10.08.2012   22:40   +Feedback

Netzaffine Statistiker

Auf Facebook fragt die Piratenpartei:
“[Ben] Wie deutet ihr die Grafik und aus welchem Lager kommt ihr? (nur wenn ihr es sagen wollt!) Meiner einer war Nichtwähler bis 2009.”

Nicolas Katte antwortet:

1) Die Skalen rechts und links passen nicht zusammen.
2) Man verbindet keine Messwerte, wenn sie aus Stichproben völlig unterschiedlicher Grundgesamtheiten stammen.
3) Man zeichnet entweder für alle Kurven die Messwerte ein (Linke, SPD, Grüne, FDP, CDU, Nichtwähler) oder für keine und somit nur die Kurve (“Andere”; was aber unprofessionell ist, s. 2))
4) Die Landtagswahlen sind auf der Zeitachse mit gleichen Baständen aufgetragen, obwohl zwischen Berlin und dem Saarland 6 Monate lagen, zwischen Saarland und SH 6 Wochen und zwischen SH und NRW lediglich 7 Tage.
5) Die ganze Grafik macht überhaupt keinen Sinn! Die Messwerte haben gar keine Aussagekraft, wenn man nicht die bedingte Wahrscheinlichkeit berücksichtigt (Mathe 11. Klasse): im Saarland ist es schlichtweg wahrscheinlicher, daß ein Wechselwähler von der Linkspartei kommt als in SH, weil es insgesamt mehr Wähler der Linken an der Saar gibt als an der Küste.
6) Will man die Grafik trotzdem interpretieren, bleibt nur ein Schluß übrig: von der reinen Protestpartei (>35% von Nicht- und Dauerprotestwählern) entwickelte sich die öffentliche Wahrnehmung über die Hoffnung für enttäuschte bürgerlich-liberale (SH) hin zu dem, was sie wirklich sind: eine linksgrüne Partei mit Internetanschluß. Aber ohne jegliche grundlegenden Statistikkenntnisse.

(David Harnasch)


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Kategorie(n): Inland 

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