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  06.02.2012   12:37   +Feedback

Klaus darf wieder schleichen. Finale im WDR-Skandal

Kapitän Schettino (ehemals „Costa Concordia“) hat Pech: seine Reederei will ihn nicht mehr beschäftigen. Wäre sein kleiner Schlitzer nicht in Italien, sondern in Deutschland passiert, so könnte er vor ein Arbeitsgericht ziehen und stände womöglich schon bald wieder auf der Brücke eines Kreuzfahrtdampfers. Das jedenfalls verspricht ein Urteil des Landesarbeitsgerichtes Köln (AZ:3Sa347/11), in dem es um den wahrscheinlich größten Schleichwerbungsskandal der letzten Jahre ging, den Fall der angeblichen Wundersalbe Revigiderm. Dieses Neurodermitis-Mittel hatte der WDR-Redakteur Klaus Martens in dem 45-Minuten-Film „Heilung unerwünscht“ aus dem Jahre 2009 in höchsten Tönen bejubelt. 

Die heilmächtige Salbe sei von bösen Pharmariesen aus purer Profitgier boykottiert worden, dann aber von einem tapferen kleinen Anbieter auf den Markt gebracht worden, hieß es. Es war genau die Art von David-gegen-Goliath-Schmonzetten, die Redakteuren im schwer kapitalismuskritischen WDR unbesehen aus den Händen gerissen werden. Der Beitrag war denn auch von einem Vorgesetzten Martens´ ohne Beanstandungen abgenommen worden.

Dummerweise flog durch den geharnischten Protest von Ärzten und Pharmaexperten schnell auf, dass Revigiderm keineswegs ein Wundermittel ist, welches ruckzuck das Leid von „kleinen Patienten“ mindert – einer davon mit Namen Bastian war auf den Ankündigern des WDR-Sozialrührstücks zu sehen gewesen. Mehr noch, Qualitäts-TV-Schurnalist Martens war selber „in die Marketingaktivitäten zur Produkteinführung der Salbe in nicht unerheblichem Maß eingebunden“, wie das Arbeitsgericht jetzt feststellten. Sendetermin und Verkaufsstart der Salbe waren aufeinander abgestimmt, und Martens brachte zeitgleich auch ein Buch über seine „Recherchen“ auf den Markt (das er sich vom Sender hatte genehmigen lassen). Außerdem brachte er sein Salbenmärchen auch noch in einer Sendung des WDR-Talkmasters Frank Plasberg („Hart aber fair“) unter, wo er wieder Werbung für Revigiderm machen durfte, ohne dass ihm Plasberg kritische Fragen stellte. Der Moderator wurde dafür später WDR-intern heftig kritisiert, schaffte es aber, die Sache auszusitzen. Zumal die WDR-Oberen, für die er damals sehr wichtig war, ihn schonten.

Auch achgut.de hatte über den Fall mehrfach berichtet. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ente_mit_blatt_schuss_eine_stern_stunde/

Seinen Redakteur Martens dagegen wollte der WDR fristlos loswerden, scheiterte damit jetzt freilich auch in der zweiten Instanz. Obwohl das Arbeitsgericht feststellte, Martens habe gegen „die journalistische Unabhängigkeit“ verstoßen und in einer so genannten Ehrenerklärung „nachweislich unzutreffende Angaben“ gemacht, sei der Prozess „gut für Martens“ ausgegangen, wie der „Stern“ berichtet. Der WDR muss den geschäftssinnigen Märchenonkel weiter beschäftigen. Und zwar, so das Gericht in einer denkwürdigen Begründung, wegen „schlechter Aussichten auf dem Arbeitsmarkt“.

Schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt hat Käpt´n Crasch von der „Costa Concodia“ nun auch. Ob er es wohl schafft, seinen Fall vor ein deutsches Arbeitsgericht zu bringen? Dann könnte noch alles gut werden. Für auf Grund gelaufene Stümper und Trickser haben die Tedeschi immer ein großes Herz.

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Kategorie(n): Wissen 

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