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  09.11.2011   14:54   +Feedback

Mittelstand im Bett mit den Mullahs

Die seit Jahren vor einer iranischen Atombombe warnende Initiative “Stop the Bomb” ist eine jener Organisationen, die am aktivsten auf dem Feld der Enthüllung dunkler Machenschaften ist. Zu recht, wie wir seit heute durch die Internationale Atomenergiebehörde wissen, denn nun ist es amtlich, dass die Behauptung der Mullahs, an einem rein zivilen Atomprogramm zu arbeiten (da die Atombombe ja eine gänzlich unislamische Waffe wäre), eine glatte Lüge war. Wer hätte das gedacht von einem friedlichen Regime, das lediglich Holocaustleugner-Konferenzen abhält, das “zionistische Gebilde” auslöschen will, Schwule aufknüpft, Andersdenkende verschwinden lässt, Jungfrauen vor deren Hinrichtung ex officio vergewaltigen lässt und Ehebrecherinnen steinigt?

Für die Warnenden jedenfalls bedeuten solche Beweise keine Entwarnung: Sie werden von gewissen Kreisen (und deren dialogreisenden Kammerzofen) weiterhin als lästige Effekthascher diskreditiert und verdächtigt, wahlweise im Auftrag der schrecklichen iranischen Opposition, des Mossad, oder gleich der zionistisch-freimaurerischen Weltverschwörung (9/11!!!) zu agieren. Ginge es ihnen also um die Beliebtheit, so müssten sie aus dem Land der tourismusfördernden Shoa-Denkmäler auswandern. Vermutlich geht es Stop the Bomb also eher um Nothilfe für Millionen oppositionelle Iraner und Nothilfe für den ”one-bomb State” Israel.

Auf Grund des hierzulande vorherrschenden Zynismus im Umgang mit zweifelhaften Regimen, und wegen historischer Bindungen der eher zweifelhaften Art zwischen Deutschland und dem Iran, müssen die Kungeleien zwischen Teilen der deutschen Politik und Wirtschaft mit Teheran in einer beinahe laufenden Bemühung ans Tageslicht gezerrt werden, um sie so zumindest begrenzen zu können. Das aktuellste Beispiel: Die am 8. November in der Bundeshauptstadt abgehaltene Konferenz mit dem realitätsnahen Titel “Iranian Business Power Women”.

Die Initiative “Stop the Bomb” hatte bereits vor einigen Wochen auf die Veranstaltungen unter dem Dach der Organisation “EIVENT” hingewiesen. Nun stand erneut ein Termin an, abermals unter Beteiligung des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft (BVMW). Stargast bei “Iranian Business Power Women”: Der Botschafter der Islamischen Republik Iran, Ali Reza Sheikh Attar. Attar ist ein Vertrauter Ahmadinejads, Mitglied der Revolutionsgarden und langjähriger Regimefunktionär, der laut iranischen Oppositionskreisen während seiner Zeit als Gouverneur der Provinzen Kurdistan und West-Aserbaidschan persönlich für den Terror gegen Oppositionelle verantwortlich war und Presseberichten zufolge auch in Beschaffungsaktivitäten für das iranische Atomprogramm sowie in die Verfolgung von Regimekritikern in Deutschland verwickelt sein soll.

Zwar konnten die öffentlichen Aufrufe zur Empörung die Veranstaltung “Iranian Business Power Women” nicht verhindern. Doch waren die Bemühungen trotzdem nicht umsonst: Es spricht für sich, wenn die Deutsche Mittelstandsvereinigung in einer bundesweit an alle verfügbaren Stellen versandten Pressemitteilung verlautbaren lässt, den Veranstaltern des mit jenem zynischen Namen betitelten Kongresses die Verwendung des BVMW–Logos untersagt zu haben. Denn: Selbstverständlich gab und gibt es nachweisbare, enge Verbindungen zum BVMW, die nun in aller Deutlichkeit bestritten werden – und das ist letztlich eine gute Sache.

Das bei Google unter dem Suchbegriff “Iranian Business Power Women” unübersehbare Millenniumsfeuerwerk von Distanzierungen zeigt uns nämlich zwei Dinge:

Der BVMW ist im Gegensatz zu den als aktionistisch verschrienen Aktivisten der Initiative “Stop the Bomb” hervorragend vernetzt und kann binnen eines Tages die ersten fünf Seiten Suchergebnisse bei Google mit einer beliebigen Pressemitteilung derart besetzen, sodass jede anders lautende Mitteilung zum Suchbegriff dagegen untergeht. So wird Deutschland informiert!
Der BVMW ist sich der Brisanz und der Schäbigkeit seiner Kollaboration mit dem Folterregime im Iran vollkommen bewusst, denn er sieht sich gezwungen, sich auf buchstäblich allen bundesweit verfügbaren Kanälen zu distanzieren und die Spuren seiner Verwicklung in den Kongress weitestgehend zu verschleiern.

Wie sieht die Wirklichkeit aus?

Freilich könnte man einfach mal einen Blick auf das Anmeldeformular zur Veranstaltung werfen, auf welchem ganz ungeniert auch weiterhin das Logo der BVMW prangt: http://eivent.de/pdf/anmeldU.pdf

Doch kommen wir gleich zu den harten Brocken: Der offizielle Veranstaltungsleiter von EIVENT, Günter Rietzschel, ist zwar ein Referent des BVMW, doch da er kaum im Internet zu finden ist, gilt er wohl als ebenso unverdächtig wie die Inhaberin der Webseite und wird offenbar als Strohmann vorgeschoben. Den wahren Organisator des EIVENT erkennt man an den Kontaktrufnummern, die unter Rietzschels Namen stehen: Sie gehören zu WiTor (auch per Logo auf dem EIVENT-Formular zu sehen), einem Projekt eines Herrn namens Mir Durandish – und dieser Herr ist niemand anderes als der Vorsitzende der iranischen Auslandsvertretung des BVMW.

Damit nun die eilige Presseerklärung der BVMW nicht binnen Sekunden der Lüge überführt ist, versucht man dort, die Spuren zu Mir Durandish und zum Iran zu löschen: Was bis vor kurzem noch bei Google aufrufbar war, führt nun verdächtig in die Leere (oberster Link). Doch nicht nur Google merkt sich alles, auch auf der BVMW-Seite war man nachlässig: Während also unter der regulären Auflistung der BVMW-Auslandsbüros die heiße Kartoffel namens Iran plötzlich nicht mehr zu finden ist (obwohl dieses Auslandsbüro natürlich noch existiert), zeigt ein Klick auf das Bild rechts neben der Liste der Auslandsbüros Herrn Mir Durandish – dem offiziellen Repräsentanten der BVMW für den Iran.

Fragen wir uns also nochmal: Wie sieht die Wirklichkeit aus?

Friedensmacht Deutschland! Dialogbereitschaft zum Kulturaustausch! Tanzen und Geschäfte treiben, bis das Gekrähe aus dem Kerker unhörbar wird!

(David Harnasch)


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Kategorie(n): Ausland  Wirtschaft 

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