Gastautor 28.11.2011 12:39 +Feedback
Klimapolitik und Eugenik - einige Parallelen
Von Ludger Weß
Die Klimadebatte nimmt in Deutschland immer mehr die Züge einer kollektiven Hysterie an - der Preis für den derzeit radikalsten Vorschlag geht an Norbert Röttgen, CDU, für seinen Vorschlag eines CO2-Kontingents für jeden Erdbewohner. Was geschehen soll, wenn es aufgebraucht ist, lässt er allerdings (noch) offen. Wohlgemerkt, Röttgen spricht nicht vom Einwohner eines Landes (das wäre eine rein statistische Größe), sondern von Personen. Das kann nur persönliche Konsequenzen meinen. Deutschland soll Vorreiter sein, sagt Röttgen mit Stolz und erhält parteiübergreifenden Beifall.
Vor gut einem Jahrhundert waren Experten sich schon einmal über eine drohende Katastrophe einig, und auch damals ging Deutschland voran - ganze Bevölkerungsgruppen wurden schließlich zur Verhütung dieser Katastrophe ihrer Freiheitsrechte beraubt, verstümmelt oder umgebracht. Die Rede ist von der Eugenik.
Diesen Begriff prägte 1883 der britische Gelehrte Francis Galton und definierte ihn als „Wissenschaft von der Verbesserung des Menschen durch Zucht“. Hintergrund war die Befürchtung, Zivilisation in Form von Medizin und Sozialstaat würde unausweichlich in die Katastrophe, sprich Degeneration der Menschheit führen. Denn die Zivilisation ermöglichte doch, dass Menschen, die unter „ursprünglichen“ Bedingungen das fortpflanzungsfähige Alter nicht erreicht hätten, munter Kinder in die Welt setzen konnten, die Kosten verursachten und sich womöglich weiter vermehrten. Nur wenige Generationen noch, und die Erde würde von kurzsichtigen, kränkelnden, alkoholabhängigen Halbidioten bevölkert sein. Buchhandlungen und Zeitschriften waren voll von einschlägigen Veröffentlichungen.
Was tun? Die Vorschläge lagen rasch auf dem Tisch. Heiratserlaubnisse sollten vom jeweiligen “Erbwert” abhängig gemacht werden, “hochwertige” Bevölkerungsteile bei der Eheschließung beraten und mit finanziellen Hilfen zu einer erhöhten Fortpflanzungsrate angehalten werden. Diese “positive”, fördernde Eugenik sei zu ergänzen durch Zwangsmaßnahmen wie Eheverbote, Asylierung und Sterilisierung, um die Vermehrung der “Minderwertigen” zu stoppen.
Diese Vorstellung einte die politischen Strömungen von rechts bis links. Nicht nur in Deutschland oder Großbritannien, auch in den USA, Argentinien, Frankreich und selbst im post-revolutionären Russland wurden eugenische Vereinigungen gegründet, die diese Maßnahmen propagierten und daran arbeiteten, sie in Gesetze zu gießen. Eugenische Forschungsinstitute und Lehrstühle schossen wie Pilze aus dem Boden, finanziert vom Staat, von Stiftungen und reichen Individuen. Auch die unter Klimaschützern so beliebten Aktionen „vor Ort, bei den Menschen“ gab es schon: eugenische Ausstellungen und Wettbewerbe um den Titel der „fittesten Familie“ auf Landwirtschaftsausstellungen, Jahrmärkten und Messen.
Eugenik war wissenschaftlicher und politischer Konsens unter Forschern, Medizinern und Bürgern, die sich als aufgeklärt verstanden; Stimmen, die dagegen hielten, waren selten und wurden nicht ernst genommen oder marginalisiert - schließlich bewiesen unzählige Untersuchungen an Pflanzen, Tieren und Menschen, dass die Qualität des Erbguts beständig durch nachteilige Mutationen bedroht war. An dieser Tatsache war nicht zu rütteln; die Beweise waren erdrückend, es musste gehandelt werden.
Nirgendwo wurde dieses Katastrophenszenario so ernst genommen wie in Deutschland. Während sich die USA in der Wirtschaftskrise von der Idee verabschiedeten - 15 Millionen Arbeitslose als “minderwertig” zu sterilisieren erschien absurd - , hielten Experten und Politiker in Deutschland um so eiserner an der Doktrin fest. Schon in der Weimarer Republik fanden Gesetzentwürfe zur Sterilisation von „Erbkranken“ oder „Kriminellen“ Zustimmung von Katholiken ebenso wie von Sozialdemokraten. Den Nationalsozialisten blieb es vorbehalten, die Sache dann schnellstens in die Tat umzusetzen.
Es geht hier nicht darum, Dystopien auszumalen, aber die erschreckende Rigorosität, mit der in Deutschland Lösungsvorschläge zur Abwendung einer vermeintlichen Endzeit-Katastrophe entwickelt werden, öffnet Abgründe. Kommt hinzu, dass einige radikale Vordenker des Klimaschutzes aus Politik und Wissenschaft schon lange nicht mehr bereit sind, ihre Positionen in Frage zu stellen. Selbstgerecht wird versucht, Andersdenkende zu diffamieren oder mundtot zu machen. Und noch eine Parallele zur Eugenik-Diskussion: anders als in allen anderen westlichen Demokratien gibt in Deutschland keinen Politiker mehr, der es offen wagt, die herrschende Klimadoktrin (oder den Ausstieg aus der Kernenergie) anzuzweifeln. Im Angesicht der Katastrophe gibt es keine Parteien mehr, sondern nur noch Klimaschützer.
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Kategorie(n): Klima-Debatte Wissen


