Gastautor 02.05.2009 09:59 +Feedback
Nathan Gelbart: Ein Motto ohne Tochter - aber eine Tochter mit Motto
Irreführende Werbung bei Unternehmen wird als „täuschendes oder in anderer Weise gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstoßendes Verhalten oder Geschäftsgebaren, welches das Verhältnis zwischen Mitbewerbern oder zwischen Anbietern und Abnehmern beeinflusst“, gemäß § 5 UWG als unlauterer Wettbewerb erfaßt. Diese Regelung gilt freilich nicht für Töchter. Insbesondere nicht für eine ganz bestimmte Tochter. Diese hat bekanntlich mit dem Tod ihres Vaters ihr Reisegewerbe mit dem Hinweis „Tochter des langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski“ und dessen Motto „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen!” als Werbeslogan ausgestattet und geht damit – soweit ihr das Schreiben „israelkritischer“ Leserbriefe hierfür Zeit lässt – in Pfarrsälen deutscher Kleinstadtgemeinden auf Tournee, um Deutschland in Sachen Israel endlich auf Friedenskurs zu bringen.
Während es ihr gelingt, den Namen ihres Vaters zutreffend wiederzugeben, nimmt sie es hingegen bei dessen Motto mit der Wahrheit nicht ganz so ernst. Denn weder vermag sie ihr Schweigen bei 200.000 Toten und 2,5 Millionen Vertriebenen in Darfur, noch bei 800.000 Toten in Ruanda oder gar bei 3,8 Millionen Toten im Kongo, geschweige denn bei der Aufknüpfung Homosexueller im Iran oder der Steinigung angeblich ehebrechender Ehefrauen in Saudi-Arabien zu brechen – noch interessiert sie sich für Neonazis, die Ausländer jagen. Nein, der Unrechtssinn der Tochter ist auf ein ganz bestimmtes Land und auf ein ganz bestimmtes Völkchen getrimmt: Es müssen schon Juden sein, die Unrecht begehen, um das Schweigen der Tochter zu brechen und sie zum Reden zu bringen. Offenbar hat sie einfach nur vergessen, dem Unrechtsbegriff in ihrem Firmenmotto einen relativierenden Zusatz zu verpassen: „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem jüdischen Unrecht zu schweigen!”
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und der Tochter bei ihrer Unrechtsselektion unterstellen möchte, ihre Vorliebe für ausschließlich durch Juden begangenes Unrecht habe auch nur annähernd etwas mit einer gewissen Voreingenommenheit gegenüber Juden hierzulande zu tun. Doch zum Glück gibt es auch andere Töchter verstorbener Zentralratsvorsitzender, die sich anständig benehmen: http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/city-talk/roter-teppich-duesseldorf/2009/02/10/spiegeltoechter/erzaehlen-papas-witze.html
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Kategorie(n): Bunte Welt


