16.07.2008   04:21   +Feedback

Klein Bosnien in St Louis, Missouri

Diese Reportage hier könnte auch unter dem leicht raunzigen Motto stehen: Warum kriegen die Amerikaner immer die netten Muslime ab?
Übrigens möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei CAROLINE FETSCHER zu bedanken—sie hat mich mit einer Kollegialität, die unter deutschen Journalisten nicht grade üblich ist, auf dieses Thema hingewiesen. Thanks awfully!
Und diesen Absatz ...

...tja, den haben meine Kollegen von der WELT mir leider aus meiner Reportage mit dem Chirurgenmesser rausoperiert. Es wird wohl kein Platz mehr gewesen sein:

“Man sollte vielleicht hinzufügen, dass sowohl der Nachnamensvetter von Amir Karadciz als auch General Mladic dringend verdächtigt werden, sich auf dem Territorium der Republik Srpska aufzuhalten. Es ist den gesammelten Streitkräften der Nato bis dato nicht gelungen, diese beiden Herren aufzuspüren.
Stattdessen sucht die Alte Welt heute händeringend nach einem „Euro-Islam“ – nach einer weltoffenen, toleranten Variante der Religion Mohammeds, die mit der liberalen Demokratie in Einklang gebracht werden kann. Die Wahrheit ist: Diesen Laissez-faire-Islam hat es mitten in Europa gegeben. Es war der Glaube jener Serben, die unter den Osmanen zu Muslimen geworden waren und hinterher im Habsburgerreich als Minderheit jahrhundertelang unter anderen Minderheiten lebten. Aber die Europäer haben in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts zugeschaut, wie just dieser tolerante Habsburger-Islam massakriert wurde, wie Sarajevo in Flammen aufging, wie der serbische Faschismus seine Triumphe feierte. Jetzt haben wir den Salat.”

So. Und jetzt stelle ich eine zwiefache Regel auf (von mir aus können wir auch “Fatwa” dazu sagen, wenngleich meine religiöse Berechtigung zum Ausstellen von Fatwas etwas zweifelhaft ist).
1. Mit Leuten, die—auch welchen edlen Motiven auch immer—den genozidalen Krieg der Milosevic- und Karadciz- und Mladic-Serben gegen Bosnien schönreden, will ich eigentlich immer noch nichts zu schaffen haben. Nicht im Guten, nicht im Bösen.
2. Leute, die heute—aus welchen edlen Motiven auch immer—das seltsame Wort ISLAMOPHOBIE im Munde führen, müssen hinterher umgehend nachweisen, dass sie in den Jahren 1992 ff. zu den Verbrechen des serbischen Faschismus nicht geschwiegen haben.
Wer aber damals das Maul nicht aufgekriegt hat, möge es doch bitte auch weiterhin halten. 


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