David Harnasch 30.08.2008 11:09 +Feedback
Pitzkes potenzierter Zynismus
Auch wenn ich momentan guten Grundes wegen nicht über SPON lästern sollte, empöre ich mich grade über folgende Anmerkung zu McCains “Running Mate” Sarah Palin:
“So ist sie nicht einfach nur gegen Abtreibung. Sondern gegen Abtreibung auch im Fall von Vergewaltigung oder Inzest. Oder - wie sich bei ihrem eigenen, im April geborenen Sohn Trig zeigte - bei einer schon im Embryonenstadium erkannten Behinderung des Kindes. Trig, so hatten Gentests bereits früh ergeben, leidet am Down-Syndrom. Palin brachte ihn trotzdem zur Welt - und hielt ihn gestern auf dem Arm.
Es war ein erster Vorgeschmack darauf, wie zynisch sich auch die Republikaner nächste Woche für die Wähler in Szene setzen werden.”
(Vorab: Ich bin absolut pro-choice, also für das Recht auf Abtreibung. Auch bei pränataler Diagnose einer Behinderung. Aber ich bin auch interessiert genug, um zu wissen, dass die Kriterien “Vergewaltigung” und “Inzest” zwar für eine überwältigende Mehrheit der Amerikaner relevant sind, in der Rechtssprechung jedoch aus verfassungsrechtlichen Gründen keine Anwendung finden können.)
Nun zur Begriffsdefinition anhand konkreter Beispiele:
Das Gegenteil von Zynismus ist es, (in Übereinstimmung mit den eigenen, öffentlich verkündeten Werten) einen Sohn auszutragen, zu erziehen und zu lieben, der das Down-Syndrom hat. Selbstverständlich darf Frau den dann auch vor Kameras halten, alle Politiker in den Demokratien dieser Welt geben mit ihrer familiären Integrität an.
Zynisch bis ins Marc ist es hingegen, einer Mutter zu unterstellen, sie hätte ihren mongoloiden Sohn nur zur Welt gebracht, um ihn wahltaktisch verwerten zu können. Herr Pitzke kann sich aber offensichtlich keine andere Beziehung zu einem behinderten Kind vorstellen.
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Kategorie(n): Ausland

