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  12.02.2012   14:13   +Feedback

Opas Souvenirs aus Russland

Zum sehenswertesten, was das deutsche Fernsehen zu bieten hat, gehören fraglos Antiquitätenshows. Die norddeutsche Variante Lieb & Teuer, die von allen Rentnern zwischen Flensburg, Bremen und Eckernförde gern frequentiert wird, verpasse ich nach Möglichkeit nie.

Siehe:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/lieb_und_teuer/index.html

Man muss kein Antiquitätenfreak sein, so wie ich (insbesondere Wiener Werkstätte, Art Deco, Bauhaus), um sich am hohen Unterhaltungswert dieser Sendung zu erfreuen.
Zu Beginn sieht man immer Menschen, die altes Gerümpel ins schöne Renaissanceschloss Reinbek bei Hamburg tragen, um es von einem ausgebufften, hochqualifizierten Expertenteam, von dem ein Mitglied wirklich Doktor Schmoller heißt, bestimmen und, was noch viel schöner ist, schätzen zu lassen.

Ich fühle mich wie einst der römischer Prolet im Circus Maximus: Einzug der Gladiatoren,
lasst die Spiele beginnen. Am schönsten sind jene Szenen, in denen hoffnungsfrohe, geldgeile Kandidaten einen potthässlichen spätbarocken Tafelaufsatz herbeischleppen, weil irgendein Bratzkopf mal behauptet hat, der wäre fünftausend Euro wert. Nach unten abgerundet. Und wie sie dann vom Experten erfahren müssen, dass es sich statt spätem Barock um frühes Woolworth handelt, mit dem sie auf dem freien Flohmarkt bei geschickter Verhandlung ohne weiteres einen Erlös von fünfzehn bis zwanzig Euro erzielen können.

Aber so primitiv bin ich wieder nicht, dass sich mich im Einzelfall nicht auch mal herzlich mitfreuen könnte. Wie bei der russischen Kleinfamilie, bestehend aus Mutter und Sohn, die mit zwei Gemälden eines hierzulande wenig bekannten baltischen Impressionisten aufkreuzen und erfahren dürfen, dass der Wert sich zwischen sechzig und achtzigtausend Euro bewegt.
Pro Bild, versteht sich.

Die russische Kleinfamilie ist prompt so gebügelt, dass sie kaum noch ein Wort herausbringt. So muss man sich fühlen, wenn einem ein Multimillionär aus einer Laune heraus einen Scheck über hundertfünfzigtausend Euro in die Hand drückt und sagt, hier, kauf dir ’n Haus.
Leider hatte diese glückliche Episode ein schamloses Nachspiel:
Ein deutscher Rentner hatte die Sendung verfolgt und trabte prompt mit einem Werk desselben Künstlers an, das sein Vater in den vierziger Jahren in Russland erworben haben soll.

In den vierziger Jahren? In Russland? Erworben? War der da gerade zufällig auf der Durchreise? Hat er nach einem schönen russischen Tee und schmackhaften Piroschki behaglich rülpsend einer Kunstauktion beigewohnt und das Gemälde zu einem fairen Preis ersteigert? Oder wie darf der GEZ-Gebühren-Zahler sich das vorstellen?
Sechzigtausend Euro kann er nun beim Verkauf des Bildes erwarten. Darf der das?
Kann man den Mann nicht irgendwie aufhalten?

Besonders lieb und teuer aber ist mir die Erinnerung an den Kapitän-Haddock-artigen Seemann, vermutlich Konteradmiral a.D., der von der freudestrahlenden Kunsthistorikerin erfahren durfte, sein maritimes Ölgemälde sei wohl an die acht- oder neuntausend Euro wert.
Des alten Seebären Mienenspiel war leicht zu entnehmen, dass er noch schwankend war, ob er Kunsthistorikerin und Moderatorin vom Vordermast baumeln, kielholen und schlicht über die Planke gehen lassen sollte. Nein, er freue sich nicht über den Wert des Bildes, polterte er los. Für den Preis könne es auch weiterhin über seinem Kamin hängen bleiben.

Jeden Sonntag um 16.00 Uhr. Auf N3. Das Beste am Norden!

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Kategorie(n): Bunte Welt 

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