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  28.02.2012   02:25   +Feedback

Profis unter sich: ARD vs. Stratfor

Der NDR empört sich über Stratfor, einen Informationshändler, der seit 1996 Analysen und Vorhersagen für Abonnenten und Einzelkunden liefert. Ich kenne die Firma erst seit wenigen Jahren, bin aber beeindruckt, wie präzise zutreffend sie seitdem die Entwicklungen im Einflussbereich Russlands und im Nahen Osten aufbereitet und interpretiert hatte. (Mir ist tatsächlich kein einziges deutschsprachiges Medium bekannt, das zutreffender berichtete.) Ende letzten Jahres wurden die Computer von Stratfor gehackt. Die Hacker haben zunächst versucht die Kunden der Firma mittels deren Kreditkartendetails zu bestehlen und nun außerdem offenbar interne Mails an “Wikileaks” weitergegeben. So weit, so kriminell.

Nun freut sich der NDR, den dramatisch effektiver arbeitenden Kollegen von Stratfor mit Hilfe der kriminellen Helfer der kriminellen Wikileaks ans Bein pissen zu können. Im zugehörigen Beitrag skandalisierte das Nachtmagazin z.B. die Tatsache, dass neben öffentlich einsehbarer auch eigene Quellen Stratfor mit Informationen beliefern:

“In internen Listen erscheinen Informanten aller Art. Das texanische Unternehmen pflegt Verbindungen zu türkischen Regierungsberatern, US-Diplomaten im Ausland oder pakistanischen Geheimdienstquellen.”

Offenbar sind das Verbindungen, die die ARD mit Milliarden von Euros Etat und einem weltweiten Korrespondentennetz nicht hinbekommt. Zumindest lässt die Qualität der Berichterstattung keinen anderen Schluss zu.

“Das Unternehmen bedient sich hierbei jedoch fragwürdiger Arbeitsmethoden.”

Hui, da sind wir aber gespannt!

“Stratfor ist einem Nachrichtendienst dabei viel ähnlicher, als das Unternehmen nach außen hin zugibt. Allem Anschein nach wissen viele Quellen nicht davon, dass sie von Mitarbeitern der texanischen Firma abgeschöpft werden. Die Mitarbeiter des Unternehmens zeigen sich laut einer E-Mail des Gründers Friedman als solche - oder auch nicht: ‘Wie es uns eben passt.’”

Fragwürdig? Wohl kaum, das heißt im Journalismus “verdeckte Reportage” und nicht nur G. Wallraff ist damit gern gesehener Stammgast auf allen GEZ-Sendern.

“Stratfor-Quellen wüssten unter Umständen ‘zu keinem Zeitpunkt, dass sie eine Quelle’ waren. Friedman geht sogar noch weiter. In einer Nachricht bedrängt er eine Analystin, ‘finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle’ über einen Informanten zu erlangen - ‘bis zu dem Punkt, an dem er seine Quellen preisgibt.’”

Ohne ein Mindestmaß an “psychologischer Kontrolle” über Informanten wäre exakt keine einzige journalistische Enthüllung jemals zustande gekommen.

“Es drängt sich der Verdacht auf, dass Stratfor im Ausland mit Mitteln der Spionage arbeitet. Mit solchen Arbeitsmethoden gelangt Stratfor offenbar immer wieder an sensible Informationen. So berichtet ein türkischer Regierungsberater über eine angeblich tödliche Erkrankung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Eine mexikanische Militärquelle mit Zugang zum mexikanischen Präsidenten gewährt Stratfor Einsicht in die geplante Anschaffung von Drohnen. Ein hochrangiger US-Militär berichtet minutiös über Hubschraubereinsätze in Pakistan.”

Exakt solche Informationen von exakt solchen Leuten erhalten auch deutsche Journalisten minütlich, “unter drei”, also nur zur internen, analytischen Verwendung ohne Nennung der Quelle.

Nachdem also exakt gar nichts begründet, widerrechtlich erlangte Daten eines NDR-Konkurrenzunternehmens auch nur anzusehen, geschweige denn zu veröffentlichen, muss doch irgendein Vorwurf gestrickt werden:

Keiner kontrolliert Stratfor
Gegenüber der CIA hat Stratfor einen großen Vorteil. Im Unterschied zu den offiziellen Nachrichtendiensten der amerikanischen Regierung muss Stratfor keinerlei Kontrolle befürchten. Der Private Intelligence Markt ist gänzlich unreguliert.”

Das ist von unfreiwilliger Komik: Bekanntlich werden ARD-Journalisten nur von der Parteienproporzschere im Kopf kontrolliert. Das nennen sie “Unabhängigkeit”, finden es töfte und wahnsinnig wichtig und halten es außerdem für einen guten Grund, um mittels Gebührenmilliarden eben auch jede Menge Schund zu produzieren. Das nun kann man Stratfor wirklich nicht vorwerfen, deren Kunden zahlen freiwillig. Im begleitenden Video wird außerdem der Beweis erbracht, dass den investigativen Recherchefüchsen des NDR all das entweder wirklich nicht auffällt, oder dass sie ihre tiefsitzende Scham perfekt zu verbergen beherrschen. Wie gute Geheimagenten. 

(David Harnasch)


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Kategorie(n): Ausland 

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