22.06.2012   11:15   +Feedback

Post von Bodo

Erturt, 21. Juni 2012

Sehr geehrter Herr Weinthal,

mit Entsetzen und völligem Unverständnis habe ich nun Ihre Arbeitsmethode kennenlernen und erdulden müssen.

Sie haben sich mir gegenüber als Mitarbeiter der Jerusalem Post und als Journalist ausgegeben und mir eine E-Mail-Adresse angegeben, aus der ich schlussfolgern musste, dass Sie sich in dieser Funktion und für dieses Medium an mich wenden.

Offenbar sind Ihnen aber die Grundkenntnisse journalistischer Recherche und Arbeitsmethoden sowie insbesondere journalistischer Ethik völlig unbekannt und noch weniger scheinen Ihnen Rechtsgrundlagen des Vertrauens- und Persönlichkeitsschutzes sowie des Post- und Fernmeldegeheimnisses bekannt zu sein.

Ich werde deshalb diesen Brief gleichlautend an die Chefredaktion der Jerusalem Post senden.

Ob ich rechtliche Schritte einleite, möchte ich erst in einem gewissen Abstand entscheiden.

Mein Entsetzen und Unverständnis basiert auf folgenden Punkten:

1. Sie geben vor, Journalist für eine renommierte Zeitung zu sein und Ihre Anfragen an mich sind so gestellt, als würden sie sich auf Sachverhalte beziehen, die Sie für genau dieses Medium recherchieren. Auf Ihre Anfragen habe ich geantwortet, wie ich es für richtig gehalten habe. Meine Antworten muss ich selber verantworten. Was Sie damit gemacht haben, ist allerdings völlig inakzeptabel, denn Sie haben offenkundig den internen Mailverkehr zwischen Ihnen und mir an einen Dritten weitergeleitet, der ihn dann veröffentlichte. Es handelt sich um Henryk M. Broder, der als Publizist bei mir bis zum heutigen Tage weder angefragt noch Sachverhalte geprüft hat. Ihr Verhalten, meine Antworten direkt weiterzugeben, ist höchst unprofessionell. Offenbar ist Ihnen mein Recht an meinem geschriebenen Wort unbekannt und offenbar fungieren Sie nur als Agent Provocateur, denn ich habe ausschließlich auf Ihre Anfragen geantwortet, im Schutze und im Vertrauen auf eine journalistische Recherche. Offenbar scheinen Sie die Recherche für die Jerusalem Post nur vorzutäuschen, um damit Herrn Broder die Geister beschwören zu lassen, die er dann feinsinnig mit Ihrer Hilfe öffentlichkeitswirksam und kampagnenartig zu bekämpfen denkt. Ob, was und wie ich Herrn Broder geantwortet hätte ¬seine Anfrage vorausgesetzt – hätte ich selbst entschieden, ohne von Ihnen auf diese Weise hintergangen zu werden.

2. Ich finde es empörend, dass Sie dabei Unwahrheiten verbreiten. Ich hatte Sie mehrfach darum gebeten, sich mit Ihren Anfragen an meine dienstliche Mailadresse zu wenden, damit meine private Mailadresse durch Ihr Verhalten nicht ständig ungebeten an Dritte verbreitet wird. Sie haben geantwortet, dass Sie Anfragen an meine Presseabteilung gesendet hätten, die nicht beantwortet worden seien. Dies ist unwahr; ich habe mir eine dienstliche Erklärung meiner Pressesprecherin geben lassen, aus der deutlich wird, dass Sie nie in der Presseabteilung der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag angefragt haben. Meine Pressesprecherin hat weder ihren Namen jemals gehört noch liegt ihr irgendeine Anfrage oder ein sonstiger Kontaktversuch von Ihnen vor. Es ist also unwahr, was Sie mir schreiben, dass meine Presseabteilung Ihre Anfragen nicht bearbeitet habe.

3. Sie missbrauchen meine private Mailadresse, die, so vermute ich, Ihnen offenkundig unberechtigerweise ein (inzwischen ehemaliges) Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft aus Erfurt zugänglich gemacht hat. Diese Mailadresse ist lediglich im Verteiler der DIG, deren Mitglied ich bin, abgespeichert. Die Adresse dient nur meiner persönlichen Kommunikation und Information und sie ist nicht geeignet, an Dritte weitergegeben zu werden. Trotz meiner Aufforderung haben Sie mehrfach meine geschützte Mailadresse an mir unbekannte Menschen ungeschützt weitergeleitet. Wie ich durch die Veröffentlichung von Herrn Broder feststellen konnte, ist unsere gesamte Mailkorrespondenz von Ihnen 1 : 1 weitergeleitet worden; damit wurden auch unter Bruch des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowohl meine Korrespondenz als auch meine privaten Daten weitergeleitet. Datenschutz scheint Ihnen ein unbekannter Begriff zu sein und Persönlichkeitsrechte Ihrer Gesprächspartner dürften Ihnen egal sein. Ich könnte auf ähnliche Art und Weise nun sowohl Ihre Mailadresse als auch Ihre Handynummer ins Internet stellen und darum werben, dass Menschen, die die krawallartigen Ausfälligkeiten von Herrn Broder, die er in meine Richtung absondert, nicht mehr verstehen können, sich nun als Fragesteller direkt an Sie wenden.

