Dirk Maxeiner 08.01.2010 14:28 +Feedback
Klima: Die Fragen werden entschiedener
So etwas sind die Herren nicht gewohnt. BBC-Moderator Andrew Neal macht dem Chef der britischen Wetterbehörde John Hirst mit Fragen zu seinen Wetter- und Klima-Vorhersagen ziemlich Feuer unterm Stuhl. So was möchte ich im Deutschen Fernsehen auch mal erleben. Der Züricher Tagesanzeiger stellt indes zumindest schon mal die richtige Frage: ”Wo bleibt die Klimaerwärmung?”. Richtigerweise wird im Tagesanzeiger darauf hingewiesen, dass es sich bei der gegenwärtigen Kältewelle um eine Wetterlaune handelt. Das galt freilich auch für Hitzewellen und Sturmtiefs der Vergangenheit, die grundsätzlich als Vorboten der globalen Erwärmung durchgingen. Ein wunderbares Beispiel dafür lieferte vor drei Jahren in einer RTL-Diskussion Dr. Wilfried Thommes vom Deutschen Wetterdienst, als er warmes Frühjahrswetter in Deutschland als Beweis für die grunsätzliche Klimaerwärmung anführte. Für die Nachwelt hier aufgehoben. Aber zurück zum Tagesanzeiger: Wenn man die Frage stellt, wo denn die Erwärmung bleibt, dann sollte man vielleicht auch darauf hinweisen, dass sie bereits seit zehn Jahren nicht mehr stattfindet. Das ist schon ein bisschen mehr als nur Wetter. Und das gilt wohl auch für die Rolle, die die Sonne dabei spielt. An der Antwort, die der Tagesanzeiger gibt, lässt sich schon die vorsorgliche Verteidigungslinie der Erwärmungsfraktion erkennen: “Die Klimaerwärmung von Menschenhand kann häufigere und heftigere Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Stürme und sogar Kälteperioden zur Folge haben.” Wir lernen: Egal was passiert, die globale Erwärmung ist ein Fakt. Das erinnert mich ein wenig an eine Episode, als das Orkantief Kyrill Anfang 2007 durch Deutschland jagte. Da schrieb die »Bild«-Zeitung: »Wer an der drohenden Klimakatastrophe noch gezweifelt hat – das Orkantief Kyrill hat ihn endgültig wach gerüttelt.« Und weil die in dessen Folge vorhergesagte Sturmflut an der Nordsee ausblieb, schrieb das Blatt: »Wie unberechenbar das Wetter geworden ist, zeigte Kyrill im Norden: Die Sturmflut, mit der Meteorologen gerechnet hatten, fiel aus.« Wenn nicht nur eine Katastrophe, sondern auch ihr Ausbleiben als Folge des sündhaften menschlichen Treibens gedeutet wird, dann zeigt dies eine völlige Immunisierung gegen rationale Argumente. So entsteht eine sich selbst abdichtende Weltsicht, die sich schließlich zu einer prinzipiell nicht falsifizierbaren Annahme verhärtet. Die Logik erinnert ein wenig an den mittelalterlichen Gottesbeweis: Wenn eine gefesselte Hexe im Wasser unterging, war sie keine Zauberin, aber dennoch tot. Schwamm sie obenauf, dann handelte es sich hingegen eindeutig um eine Hexe, woraufhin sie ebenfalls vom Leben in den Tod befördert wurde.
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Kategorie(n): Klima-Debatte Wissen


