18.06.2008   08:55   +Feedback

Kanzlerin Nahles

Unserer braven alten SPD wurde im Lauf der Zeit so gut wie alles genommen. Die Angst vor den Kriegskrediten und die Angst vor den Kommunisten. Letztere sogar mehrmals. Warum also nicht auch die Angst vor der Frau? Spätestens in der Großen Koalition haben die Genossen, die noch übrigen, erfahren können, dass auch Frauen nur mit Wasser kochen, und, zumindest in der Politik, Köchin und Menschenfresser sich weniger voneinander unterscheiden, als Mann befürchtet hat.

Zeit für eine beunruhigende Frage: Hat die neue konservative Revolution der Frauen Merkel und von der Leyen den Weg frei gemacht für die Machtübernahme von Nahles und Co? Zur Frauenfrage hat sich zwar schon August Bebel geäußert, aber auch er, ohne die Schallmauer zu durchbrechen. Frauen in der SPD? Bisher war das bestenfalls ein Thema für die Politikwissenschaft. Nun aber sind erste Anzeichen für eine Wende auszumachen. Geschlechterwende in der SPD, der dienstältesten Partei Deutschlands?

Wenn man den Zustand der Partei als Männerzustand betrachtet, könnte man leicht denken, die Frauen schaffen es. So weit, so gut, aber zu kurz gedacht, Herr Wagner, würden jetzt meine Leser sagen. Muss man doch auch nach dem Zustand der Frauen in der SPD fragen. War da was, außer Gesundheitsministerinnen mit und ohne K-Gruppen-Vergangenheit? Die Klassikerin Rote Heidi? Sie, die zuletzt schon den Dalai Lama empfangen musste, um noch einmal ins Gespräch oder wenigstens ins Gerede zu kommen? Wer mit der Missbilligung eines Steinmeier rechnet, um den kann es eigentlich nur schlecht bestellt sein.

So schlimm ist es aber nicht, es ist noch viel schlimmer. Die Heidi ist immer noch heimliches Vorbild, und das sagt schon etwas mehr über die SPD aus, und auch über ihre Frauen Die Südhessensehnsucht, die nicht enden will, ist weiblich. Sterblich ist nur die Toskanafraktion. So gesehen, wäre auch Andrea Nahles nichts weiter als eine Rote Heidi. Die nächste?

Sie aber könnte tatsächlich Geschichte machen: Als die Kanzlerin einer ersten Koalition mit den Linkspopulisten. Einschlägige Kontakte sind längst geknüpft. Angela Marquardt, einstige Vorzeige-Punkerin der Postmortem-und Postmoderne-Partei PDS, hat nach 20 Semestern Politikstudium und einem Dementi, Inge Meysel beerbt zu haben, die Mitarbeit bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Nahles aufgenommen, ganz so, als wären die Buchstabenfolgen PDS und SPD ein Würfelbecherergebnis.

Marquardt ist seit Januar SPD-Mitglied und Geschäftsführerin des Arbeitskreises „Denkfabrik“, also einem Thinktank, wo unverbindlich draufsteht, was unverbindlich drin ist, und der bereits informellen Kontakt zur Linkspartei pflegt. Ob die Genossinnen schon über die Tischordnung verhandeln? Über Menü und Damenkarte? Der Damenwahl steht eh nichts mehr im Wege, außer vielleicht dem einen oder anderen schrittunkundigen Tänzer. Der Sieg der Dame Nahles ist unaufhaltsam. So Forsa und Co. Fragt sich nur, über wen die linken Frauen siegen wollen: Über den Menschenfresser oder über die Köchin?


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Kategorie(n): Inland  Kultur