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  06.07.2009   13:20   +Feedback

Mit SUV und Ablasszettel. Von wem Greenpeace lebt

Der einfachste Job in Deutschland ist der des Greenpeace-Aktivisten. Man kann ihn auch dann ausüben, wenn man den Hauptschulabschluss vermasselt hat. Oder wenn das Studium der Sozialwissenschaften im 15. Semester zu öden beginnt. Benötigt wird etwas körperliche Fitness und der Drang, Gesetze zu übertreten. Fahrradkuriere willkommen! Man kraxelt irgendwo hoch, auf einen Strommast zum Beispiel, oder fährt mit einem Zodiac an ein Schiff heran. Befestigt dort eine riesige Parole (irgendwas mit Mütterlein Erde) und lässt sich dabei filmen und fotografieren. Schwupps, ist das Ganze am nächsten Tag in den Medien, und die Mädels in der Stammkneipe machen Augen. Tarzan lebt!

Risiken? Gleich null. Zwar ist das Ganze juristisch gesehen Hausfriedensbruch oder Ärgeres. Aber es gibt so gut wie nie was auf die Mütze, denn man rauscht ja immer mit einer Medienmeute im Schlepptau an. Kein Energiekonzern, keine Reederei sind so blöd, den grünen Heroen von konzerneigenen Sicherheitsleuten ein Leid antun zu lassen - das wäre erst recht Negativ-PR. Die Bullen? Halten sich in solchen Fällen immer zurück, wollen ja nicht als Hiwis der Weltzerstörer dastehen.

Wie prima sich solche Aktionen auszahlen, hat das Bildermagazin „View“ in seiner Juli-Ausgabe dokumentiert…

„View“ veröffentlicht jeden Monat eine von der dpa zusammengestellte Liste der meistgedruckten Pressefotos. Im Juni kam (neben einem Bergungsfoto des abgestürzten Air France-Airbus, einer Archivaufnahme vom Kurras-Prozess, dem Obama-Auftritt in Kairo und anderem) auch ein Gruppenbild mit 20 Greenpeaceniks die Hall of Fame des Fotojournalismus. Die Teufelskerle standen entspannt auf der Kuppel des niedersächsischen AKW Unterweser, welches ja nicht gerade die Eigernordwand simuliert. Dort hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Atomkraft schadet Deutschland“ entrollt, und schon am selben Abend waren sie in der „Tagesschau“. Supi gelaufen! Und das mit einer Botschaft, die so beweisträchtig ist wie „Tütensuppen schlagen auf die Potenz“. Bei Greenpeace knallten mal wieder die Bionade-Kronenkorken.

Bilder sind was für Leute, die es nicht so mit dem Denken haben. Bilder sind wirkungsmächtiger als jeder Text. Jeder abgelichtete Mummenschanz , wenn er nur oft genug auf Sendung ist oder in den Gazetten gedruckt wird, entfaltet einen Zauber, gegen den jeder Gedanke, jedes Argument machtlos ist. Frage ist, wie schafft es eine K-Sekten-ähnliche Vereinigung, die keinerlei demokratisches Mandat besitzt und sich immer wieder fachlich bis auf die Knochen diskreditiert hat (zum Beispiel im Fall der Ölplattform Brent Spar), die dazu alle Naslang in Skandale verstrickt ist (etwa die Lidl/Greepeace-Magazinaffäre), wie schafft so eine Truppe es in alle Medien?  Warum erfreuen sich auch andere Action-Clowns, wie die von Robin Wood oder Attac, bei der Schurnallje großer Beliebtheit?

Ich habe den Verdacht, es handelt sich hier um Ablassgeschäfte von der Art, wie sie vor der Reformation en vogue waren. Die heute im Medienzirkus den Ton angeben, sind mit dem Wir-haben-die-Erde-nur-von-unseren Kindern-geliehen-Kitsch, dem Häuptling Seattle-Sprüche-Stuss, dem Quatsch vom Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Orkan auslöst, also mit dem vollen Programm der furchtbaren Siebziger groß geworden. Heute hocken sie mit gelegentlich schlechtem Gewissen auf gut dotierten Sesseln, düsen in der Welt umher und fahren dicke Dienstwagen, die sie in den Tiefgaragen ihrer Verlagshäuser und Sendeanstalten verstecken.

Ja, es gibt da zum Beispiel die Leistungsträger einer hochgradig um den Planeten besorgten Publikation, welche auf geduldigem Papier ständig um niedrigere CO2-Emissionen barmen und das Wörtchen „nachhaltig“ noch im Schlaf in dreizehn Sprachen rückwärts buchstabieren könnten, die nichtsdestotrotz dicke Dienst-SUVs eines schwedischen Herstellers chauffieren. Übrigens, haben Sie mal in Wiesbaden und Umgebung eines der hierzulande seltenen, schweren Audi-A8-Modelle gesichtet? In dem so genannten Kanzler-Fahrzeug (ab 280 PS) saß bestimmt ein ZDF-Häuptling auf dem Rücksitz und dachte gerade über die neueste Öko-Kampagne seines Kuschelsenders nach. Und überlegte, ob „Frontal 21“ nicht mal über die Umwelt-Säue berichten sollte, die heutzutage noch Spritschleudern kaufen.

Wasser predigen und Chateau Lafitte trinken. Zu Sühnezwecken jazzen solche Schizos jede öde Schornsteinbesteigung zum todesverachtenden Akt der Weltrettung hoch. Bitte, nichts gegen SUVs oder den fabelhaften Achter-Audi. Die Erde wird an solchen Vehikeln keineswegs zugrunde gehen. Aber etwas schwummerig kann einem schon werden, wenn man die Fahrer betrachtet. Nachbar, Euren Speikübel.


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Kategorie(n): Inland 

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