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  04.04.2011   04:25   +Feedback

Liz Taylor ist tot, oder: Wie ich einmal die schönste Frau der Welt filmte

Zum erstenmal bewunderte ich sie als Kleopatra; da war ich sechzehn und wehrlos gegen feuchte Träume, in denen mir eine unglaublich attraktive ägyptische Königin aus dunklen Augen tief in meine blauen blickte. War ich Julius Caesar oder Marcus Antonius? Ein paar Jahre später sah ich sie wieder, diesmal als Martha, die kaputte Professorenfrau in Mike Nichols’ Verfilmung von “Who’s Afraid of Virginia Woolf”, einem Psychodrama, das mir die Eifersucht auf Richard Burton austrieb und mich stattdessen neidisch auf Edward Albee machte; das, was der getan hatte, wollte auch ich tun: So ein Drama schreiben, das in die tiefsten Tiefen menschlicher Verzweiflung tauchte. Mein Pech war nur, daß Veit Relin, als er Mitte der Siebziger Jahre mein Albee-inspiriertes Theaterstück “Blutschwestern” inszenierte, eine der Hauptrollen nicht mit seiner Ehegattin Maria Schell besetzte, der deutschen Liz Taylor, sozusagen. Vielleicht war’s auch mein Glück…

Als Elizabeth Taylor vor knapp zwei Wochen starb, erschienen so viele Nachrufe aller Art auf sie, daß denen eigentlich nichts mehr hinzuzusalbieren wäre. Und doch hab ich all den Preziosen und all der Schlacke ein einzigartiges, wenn auch nur oberflächlich funkelndes Kleinod beizufügen: mein eigenhändiges Video des Kopftisches beim Millennium-Dinner im Weißen Haus am 31. Dezember 1999. 250 Gäste waren geladen; elf von ihnen durften William Jefferson Clinton an seiner runden Tafel Gesellschaft leisten. Bill schwebte im siebten Himmel, denn zu seiner Linken hatte sich der Präsident mit Sophia Loren geschmückt und zu seiner Rechten mit Liz Taylor, beide reizend dekolletiert – und genau gegenüber saß meine ein klitzekleines bisserl weniger freizügige Gemahlin. Das war mir Grund genug, mich zwischen Vor- und Hauptspeise – ermutigt von meiner Tischnachbarin, der Frau des damaligen amerikanischen Verkehrsministers – von meinem eigenen Tisch zu erheben und mit Videokamera im Anschlag um die Zwölferrunde herumzustreichen. Hier ist der entsprechende Ausschnitt aus meinen Aufnahmen jenes Abends:

http://www.youtube.com/watch?v=NZo415E-efU

Edward Albee war beim Jahrtausend-Dinner übrigens auch mit von der Partie; ich kannte ihn persönlich seit Mitte der achtziger Jahre, und später, bei der Millenniummitternachtsshow am Lincoln Memorial, schwatzten wir wie üblich ein wenig. So wie mir die leibliche Lust auf Kleopatra schon vor Jahrzehnten vergangen war, so war auch mein Neid auf den Dramatiker längst verflogen. Was bleibt, sind Jugendträume der tränenfeuchten Art.

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Kategorie(n): Bunte Welt 

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