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  07.06.2010   15:14   +Feedback

Nochmal Marinara. Und eine Frage an Götz Aly

Es gibt Tatsachen und es gibt Meinungen. Und je älter ich werde—ich glaube, es hat wirklich mit dem Alter zu tun --, desto mehr interessieren mich diese, und desto weniger scheinen mir jene von Belang zu sein.
Der ausführlichste Bericht darüber, was an Bord von diesem Terroristendampfer geschah, scheint mir dies hier zu sein. Blamabel für die Israelis, ein richtiger “Fuckup” (wie man hier in Amerika sagt). Aber eben alles andere als ein Massaker an harmlosen Friedensaktivisten.
In diesem Zusammenhang eine Frage an Götz Aly (falls er dies hier lesen sollte): Lieber Herr Aly, Sie wissen, ich schätze Sie. Für die WELT haben Sie damals Wolfgang Kraushaars Buch über die Bombe im jüdischen Gemeindehaus rezensiert, und ich bin immer noch froh, dass ich Sie damals als Redakteur der “Literarischen Welt” dafür gewnnen konnte. Nun shaben Sie in einem Kommentar für die “Berliner Zeitung” Folgendes geschrieben:
“Das Massaker, das himmelhoch überlegene israelische Elitesoldaten gestern an wehrlosen Zivilisten angerichtet haben, ist ein feiges Verbrechen, das kein Recht, kein Kriegsvölkerrecht deckt. Bei aller Liebe zu Israel und seinen Bürgern halte ich die Formel `Unverhältnismäßigkeit der Mittel´ für deutlich zu schwach. Das israelische Oberkommando behauptete gestern, die Friedensaktivisten seien mit ein paar Beilen und Messern bewaffnet gewesen. Lächerlich. Eine faule Ausrede. Mögen die Aktivisten tatsächlich diese `Waffen´ gehabt und sogar geschwungen haben, sie bedeuten nichts für Spezialeinheiten, die sich monatelang auf solche Einsätze vorbereiten, mit den modernsten Kampfmitteln ausgerüstet und darauf trainiert sind, zum Beispiel israelische Gefangene unverletzt zu befreien.”
Hätten Sie dies auch dann geschrieben, wenn Sie dabei das Bild von israelischen Soldaten vor Augen gehabt hätten, die nackt ausgezogen auf der Erde liegen, von fanatischen Antisemiten mit Eisenstangen geschlagen werden (diese Waffen wurden eben nicht nur “geschwungen”, wie Sie meinen) und hilflos um ihr Leben betteln? Und hätten die anderen Soldaten ihre Kameraden nicht befreien sollen? 

(Hannes Stein)


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