Alan Posener (Gastautor) 09.03.2009 18:52 +Feedback
Neu-alter Antisemitismusstreit
Klaus Faber, den ich sehr mag, wehrt sich gegen meine Unterstellung, er habe mit der Formulierung, es gebe in Deutschland einen “neuen Antisemitismusstreit” das kleinliche Gezerre um das Zentrum für Antisemitismusforschung mit dem Berliner Antisemitismusstreit des 19. Jahrhunderts vergleichen wollen. Tut mir leid. Ich habe ihn in der Tat so verstanden. Schließlich ist der “Antisemitismusstreit” ein historisch ziemlich genau konnotierter Begriff. Vielleicht sagen Sie, lieber Herr Faber, wenn wir einen “neuen Antisemitismusstreit” haben, welchen alten Antisemitismusstreit Sie meinen?
Langsam geht mir jedenfalls dieser neu-alter Antisemitismusstreit auf den Geist. Ich sehe auch nicht, wozu er gut sein soll. Israels Botschafter hat recht. Auf der zweiten Konferenz deutscher Nichtregierungsorganisationen gegen Antisemitismus sagte Yoram Ben-Zeev u.a.: “Der Antisemitismus ist Teil eines großen Phänomens, des Rassismus. Wir können sehen, dass der Rassismus weltweit zunimmt. Wenn Rassismus, Radikalismus und insbesondere Antisemitismus irgendwo in einem Land beginnen, so weiß man nie, woher das kommt und wohin das führt.” So ist es. Er sagte auch: “Antisemitismus ist, wie andere Phänomene des Rassismus, eine sehr schwere Krankheit.” Genau. Das Wort “Krankheit” hat der Botschafter mit Bedacht gewählt, und es trifft den Kern dessen, was gemeint ist.
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