Gastautor 23.11.2008 23:12 +Feedback
Matthias Küntzel: Wissenschaftler auf Abwegen
Über die Gleichsetzung von Antisemitismus und “Islamophobie”
Der Islam wird durch Islamisten aber nicht „missbraucht“, sondern auf spezifische Weise interpretiert. Die Gründer des Islamismus – Hassan al-Banna, Sayyid Qutb, Abu al-Maududi – waren tiefreligiöse Menschen, die religiöse Traktate schrieben. Wer diese religiöse Dimension des Islamismus nicht zur Kenntnis nimmt, kann dessen Ideologie und Politik schwerlich verstehen. Wenn Frau Dr. Königseder darüber hinaus kolportiert, „dass auch seriöse Journalisten häufig einen Zusammenhang zwischen Terrorismus und Islam konstruieren“[4], wenn sie also selbst noch den Selbstmordterror von den Paradies-Verheißungen abzukoppeln sucht, die der Koran dem „Märtyrer“ verheißt, dann verweist dies auf einen bemerkenswert ignoranten Umgang mit der zur Verfügung stehenden Literatur.
Bemerkenswert sind auch die Kriterien, die Prof. Benz in seinem Versuch einer Abgrenzung von „Islam“ und „Islamismus“ benutzt. So unterscheidet er zwischen „der Mehrheit friedlicher Muslime“ auf der einen und „einer terroristischen Minderheit von Extremisten“[5] auf der anderen Seite. Damit suggeriert er einen Gegensatz, wie er in den Siebzigerjahren zwischen der westdeutschen Mehrheitsbevölkerung und der „Roten Armee Fraktion“ bestand. Mit der Wirklichkeit eines erstarkten iranischen Regimes, einer im Gaza regierenden Hamas und einer international aktiven Muslimbruderschaft, die in Jordanien und in Ägypten das politische Klima bestimmt, hat dies wenig zu tun.
Es ist nicht eine „kleine Minderheit wütender und extremer Islamisten“, so Prof. Benz , die einem Ahmadinejad und einem Nasrallah die Treue schwört, sondern es handelt sich um eine Massenerscheinung in der arabischen Welt. Oder will Prof. Benz das Mullah-Regime, die Hizbollah und die Hamas aus der Gruppe der Islamisten herausnehmen, um sie bei der „Mehrheit friedlicher Muslime“ zu verorten?.....
Das Vorwort von Professor Benz im Jahrbuch 2008 macht die verfehlte Weichenstellung manifest. Es richtet den Focus auf das weltweite „antiislamische Ressentiment“ und widmet der ersten offen antisemitischen Aufstachelung vor dem Forum der Vereinten Nationen kein Wort. Vielleicht spitzt sich diese Logik zu. Vielleicht wird, je offenkundiger der islamische Antisemitismus sein Gefahrenpotential mobilisiert, umso eifriger das „Zentrum für Antisemitismusforschung“ zu einem „Zentrum gegen Antisemitismusvorwürfe“ mutieren.
Sehe ich zu schwarz? Greifen in diese Auseinandersetzung, um die Institutslinie zu korrigieren, doch noch politischen Parteien, Stiftungen, Finanziers, interessierte Einzelpersonen, zivilgesellschaftlichen Agenturen ein? Die Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“, das sei zum Abschluss gesagt, findet am 8. Dezember 2008 in der TU Berlin, Straße des 17. Juni 135 in Raum H 1035 statt; das Zentrum selbst ist unter zfa10154@mailbox.tu-berlin.de zu erreichen.
http://www.matthiaskuentzel.de/contents/das-zentrum-fuer-antisemitismusforschung-auf-abwegen
Aus der Ankündigung der Konferenz:
Das auf Ressentiments gegründete, mit Stereotypen agierende, verbreitete Ängste instrumen-talisierende Feindbild hat sich auf einem politisch-sozialen Aktionsfeld etabliert, das Impulse von Moscheebau-Projekten, aus Debatten über Kopftuch und Zwangsehe, über die von Auf-geregten und Fanatikern beschworene und von Geängstigten geglaubte Gefahr einer „Islami-sierung Europas“ erhält… Die Parallelen sind unverkennbar: Mit Stereotypen und Konstrukten, die als Instrumentarium des Antisemitismus geläufig sind, wird Stimmung gegen Muslime erzeugt. Dazu gehören Verschwörungsphantasien ebenso wie vermeintliche Grundsätze und Gebote der Religion, die mit mehr Eifer als Sachkenntnis behauptet werden.
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Kategorie(n): Wissen


