20.09.2007 13:35 +Feedback
Mohammeds Mutanten - heute: Peter Schütt
Ich möchte mich bei SAID für seine Antwort an Peter Schütt in der “Welt” bedanken, die Henryk Broder hier schon vorige Woche zitierte (http://www.welt.de/welt_print/article1174240/Du_verteidigst_einen_Islam_der_nur_in_Deinem_Hirn_existiert.html ); sie rief bei mir einige alte Erinnerungen wach. SAID spielt darauf an, daß der 1939 geborene Hamburger Schütt lange vor seiner Konversion zum Islam schon als Neunzehnjähriger vom Lutheraner zum Katholiken, dann zehn Jahre später (1968) zum Kremlanbeter mutiert war. Weniger bekannt ist eine Zwischenstation in der Reise von Dogma zu Dogma: Zwischen Katholizismus und DKP, zu seiner SDS-Zeit, war dieser frühere Kitschkommunist und jetzige Muselmanenmime übrigens auch mal Maoist, und aus der Zeit kann ich von einer eigenen Erfahrung mit ihm berichten, bei der mir noch heute das Lachen im Hals steckenbleibt: Als ich Schütt während eines Autorentreffens im Frühjahr 1967 zum erstenmal begegnete, versuchte ich eines Abends (ich glaub, beim Kneipengang nach einer Veranstaltung) dem “antiimperialistischen” Kauderwelsch, in dem er allwissend dozierte, mit meiner damaligen spaßanarchistisch-liberalen, sprich, verdächtig individualistischen Respektlosigkeit Paroli zu bieten. Da wies er freundlich auf einen Laternenmast und informierte meine knapp zwanzigjährige Wenigkeit auf seine sanfte Art: “Wenn wir an die Macht kommen, baumeln solche wie du da als erste dran.”
Jahre später, bei einem Kongreß der Verbands deutscher Schriftsteller, liefen wir uns wieder über den Weg. Da hatte Peter Schütt Mao Tsetung und Enver Hodscha im seinem Hirn bereits von ihren Sockeln gestoßen und stattdessen enthusiastisch Leonid Breschnew und Walter Ulbricht auf seinen Altar gehievt; frischfröhlich, doch vergebens versuchte er mit mir—ich turnte da gerade auf regionaler Ebene durch mehrere Juso-Ämter und riß auch im VS meine sozialdemokratische Klappe auf—einen auf Volksfront zu machen. Seine Peking-als-Paradies-Phase bereute er nun, hatte er doch endlich seine Seelenrettung in den Lügen des “real existierenden Sozialismus” gefunden.
Recht peinlich wurde es 1980 beim VS-Kongreß in München. Ich unterhielt mich im Hintergrund mit Kollegen, als der Hofpoet der DKP auf meine Frau zustürzte, sie—die keine Ahnung hatte, wer dieser etwas unterwürfig daherscharwenzelnde Mensch war—überschwenglich begrüßte (”...große Freude, Sie hier dabeihaben zu dürfen...") und ihr freudestrahlend erzählte, er sei mit einer schwarzen Frau aus Pittsburgh verheiratet. Er drückte Rita seinen neuesten Gedichtband in die Hand, schlug die erste Seite auf: “Ich signiere es Ihnen gleich!” Und schrieb: “For Sandra Young, from Peter Schütt.”
“Ich bin nicht Sandra Young”, sagte Rita.
“Ach, wirklich nicht?” fragte Schütt verwundert. “Sie sehen aber so aus...” Als Spezialist für Afroamerikanerinnen mußte er es ja wissen, denn er hatte, wie er in einem seiner Bücher schrieb, bereits in den Sechzigern bei einer Frankfurter SDS-Tagung “vielsagende Blicke” mit Angela Davis gewechselt.
Jetzt war er offensichtlich enttäuscht. “Naja”, setzte er hinzu, “Sie können das Buch trotzdem behalten. Wie heißen Sie denn?” Und schon strich er “Sandra Young” aus und kritzelte “Rita Dove” darüber.
Später trafen Rita und ich jene Sandra Young, eine damals in Europa lebende Afroamerikanerin, die gerade in deutscher Übersetzung ein Buch über ihre Jugend in den Slums von Baltimore veröffentlicht hatte; muß ich noch erwähnen, daß Sandra Young überhaupt keine Ähnlichkeit mit meiner Frau besaß?
Was Schütts Ehefrau aus Pittsburgh betraf, die wir nie zu Gesicht bekamen: Lange dauerte die Ehe nicht, und mit dem Kommunismus war’s ja dann auch bald vorbei. 1987 heiratete er eine Iranerin, bereiste die Khomeni-Diktatur, trat zum Islam über. An die zwanzig Jahre hat er jetzt schon mit Allah verlebt, fast so lang wie mit Marx. Ob es sich damit für Peter Schütt ausmutiert hat?
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Kategorie(n): Kultur

