28.06.2008   08:23   +Feedback

Mugabe und die stillen Diplomaten

Über Robert Mugabe ist alles gesagt, ohne dass es etwas geändert hätte. Egal, ob Verbrecher oder bloß Autokrat, auffallend bleibt sein Wunsch nach institutioneller Legitimation. Deshalb jetzt die Farce einer Stichwahl mit einem einzigen Kandidaten, ihm selbst. Der Anführer der Opposition, Morgan Tsvangirai, hat sich vorsichtshalber in die niederländische Botschaft zurückgezogen.

Simbabwe ist unter der Führung von Mugabe zum Fall-Beispiel für die Fragwürdigkeit von gleich zwei Mythen des heutigen Afrika geworden, für den Mythos des Unabhängigkeitskampfes und den Mythos der marxistischen Erklärung afrikanischer Verhältnisse.

Der Unabhängigkeitskampf folgte nicht nur der Idee der Abwehr europäischer Ungerechtigkeit und Anmaßung, sondern auch dem Machtanspruch einer einheimischen schwarzen Elite, die von der Kolonialmacht ausgebildet wurde, um in ihr einen Bezugspartner für die Modernisierung zu haben. Es war die Idee der Kontrolle durch Machtteilung, die von den Exegeten gerne als Täuschungsmanöver gegen die Kolonisierten beschrieben wird, in Wirklichkeit aber wesentlich zur europäischen Selbsttäuschung beitrug.

Mugabe hat in Südafrika studiert und in Simbabwe, dem damaligen Rhodesien, während seiner zehnjährigen Haft als Rebellenführer, ein Fernstudium in London abschließen können. Auch das waren die Kolonialzeiten. Das Entscheidende aber ist, dass er sich bei all diesen Studien, die ihn zur Elitenzugehörigkeit befähigten, immer doch nur als Marxist verstand. Damit war er für die westliche Öffentlichkeit beschreibbar und scheinbar auch fassbar. Der westliche Beobachter konnte ihn einordnen. Noch seine Aggressionen gegen die weißen Farmer, vom Anfang der 90er Jahre, stießen zumindest auf Verständnis.

Diese Aktionen führten, wie man heute weiß, nicht nur zur Vertreibung der aus Europa stammenden Farmer, sondern auch zum Abfackeln der Hütten ihrer schwarzen Landarbeiter. Die begehrten Farmen gingen nicht in die Hand des Volkes über, sondern in den Besitz von Mugabes Gefolgschaft. Der schwarze Rassismus aber, der bei der Sache eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielte, wird bis heute viel zu wenig von den Interpreten der Situation in Afrika berücksichtigt.

Dass hier ein Land aus niedrigen Beweggründen ruiniert werden konnte, hat nicht zuletzt mit einem Paradigma der falschen Loyalitäten zu tun. Die innerafrikanische Solidarität orientiert sich immer noch an der Abwehr vermeintlich westlicher Interessen. Bezeichnend dafür ist auch die Rolle der südafrikanischen Politik in der Mugabefrage. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki plädiert seit Jahr und Tag für eine stille Diplomatie. Ist das aber etwas anderes als Appeasement? Legitimiert es nicht die Diktatur? Schließlich wird das Leben der Bevölkerung in Simbabwe nicht durch die einstige Kolonialmacht Großbritannien bedroht, sondern durch den hausgemachten chronischen Lebensmittelmangel, und nicht zuletzt durch den ideologisch bedingten Weg vom Unabhängigkeitsmythos zu Korruptionskult und Hyperinflation.

Dass Mugabe bisher nicht nur vom Nachbarn Südafrika unterstützt wurde, sondern immer wieder auch von Russland und China, zeigt ein weiteres Mal an, worum es wirklich geht, um Demokratie statt Diktatur, um Bürgerrechte oder Willkür. Darum aber geht es bei allen Beteiligten, und das macht ihr Schweigen nicht etwa verständlich, es lässt dieses eher vielsagend erscheinen.


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Kategorie(n): Ausland