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  10.07.2009   07:14   +Feedback

Mumpi-Wumpi-Strategie

Von Gunnar Sohn

Bonn/Düsseldorf, 9. Juli, http://www.ne-na.de – Die Pressekonferenz von Vodafone http://m.vodafone.de/pk/ zur neuen Werbestrategie ist nun hoch und runter getwittert worden, so dass man zur so genannten Upload-Kampagne nichts mehr sagen muss. Schaut man sich aber noch einmal in aller Ruhe die Aufzeichnung des Medienspektakels an, bekommt man semantische Albträume. So erging es Thomas Knüwer vom Handelsblatt. In seinem Blogbeitrag „Vodafone und die Generation Mix-it-baby“ http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2159 hat er seiner Wut freien Lauf gelassen: „Es war wie ein Unfall. Man weiß, dass es schlimm ist - aber wegschauen geht auch nicht. Und schlimm war es. Es tat weh. Weh, weil die deutsche Sprache zwar schwer ist, aber doch auch schön. Weh, weil ich Menschen sah, die sich so offensichtlich unwohl in ihrer Haut fühlten, trotzdem aber öffentlich auftreten mussten. Weh, weil ich mich selbst sah und erkannte, dass ich so nicht sein will. Weh, weil gute Ansätze mit voller Wucht gegen eine Stahlwand gehauen wurden“.

Fürchterlich sei die nicht enden wollende Flut dümmlicher Buzzwords, mit denen die Vodafoner um sich warfen, gepaart mit Folien in einer Commodore-64-Nostalgie-Optik. Manager in Deutschland können ja ruhig mit Fachbegriffen hantieren, wenn es wohldosiert passiert. Unzumutbar ist die Inflation von Leerformeln aus der Phrasendrescher-Endlosmaschine. Und jetzt hat Knüwer zurückgeschlagen: „Du bist Journalist. Du willst Unternehmensvertretern nicht durchgehen lassen, dass sie Deine Zeit mit hohlen, dümmlichen, angelsächsischen Phrasen ohne jede Tiefe stehlen...Was Vodafone und die Scholz & Friends-Spitze da ablieferte, war eine Unverschämtheit. Es wäre schlimm genug, solche eine Vorstellung im Kreis einer nicht-öffentlichen Pressekonferenz abzuziehen. Für eine Veranstaltung aber, die bewusst geöffnet wurde, war es atemberaubend schlecht“.

Munter flogen wirre Worte durch den Raum: „Die Manifestation der Kundenbevorzugung… Enkomplexität… Dekomplexität… Enterprise-Clients… Consumer-Clients… Wir geben Dir die Power dazu, wir geben Dir empowerment… Client first....Synergien.....Much more for more...bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt (Worthülsen-Klassiker)....Kundenorientierung....Strategie, Strategie, Strategie...und wir sind die weltweit Größten (darf in keiner Presseverlautbarung fehlen).

Ich kann die Kritik von Knüwer gut verstehen: Man wird jeden Tag mit PR-Texten von Firmen bombardiert, die eine „nachhaltige und ganzheitliche Mumpi-Wumpi-Strategie garantieren, Prozesse optimieren und implementieren, eine Vielzahl von Synergien realisieren und mit leistungsfähigen Tools basierend auf einem Netzwerk von Applikationen für geringere Kosten und einer höheren Effizienz sorgen“.

Semantische Dünnbrettbohrer sind allerdings nicht nur Nervensägen, sie sind für die Volkswirtschaft ein teures Vergnügen. „Experten schätzen den Schaden, der in der deutschen Wirtschaft durch unverständliche Texte entsteht, auf jährlich eine Milliarde Euro“, schreibt Professor Christoph Moss in einem Namensbeitrag für das Handelsblatt. Der Braunschweiger Sprachwissenschaftler Günther Zimmermann hält diese Summe noch für „deutlich untertrieben”. Wer sich an den Kunden wende, müsse ihn überzeugend ansprechen, sagt er. Kunden, Leser oder Aktionäre würden sehr schnell spüren, ob der Vertreter eines Unternehmens offen und direkt mit ihnen spricht oder ob er sich hinter einer Ansammlung von Kunstwörtern versteckt. „Warum soll ein ‚fokussierter’ Anbieter besser sein als ein Konkurrent, der ohne diese Phrase auskommt? Jeder Metzgermeister könnte von sich behaupten, ein ‚gut aufgestellter, fokussierter’ Anbieter von Fleischwaren zu sein. Er wird es aber nicht tun, weil die Kunden kopfschüttelnd aus dem Laden rennen würden. Dort aber, wo sich Unternehmen räumlich und emotional von ihren Kunden entfernen, drucken sie Firmenbroschüren voller nichtssagender Formulierungen“, führt Moss aus, Autor des Buches „Deutsch für Manager“ (sollten sich die Jungs von Vodafone und Scholz & Friends schnellstens besorgen).

Das schlechte Ansehen von Politikern und Führungskräften der Wirtschaft liege vor allen Dingen an den penetranten Floskeln, die jeden Tag auf uns niederprasseln. Sie sollten entweder mehr Klassiker lesen und zu sich weiterbilden zu wahren Rhetoren oder einfach die Klappe halten. „Man muss in allem, was man redet, überaus genau und deutlich sein; sonst ermüdet und verwirrt man andre nur, anstatt sie zu unterhalten oder zu unterrichten. Auch die Stimme und die Art zu reden sind nicht zu vernachlässigen. Manche schließen beim Reden beinah den Mund zu und murmeln etwas hin, so dass man sie nicht versteht. All diese Gewohnheiten sind unschicklich und unangenehm und müssen durch Aufmerksamkeit vermieden werden“, so die Empfehlung von Lord Chesterfield an seinen Sohn.

Diskussion unter: http://www.ne-na.de/weltweit-gr-te-schaumschl-ger-pk-warum-sich-thomas-kn-wer-ber-vodafone-aufregt/

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Kategorie(n): Wirtschaft 

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