03.12.2008   16:58   +Feedback

Michael Wolffsohn: Scheinheilige Märtyrer

Es ist die Lieblingsbeschäftigung frustrierter Rentner, verzweifelter Hausfrauen und abgestürzter Überflieger: Darüber Jammern, dass sie Israel nicht kritisieren dürfen. Aber sonst sind sie glücklich und gesund. Michael Wolffsohn erklärt, woher das kommt:

Durch die Behauptung, Israelkritik wäre in Deutschland weder vorhanden noch erlaubt, signalisieren Stammtischler und Tischgesellschaften eines: Sie widersetzen sich der normativen Staatsräson der bisherigen Bundesrepublik. Sie wollen es “den Juden” und aller Welt, vor allem sich selbst beweisen: “Die Tugendskala der Geschichte hat sich verändert. Damals waren wir moralisch ganz unten, heute sind wir ganz oben. Die wahren Tugendträger sind wir. Das einstige Opfervolk, die Juden, sind heute Täter. Und weil wir aus der Geschichte gelernt haben, identifizieren wir uns mit den Opfern. Damals waren es die Juden, heute sind es die Palästinenser. So oder so, die Top-Tugend sind wir.”
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Kategorie(n): Inland