Es bleibt das Geheimnis von Ihnen und von Herrn Broder, was eigentlich damit bezweckt wird, dass ein Mensch, der – öffentlich nachlesbar – eindeutig gegen den Pax Christi aufruft, so behandelt wird, wie Sie es offenbar für nötig finden. Oder geht es gar nicht mehr um den Pax Christi-Aufruf?

Herr Broder erfindet einfach Dinge, denn es ist schlicht falsch, dass ich – was er in seinem Blog behauptet und was offenbar mit Ihrer Hilfe gestützt wird – den Text der „Gemeinsamen Erklärung“ zum Aufruf von Pax Christi verfasst hätte. Damit ist es auch falsch, dass ich zuständig sei für den „SED-Jargon“, den Herr Broder dort vorgefunden haben will.

Ich habe lediglich den Text anschließend mit unterzeichnet, da ich mich in dem Text wiederfinde, es gibt für mich keinen Grund, mich von der Gemeinsamen Erklärung zu distanzieren.

Es ist aber ein erheblicher Unterschied, ob ich den Text verfasst habe, wie es Herr Broder behauptet, oder ob ich einem Text zugestimmt habe, nachdem er ausgefertigt war.

Auch ist es falsch, dass diese „Gemeinsame Erklärung“ – und das habe ich Ihnen versucht zu antworten, als ich noch der Meinung war, dass Sie dies für die Jerusalem Post als Journalist recherchieren würden – durch mich „eingefädelt“ worden sei.

Deshalb habe ich auch mitgeteilt, dass ich mich wundere, wie ein Herr Broder glaubt, beurteilen zu können, wie es zu dem Text kam, wer den Text verfasst habe, wer ihn “eingefädelt’ habe, etc.

Festzustellen bleibt, Herr Broder war in der Angelegenheit nie involviert, er war nie vor Ort, er war nie hier und an keinem der Gespräche beteiligt.

Fest steht, Sie haben bei mir nachgefragt, ich habe Ihnen geantwortet und Sie haben meine Antworten alle an Herrn Broder weitergeleitet.

Dass dieser Herr Broder mich nun einen Lügner nennt, fällt auf Sie und ihn selbst zurück, denn in jedem Fall habe ich in meinen Aussagen Ihnen gegenüber nicht gelogen. während Sie mir gegenüber gelogen haben, als Sie behaupteten, dass sie meine Presseabteilung mehrfach kontaktiert hätten.

Eine persönliche Bemerkung erlaube ich mir in der Tat abschließend.

Dass Sie schweigend zur Kenntnis nehmen, wie Herr Broder Juden in „richtige“ und „falsche“ Juden einordnet, mögen Sie mit sich und Ihrem Gewissen ausmachen.

Dass dabei aber die liberalen Juden diskriminiert und diskreditiert werden, ist schon ein starkes Stück.

Dass Herr Broder anscheinend nicht einmal weiß, wer „Sudel-Ede“ war und dies aus Unkenntnis fälschlich mit einem nationalsozialistischen Begriff gleichsetzt, spricht zumindest nicht für seine publizistische Kompetenz.

Dass er dann noch meine Legasthenie zum Anlass nimmt, sich darüber öffentlich lustig zu machen, zeigt meines Erachtens nur, wes Geistes Kind er ist.

Ihnen aber scheint es offenbar nur auf diese Tonalität anzukommen, um damit einzuordnen, wer auf der von Ihnen oder Herrn Broder gefertigten Skala ein Freund Israels, ein wahrer Freund Israels oder der einzig wahre Freund Israels ist. Differenzierte Sichten scheinen bei Ihnen zumindest nicht gefragt zu sein, denn dank Ihrer Hilfe habe ich jetzt gelernt, wie schnell man in eine vermeintlich gegnerische Position hineinkatapultiert wird und ich habe gelernt, wie eine Kampagne funktioniert, die angebliche Feinde Israels brandmarkt, an den Pranger stellt, beleidigt, herabwürdigt und bei der man eine von Ihnen und Herrn Broder ausgewählte Person in jedem Fall verletzen wollte und will.

Ob das der journalistischen Sorgfaltspflicht eines Redakteurs der Jerusalem Post würdig ist, müssen Sie und Ihre Redaktion entscheiden. Ich für meinen Teil fordere Sie auf, die Weitergabe von persönlichen Schreiben von mir und die Weitergabe meiner privaten Daten zu unterlassen.

Hochachtungsvoll

Bodo Ramelow

Nachrichtlich:
- Redaktion Jerusalem Post
- Redaktion “Achse des Guten”
- Mail DIG Erfurt

Und darum geht es:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kleiner_mann_was_tun/
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/graf_bobby_gibt_sich_die_ehre/
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/eine_ganz_uebele_methode/
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nicht_nur_sauber/

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Kategorie(n): Bunte Welt 

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