Gastautor 22.08.2012 10:40 +Feedback
Kleiner Rhein, großer Wein
Helmut Fuchs
„Kleiner Rhein, großer Wein“ sagt ein alter, ein sehr alter Winzerspruch! Alte Chroniken berichten ausführlich von außergewöhnlichen Wetterverhältnissen und ihren Auswirkungen auf den Weinbau im Rheingau. Oft waren gute Weinjahre gleichbedeutend mit Hungersnot und Wassermangel.
„… Es gab so ungewöhnliche Hitzewellen, dass die Reben verdorrten und die Beeren abfielen, wie im Jahr 864. Es gab Jahre, in denen die Bäume bereits im Januar blühten und der zuckersüße Wein schon im August geerntet werden konnte, wie 1185 und 1186. Noch ungewöhnlicher entwickelte sich der Witterungsablauf im Jahr 1280. Außergewöhnliche Hitze mit einem Kälterückfall mit Schnee im Juli brachte einen vorzüglichen Wein, wogegen die Getreideernte völlig missriet. Im Jahr 1516 gab es bei große Dürre wenig aber vortrefflichen Wein: „Der beste Wein, desgleichen bei Menschen Gedächtnis nit gewachsen!“. 1540 war der Rhein nach Hitzereichen Wochen so trocken, dass man ihn an vielen Stellen durchwaten konnte. In manchen Weinbergen blieben die vertrockneten Trauben aus Fassmangel bis Oktober hängen. Beim Einsetzen des Regens quollen die Beeren auf, und man hielt eine zweite Lese. In diesem außergewöhnlichen Jahr wurden auch zum zweiten mal Kirschen geerntet. Den 1596er nannte man Beerleswein, weil die Beeren aus Regenmangel nur erbsengroß, dafür aber zuckersüß geraten waren. 1637 blieben die Trauben bis Martini, also bis zum 11. November hängen, da sich kein Winzer in den Weinberg wagte. In der großen Hitze „vergor“ der Wein an den Stöcken …“
Wetterkapriolen und Klimaschwankungen – heute Klimakatastrophe genannt - gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben. Deshalb sollten die heutigen Wetterextreme von den Experten einschließlich der Presse nicht nur mit denen der vergangenen einhundert Jahren, sondern immer auch mit denen der letzten 2000 Jahren verglichen werden. Schon diese simple Regel würde die Zukunftsangst der heutigen Menschen etwas relativieren.
Welch ein großes Glück, dass die heutigen ÖkoMenschen mit ihrer Politik diese Schwankungen – trotz aller politischen Parolen - nur wenig beeinflussen können! Gott sei Dank!
Dr. Helmut Fuchs ist Geologe und Ökowinzer
Permanenter Link | Druckversion
Kategorie(n): Klima-Debatte

