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  02.11.2009   08:54   +Feedback

Rumänische Botschaft

Am gestrigen Sonntag, Allerheiligen, anlässlich der Verleihung des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises, hat Herta Müller eine Abschrift des Telefonats zwischen Bischof Albert Klein aus Hermannstadt in Siebenbürgen und den Organisatoren des Kirchentags in Berlin, im Frühjahr 1989, zitiert. Der Bischof hatte die Ausladung von Herta Müller und mir von einem Rumänien-Podium zur Bedingung der eigenen Teilnahme gemacht.
http://www.boersenblatt.net/sixcms/detail.php?id=345771

Das Telefonat, das er im Namen seines Kirchenvorstands (Bischofsvikar Dr. Christoph Klein, Landeskirchenkurator Hermannstädter, Hauptanwalt H. G. Binder, Dekan Dr. Pitters und Prof. Dr. Paul Philippi) führte, fand am 16.3.1989 statt. Ihm vorausgegangen war ein Protestschreiben des rumänischen Botschafters in Deutschland an die Kirchentagsleitung.

Ceausescu-Botschafter Marcel Dinu schrieb damals unter der Anschrift „Gnädige Frau Dr. Wolf“ und im Deutsch seines Vorzimmers unter anderem dieses:

„Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Ihrer Einladung nicht Folge leisten kann, und die Gründe dafür mache ich Ihnen in diesem Schreiben bekannt. (....)Aus dem Text Ihres Schreibens ersieht es sich deutlich, dass es die vorgesehene Veranstaltung in West Berlin nicht von dem Wunsch des Verstehens und Kennenlernens der rumänischen Wirklichkeiten, sondern, im Gegenteil, von dem Wunsch der Verleumdung meines Landes ausgeht.

Ein Beweis dafür ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung einer Person, die uns durch ihre oft geäußerte, offengekündigte, feindselige, antirumänische Position sehr bekannt ist.

Noch dazu, kann die Art und Weise, in der Sie das Thema Rumänien zu erörtern beabsichtigen, als ein Versuch der Einmischung in den inneren Angelegenheiten meines Landes aufgefassen werden und das kann man keinesfalls akzeptieren gleich wer diesen Versuch macht.

Unter diesen Bedingungen habe ich Zweifel, dass die Veranstaltung in Berlin irgendwie zu einem gegenseitigen Kennenlernen , zu einer Annäherung zwischen unseren Ländern und Völkern beitragen könnte.“

Unterzeichnet hat der Botschafter den Brief so: „Ihr aufrichtiger Marcel Dinu.“

In diesem Schreiben sind Herta Müller und ich anonymisiert, zum Inbegriff des Staatsfeinds erklärt. Die Namen und Details nennt wenige Tage später der Bischof im Telefonat.

Albert Klein ist inzwischen verstorben, sein Nachfolger ist der damalige Bischofsvikar Dr. Christoph Klein. Ebenfalls im Amt ist auch Prof. Dr. Paul Philippi.

Und der Botschafter Marcel Dinu? Auch er dient weiterhin seinem Land. Zur Zeit als Botschafter in Ägypten.

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 

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