29.01.2012   18:41   +Feedback

Land der Gedenker

So wird das nichts mit dem Gedenken.

Der Bundestag habe der Opfer der NS-Diktatur gedacht, wird gemeldet. Wirklich, hat das jemand nachgeprüft, oder hat man sich mit der Pressemitteilung begnügt?

Garantieren kann man allein für Marcel Reich-Ranicki. Von den anderen Anwesenden wissen wir es nicht, auch wenn wir mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass kaum jemand von seiner Rede nicht erfasst worden wäre. Ist das schon Gedenken? Und wenn ja, haben die Volksvertreter wirksam für das ganze Volk gedacht? So ist es wohl gemeint, und weil es gut gemeint ist, belässt man es dabei.

Der Deutschlandfunk hat sich unter Berliner Jugendlichen, genauer gesagt Studenten, umgehört. Ach ja, Auschwitz, ja, aber Deutschland hat schon genug geleistet und irgendwann muss doch Schluss sein. Zum Glück kriegt man dazugesagt, dass es ein junger Türke war. Gott sei Dank.

Das ist das Schöne an den Nazis: sie sind immer jemand anderes. Die gab es früher und jetzt in den Neuen Bundesländern und betreffen uns als Deutsche in unserer historischen Verantwortung, aber eigentlich gehen sie uns nichts an. Nie wieder, das haben wir doch gesagt. Wir sagen es auch gern noch mal, in aller Deutlichkeit.

Wenn man das so meint, hat man aber nur eine einzige Möglichkeit, nämlich die, sich zu fragen: „Was hätte ich getan? Wer oder was bewahrt mich davor, zu so einem Monster zu werden?“

Die Nazis waren normale Leute, das ist eines der bestgehüteten Geheimnisse.

Die Abgeordneten könnten fragen: Was hielte mich davon ab, einem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen? Vielleicht habe ich es schon?

Wir haben aber eine Methodik entwickelt, uns ebendiese Fragen nicht zu stellen. Wir sind gegen Ausgrenzung und gegen rechts und für mehr Geld gegen rechts und Ausgrenzung.

Sicher sagen lässt sich nur, was uns nicht bewahrt, vom normalen Menschen zum Unmenschen zu werden: die Gesinnung. Wer das glaubt, ist den Nazis näher, als er es glaubt, denn die waren sich auch völlig sicher, dass sie die richtige Gesinnung haben, die ihnen so manches gestattet und abverlangt.

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

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