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  30.03.2009   11:16   +Feedback

Mayotte ist in der EU

Wo Mayotte liegt? Bei den Komoren. Und wo liegen die Komoren? Vor Madagaskar. Das erinnert uns an etwas, aber bleiben wir beim Thema.

Die Einwohner der Insel Mayotte haben sich in einer Abstimmung für Frankreich und damit für die EU entschieden. Die ehemalige Kolonie, die bereits 1974 auf ihren Unabhängigkeitsanspruch verzichtete, ist somit das 101. Departement Frankreichs.

220.000 Einwohner hat die Vulkan-Insel vermutlich, die meisten sind Muslime. Sie kosten Paris jährlich jetzt schon 635 Millionen Euro an finanziellen Transferleistungen, um die europäischen Sozialstandards zu garantieren. Auf der Insel selbst wird nicht mehr erwirtschaftet als auf den selbständigen Nachbarterritorien der Komoren. Der Lebensstandard aber ist sehr viel höher. Dafür wird, nach einer Übergangszeit, ab 2011 Brüssel mit zuständig sein.

Für das nötige Geld, und auch für die Sicherung einer weiteren Außengrenze. Wem es gelingt auf Mayotte an Land zu gehen, der befindet sich demnächst nämlich in der EU. Und was hat die EU davon? Außer, dass sie vor Madagaskar patrouillieren darf, um ihre Kassen gegen irgendwelche Bootsflüchtlinge zu verteidigen. Ein Drittel der Bevölkerung ist bisher schon von den benachbarten Komoren mehr oder weniger legal oder illegal eingewandert.

Unter den Flüchtlingen befinden sich regelmäßig hochschwangere Frauen. Kindern, die auf Mayotte geboren werden, steht die französische Staatsangehörigkeit automatisch zu. Es ist eines der wenigen Ergebnisse der französischen Revolution, die man im indischen Ozean zu schätzen weiß.

Französisch ist zwar Amtssprache, gesprochen wird aber zumeist das einheimische Mahori. Auch können die Einheimischen zwischen französischem Recht und dem sogenannten „Statut personnel“ wählen, das von islamischen Kadis beherrscht wird, religiös bestimmt ist und Polygamie und die Ehe ab 15 Jahren zulässt.

Frankreichs tückische Gesetzgebung zur Bereinigung der Kolonialsituation reicht in eine Zeit zurück, in der man Länder wie Algerien auf Dauer an sich binden wollte. Daraus wurde bekanntlich nichts, und, anstatt die unbrauchbare Idee umgehend zu begraben, hat man sie auf diverse Zwergstaaten übertragen, in denen sich der französische Staat künstlich Zuständigkeiten bewahrt. Sie bedienen sich einer Symbolik vergangener Größe, aus einer Epoche, in der man noch die Quadratkilometer zählte und nicht die Start-ups. Heute lässt es sich seine Rituale von Macht und Größe und dem Traum davon durch die europäischen Partnerstaaten mitfinanzieren. In den Fässern fault das Wasser.

Europa steht nicht nur für die Summe seiner Nationen, es verkörpert auch die Summe der Marotten dieser Nationen. So wird Polen für die Einführung des Euro in den nächsten Jahren hart arbeiten müssen, Mayotte aber hat ihn bereits. Das kostet, wie gesagt, 635 Millionen. Vorläufig. Später wahrscheinlich mehr. Und das Ganze, um eventuell auf ein Riff zu laufen. Vor Madagaskar.



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Kategorie(n): Ausland 

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