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  02.01.2009   17:52   +Feedback

Per Hinrichs: Der neue Schwarze Block

Wer am Freitag kurz in die Hamburger Innenstadt wollte, um CDs umzutauschen oder Restaurant-Gutscheine zu verfuttern, bekam gratis noch eine anschauliche Demonstration nahöstlicher Theaterkünste verpasst. Die Reaktion auf die israelische Militäraktion im Gazastreifen durfte natürlich auch in der vom Schauplatz mehrere tausend Kilometer entfernten Hansestadt nicht ausbleiben. Und so schoben sich Tauende Menschen in Pali-Tüchern durch die Mönckebergstraße, riefen „Kindermörder Israel“ und „Freiheit für Palästina“, hielten Plakate mit durchgestrichenen Davidssternen hoch und skandierten bei der Abschlusskundgebung am Gäsemarkt: „Der Krieg hat einen Namen: Israel“. Zwischendrin blieb der mehrere hundert Meter lange Zug stehen, Männer bildeten einen Kreis und schrieen unverständliche Parolen; womöglich auf arabisch. Was wohl passiert wäre, wenn die Demo an einem Geschäft namens Rosenthal oder Kohn vorbeimarschiert wäre?

Aber das Problem wurde ja schon viele Jahre zuvor aus dem Weg geräumt, was den Veranstaltern aber auch wieder nicht passte. „Deutsche, warum schweigt ihr?“ schallte es aus dem Mikrowagen, als man den Jungfernstieg passierte und sich partout immer noch niemand anschließen wollte. Bestimmt wieder falsche Scham!
Auffallend viele Frauen beteiligten sich am Aufmarsch, auch hunderte Kinder waren zu sehen. Ob es sich hierbei um den Versuch handelte, Frauen stärker an der Meinungs- und Willensbildung in der exil-palästinensischen Community zu beteiligen, scheint aber fraglich. Fast alle trugen Kopftuch, einige auch Burka-ähnliche Gewänder. Die lieben Kleinen riefen die überaus friedlichen Parolen der Alten lauthals nach und wirkten dabei fast schon so zornig wie ihre mutmaßlichen Intifada-Vorbilder aus dem Gaza-Steifen. Ob sie schon wissen, wo das Mittelmeer liegt, ist eine andere Frage.

Einige Teilnehmer hatten allerdings das eigentliche Ziel der Demonstration („Für Gerechtigkeit! Für Freiheit! Für Leben im Gaza!“) missverstanden und liefen mit Türkei-Flaggen auf, die sie wie Superman-Capes umgelegt hatten. Vielleicht hängt aber doch alles mit allem zusammen; das würde jedenfalls erklären, warum sich mehrmals spontane „Allahu akbar“-Rufe vernehmen ließen, wo es doch angeblich um Frieden und Freiheit für Gaza gehen sollte. Die nimmer konsummüden Hamburger jedenfalls ließ das überaus lehrreiche Spektakel einigermaßen kalt, nur einige in Ehren ergraute Profi-Demonstranten schlappten mit. Für aufrechte „Israelkritiker“ war der freitägliche Aufmarsch wohl doch eine Spur zu eindeutig. Vielleicht war man aber auch noch im Skiurlaub.

Als Anmelder fungierte übrigens die „Schura Hamburg“, in der sich verschiedene Islam-Gruppierungen zusammengeschlossen haben, um sich dem Staat als Ansprechpartner anzudienen. Wie der Dialog auf hoffentlich unverschleierter Augenhöhe nach dieser Hamas-Ergebenheitsadresse weitergeht, verspricht spannend zu werden. Vielleicht dürfen im Rahmen des heute praktizierten palästinensisch-arabisch-muslimischen gender mainstreamings jetzt ja auch Frauen mitreden.

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Kategorie(n): Inland 

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