Dr. Benny Peiser 02.09.2008 14:06 +Feedback
Roland Vaubel: Weshalb Freiheit (einen Rest) Anarchie erfordert
Für viele Menschen ist Freiheit dasselbe wie Anarchie. Sie nennen die Marktwirtschaft eine „Ellenbogengesellschaft“. Sie werden in dieser Auffassung bestärkt von Politikern und Gewerkschaftsführern, die daran ein Interesse haben. Eine Ellenbogengesellschaft ist eine Welt, in der jeder jedem Gewalt antun kann. Es gilt das „Recht des Stärkeren“ oder das „Gesetz des Dschungels“. Das ist der mythische Urzustand des Thomas Hobbes, in dem jeder jedes anderen Feind ist. Die Anarchie erzeugt ein Gleichgewicht, aber es ist ein Gleichgewicht des Schreckens. Bei Thomas Hobbes und John Locke wird dieser wilde Urzustand durch den Gesellschaftsvertrag beendet. Es wird ein Staat gegründet, der das Gewaltmonopol erhält und jeden einzelnen vor Übergriffen der Anderen schützt. Das ist für alle vorteilhaft, denn damit wird der Rüstungswettlauf beendet und ein Kooperationsgewinn – eine „Friedensdividende“ – erzielt.
Da die Marktwirtschaft auf freiwillig geschlossenen Verträgen, d.h. auf gegenseitiger Zustimmung, beruht, ist sie das Gegenteil einer Ellenbogengesellschaft. Sie ist eine Zustimmungsgesellschaft, ein herrschaftsfreier Koordinationsmechanismus. Deshalb haben Liberale aller Zeiten Freiheit und Anarchie als Gegensätze betrachtet: die freiheitliche Ordnung ist die Überwindung der Anarchie. Leider kommt die Freiheit jedoch nicht ohne einen Rest Anarchie aus.
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Kategorie(n): Kultur Wissen Wirtschaft

