Hannes Stein 13.05.2008 04:48 +Feedback
Miguel de Unamuno und der Krüppel
Gerade eben entdeckte ich die großartige Rede wieder, die der spanische Philosoph Miguel de Unamuno 1936 an der Universität von Salamanca hielt, nachdem der faschistische General Millan Astray dort ausgerufen hatte: “Viva la muerte!”, also “Es lebe der Tod!”
Großartig ist diese Rede aus zwei Gründen. Erstens ist sie nicht nur geistreich, sondern auch ungeheuer mutig: Das Publikum, vor dem Miguel de Unamuno sprach, bestand aus Faschisten, die ihn liebend gern in Stücke gerissen hätte. Zweitens war Miguel de Unamuno nicht grade ein Linker, im Gegenteil. Er war ein nationalkonservativer Spanier, der den Putsch des General Franco anfangs sogar begrüßt hatte. Aber die Brutalität, die Geistlosigkeit der Faschisten stieß ihn ab.
Während ich diese Rede wiederlas, wurde mir allerdings klar, dass kein Mensch sie heute halten würde, und zwar wegen des folgenden Passus: “(Millan Astray) ist ein Kriegsinvalide. So auch Cervantes. Leider gibt es heute in Spanien zu viele Krüppel… Es schmerzt mich mir vorzustellen, dass General Millan Astray das Muster der Massenpsychologie bestimmt. Ein Krüppel, dem die Größe eines Cervantes fehlt, neigt dazu, sich verstörend Erleichterung zu verschaffen, in dem er rund um sich herum Verstümmelung produziert...”
Ja, gehört sich das denn? Schamlos auf die Kriegsverletzung eines politischen Gegners hinzuweisen? Das unfeine Wort “Krüppel” zu verwenden? Das politisches Programm des Gegners mit seiner Behinderung zu erklären? Natürlich gehört es sich nicht. Gerade darum ist es ja so treffend.
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