kürzlich in der ARD als Schleichwerbedauersendung für die Musikindustrie unter dem Namen „Echo 2010“ lief? Obwohl er, dieser Niggemeier, sich doch immerfort als „Wertewart“ aufplustere und für „mediale Reinheit“ einsetze? „Darf ein Medienschaffender,“ fragen Sie im Duktus eines Émile Zola aus Berlin-Mitte, „ein moralisch hoch anspruchsvoller zudem, für Unternehmen arbeiten, über die er hauptberuflich berichtet?“…
Geht´s dreieinhalb Nummern kleiner, Hajo Schumacher? Sie müssten doch wissen: der Bildblog hatte noch nie was mit journalistischen Werten oder ähnlichem Geschwurbel zu tun, sondern war seit seiner Gründung eine beliebte Bedürfnisanstalt für politisch Überständige, die ihre Lebensseligkeit noch immer darin finden, „Bild“-Entchen zu zählen. Der ehemalige Blogwart Niggemeier (hat sich inzwischen etwas verpieselt) taugt als Ritter von der rotgrünen Gestalt zum bundesjournalistischen Wertewächter ungefähr so gut wie die Claudi Roth zur Moderatorin von „Aktenzeichen XY ungelöst“. Einer wie er, der gern das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen schön schreibt, der NDR-Kampagnensendung „Zapp“ als Stichwortgeber dient oder sich auch sonst rührend um unseren Staatsfunk kümmert, kriegt zu Recht auch mal einen Brocken vom großen GEZ-Tisch ab. Na und? Um Millionen wird´s dabei nicht gehen.
Und was, Hajo Schumacher, steht als Nächstes auf Ihrer Shame & Scandal-Agenda? Der Redakteur des Anzeigenblättchens „Hadler Kurier“ hat sich vom Geschäftsführer der Schlecker-Filiale in Drochtersen zum Stinte-satt-Essen einladen lassen (vorweg Hochzeitssuppe!)? Weshalb der Mann jetzt nicht mehr seiner bewährten investigativen Arbeit über den politisch-wirtschaftlichen Komplex in der Unterelberegion nachgehen kann, ohne dass seine Artikel künftig kritisch hinterfragt werden müssten? Wie, und bei der „Apotheken Umschau“ arbeiten gewisse Leute, die überhaupt keine Berührungsängste gegenüber der Pharmaindustrie kennen? Und beim „Vorwärts“ sind sie alle total voreingenommen und jazzen dauernd vollkommen einseitig die Sozis hoch? Ist es das, was Ihnen den Schlaf raubt? Bin gespannt.
Verantwortlich im Sinne dieser Petitesse: Ihr Wolfgang Röhl
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Kategorie(n): Kultur


