David Harnasch 05.10.2012 21:56 +Feedback
Man sieht sich in Mittweida
Am Nachmittag ist in deutschen Wohnzimmern Streit vorprogrammiert – zumindest im TV. Teenager werfen mit Schimpfwörtern um sich, Erwachsene gehen sich an die Kehle und die Kinder heulen sich die Seele aus dem Leib. Das alles erscheint in wackeligen Bildern auf der Mattscheibe, denn die Pseudo-Dokumentationen namens Scripted Reality sollen dem Zuschauer Realität suggerieren. Doch wie der Name schon sagt ist der Ablauf solcher Sendungen vorgeschrieben. Scripted Reality ist also nur fast wie im richtigen Leben, wären da nicht das Drehbuch, die Redakteure, die Laienschauspieler und der Regisseur. Nur das weiß nicht jeder. So belegen es mehrere kürzlich erschienene Studien. Auch wenn nur ein Teil der Zuschauer die Inhalte nach Drehbuch nicht erkennt, scheint die Trennung von Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr deutlich erkennbar zu sein. Die Kennzeichnungspflicht solcher Formate halten die Sender zwar ein, aber reicht ein kurzer Hinweis im Abspann der Sendung aus? Wer zwischendurch einschaltet hat also Pech gehabt. Führen die Sender ihr Publikum absichtlich in die Irre oder schaut der Zuschauer einfach nur nicht genau genug hin? Verdrängt dieses Format womöglich Qualitätsfernsehen? Was ist Qualität und gute Unterhaltung überhaupt?
Von den „Schauspielern“ hagelt es mittlerweile Kritik. Menschenverachtende Drehbedingungen, uneingehaltene Absprachen, Knebelverträge und Worte, die den Akteuren in den Mund gelegt wurden sind nur einige Vorwürfe gegen die Macher.
Wer ist im Recht? Die „Schauspieler“ oder die Produzenten?
Und warum machen sich Menschen überhaupt für diese Formate lächerlich? Mediengeil, ernsthafte Schauspielambitionen oder gewinnbringende Einnahmequelle?
Die anderthalbstündige Diskussionsrunde wird sich diesen Fragen stellen.
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Kategorie(n): Kultur

