21.12.2012   18:15   Leserkommentare (0)*

Martensteins Mutprobe

Harald Martenstein hat im Zeit-Magazin behauptet, Frauen seien gar nicht die besseren Menschen. Mir ist es bei der Lektüre eiskalt den Rücken hinunter gelaufen. Bei seiner Aufzählung weiblicher Schattenseiten fehlten nur noch Hinweise auf Stutenbissigkeit und Goldgräberei mittels Erotik. Dann hätte er wohl endgültig die Gemeinsamkeit der DemokratInnen verlassen.

Zwar ist die Höherwertigkeit der Frau noch nicht mit letzter Wissenschaftlichkeit bewiesen. Aber es gibt auch so etwas wie die normative Kraft des breiten gesellschaftlichen Konsenses. Und der sagt klipp und klar, dass beim Mann der Lack ab ist, wenn er denn jemals dran war, während die Frau in immer leuchtenderen Lackierungen erstrahlt.

Muss ich erwähnen, dass Mädchen und Frauen in Schule und Universität die mit Abstand besseren Noten erzielen? Männerversteher mögen ruhig darauf hin weisen, dass junge Burschen eben auch andere Interessen haben. Zum Beispiel spielen sie Fußball, während Frauen nur Frauenfußball spielen. Aber das ändert nichts an den Fakten. Eine Eins ist eine Eins und eine Fünf ist eine Fünf. Oder anders ausgedrückt: Eine Frau ist eine Frau und ein Mann ist ein Mann.

Gerade stelle ich fest, dass mein Rechtschreibprogramm das Wort Männerversteher moniert. Das ist ein historisch interessanter Hinweis. Als der Mann noch Patriarch war, taten Frauen gut daran, ihre Männer zu verstehen, um unnötigen Ärger zu vermeiden. Heute herrscht, nach einer kurzen Etappe der Gleichberechtigung, die Nanny, oft sogar die Supernanny. Nun tut der Mann gut daran, die Frauen zu verstehen, um unnötigen Ärger zu vermeiden.

Warum Martenstein offenen Auges die volle Wucht der Frauenpower herausfordert, kann ich nur ahnen. Es muss sich um eine Mutprobe handeln, womöglich bei einem männerbündischen Saufgelage ausgeheckt.

Ich aber möchte im Namen aller Männer, die von solchen billigen und gefährlichen Mutproben nichts halten, mein tiefes Bedauern, ja meine Abscheu ausdrücken. Ich hoffe, solche blasphemischen Worte eines Frauenanzweiflers nie wieder lesen zu müssen.

Mich tröstet der Gedanke an den Weltuntergang, der angeblich nicht stattgefunden hat, was ein grobes Missverständnis ist. Natürlich meinten die Mayas den Untergang der Männerwelt, denn die war für sie die ganze Welt. Der Untergang der Männerwelt aber ist beschlossene Sache. Er ist alternativlos und unumkehrbar. Das Zeitalter der Frau hat schon begonnen, erhält aber dank des Zeitenwechsels der Mayas neuen epochalen Schwung. Jetzt gibt es kein Halten mehr: Nanny führt uns Lausbuben zurück ins Paradies, wo es leckere Äpfel geben soll.

Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Bunte Welt 

Leserkommentare **

* Leserkommentare werden meist einmal täglich veröffentlicht. Wenn Sie Kommentare vermissen, schauen Sie doch später noch mal vorbei.


Es wurden noch keine Kommentare veröffentlicht.

Kommentar schreiben

Es kann nur innerhalb der ersten drei Tage nach Veröffentlichung eines Artikels kommentiert werden.


** Leserkommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserkommentare nicht, gekürzt oder in Auszügen zu veröffentlichen. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. (Bitte Vor- und Nachnamen angeben!) Leserkommentare sollten zusätzliche Argumente, Gedanken oder Informationen zum kommentierten Beitrag erhalten. Bloße Zustimmung oder Ablehnung sortieren wir aus.