Michael Miersch 02.11.2011 16:17 +Feedback
Leider kein Lubitsch
Ich war gestern in „Hotel Lux“ und hatte danach, so ein seltsames Gefühl: Der Film tat mir leid. Überzeugende Kulissen und Kostüme und ein wichtiges, überaus spannendes Thema (der große Terror in der Sowjetunion der 30er Jahre). Eigentlich auch eine gute Story (deutscher Komiker muss vor den Nazis fliehen, verirrt sich nach Moskau, und wird durch eine Verwechslung Stalins Astrologe). Aber es gab leider, leider, leider kaum zündende Pointen. Da hilft es auch nichts, wenn man den Film zu einer „Tragikomödie“ erklärt. Die Vorbilder hießen ganz offensichtlich Mel Brooks, Ernst Lubitsch und Billy Wilder. Die sind kaum erreichbar, okay. Aber „Hotel Lux“ kommt beim Griff nach den Sternen nicht mal bis zur Dachrinne. Zehn bis zwanzig zündende Pointen und es wäre ein guter Film. Zugegeben: Diese Pointen zu finden wäre verdammt schwer. Denn anders als bei Hitler-Komödien fehlt in Deutschland beim Thema Stalinismus das historische Halbwissen, welches man für witzige Anspielungen nutzen könnte. Auch macht das Gutgemeinte im Kommunismus die Verulkung schwieriger als bei den Nazi-Unholden und ihrer grundbösen Ideologie. Allen Respekt vor dem Versuch. Hoffentlich war es nicht der letzte.
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Kategorie(n): Kultur


