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  05.02.2012   20:46   +Feedback

Kann ein Land sich kaputtsparen? (Ein Feldversuch)

Von Rupert Reiger

Es ist nun so, betritt man in einer Sache Neuland, in einer Sache wie „was passiert wenn ein Staat, der Jahrzehnte lang über seine Verhältnisse gelebt hat, plötzlich spart“, wie kann man wissen wie das Ganze ausgeht?

Nun, man theoretisiert, berechnet, Wissenschaftler machen Modelle und simulieren, man macht Analogschlüsse zu mal gewesenem oder was weiß ich und fasst das Ganze in wissenschaftliche Studien und man stellt fest: Ergebnisse sind keinesfalls einheitlich ja oft widersprüchlich.
Politiker zitieren daraus, ja, und zwar genau so wie es zu ihrer politischen Position passt. Und die Gesellschaft schließt sich ihnen an … auch so wie es zur jeweiligen politischen Couleur passt.

Jetzt haben wir wissenschaftliche Studien aber wo ist ihr Wert? Welchen Nutzen ziehen wir daraus?
Die Antwort ist: Das wissen wir erst hinterher!

Ja hinterher, diese Situation ist natürlich blöd.
Könnte man nicht einen Feldversuch machen, eine europäische Parzelle wo man’s ausprobiert?

Ja, es scheint es gibt diese Parzelle bereits, aber definieren wie erst mal das Problem und marschieren wir dann darauf zu und schauen dann ob’s da wächst und gedeiht.
Auf diesem Weg lassen wir klügere zu Wort kommen. Ich geh mal davon aus, dass deren Artikel für die nicht ganz blöden Laien geschrieben sind, sich ein Bild zu machen. Diese Artikel sollen die Mosaiksteinchen sein, die ein konsistentes Bild ergeben:

Mosaikstein 1 aus:
http://www.welt.de/wirtschaft/article13557403/Versagen-der-Politik-ruiniert-das-westliche-System.html
NOBELPREISTRÄGER:
Versagen der Politik ruiniert das westliche System:
Die Staatsschuldenkrise wird zum epochalen Problem des gesamten westlichen Systems. Bekommt die Politik die Krise nicht rasch in den Griff, steht den Volkswirtschaften der USA und Europas eine jahrelange Stagnation und damit der Abstieg gegenüber den aufstrebenden Nationen Asiens oder Lateinamerikas bevor.
Die Zukunft wurde schon konsumiert:
„Der Westen hat die vergangenen Jahrzehnte über seine Verhältnisse gelebt und damit einen Teil seiner Zukunft bereits konsumiert“, sagt Edmund Phelps, Professor an der Columbia University, der für seine Wachstumstheorie 2006 den Nobelpreis bekam. Jetzt stehe den USA, aber auch Europa eine lange Zeit der Stagnation bevor. „Der Westen muss für die Fehler der Vergangenheit büßen. Wenn er jetzt die richtigen Weichen stellt, wird sich die Erholung schneller einstellen und allen Beteiligten leichter fallen.“
Phelps bezeichnet das politische System als größtes Problem. „… In Europa hätten die Regierenden ein System pervertierter Anreize geschaffen mit Banken und Versicherern, die Staatsanleihen halten müssen, und Staaten, die sich über einst vereinbarte Schuldengrenzen hinwegsetzen.“
Die Staatsschuldenkrise wird auch von anderen Laureaten als regelrechter Konjunkturkiller gesehen. „Die Schuldensucht der Staaten ruiniert das westliche System“, sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Eric Maskin. „Wenn die Politik jetzt nicht aufwache und umgehend handele, würden die wirtschaftlichen Turbulenzen noch mehrere Jahre andauern.“
Die Zukunft wurde schon konsumiert – eine lange Stagnation ist sehr wahrscheinlich.

Eigene Bemerkung dazu: Problem und Ursachen sind jetzt definiert. Das erinnert an den Pharao (war ein gewisser Josef involviert in die Geschichte), wo nach sieben fetten Jahren, in denen man vorgesorgt hatte, die dürren Jahre folgten aber in der Variante, dass man in den fetten Jahren nicht nur schon alles verfressen hatte sondern sogar alles auf Kredit zu Lasten der dürren Jahre verfressen hatte.
Stagnation und dann das Wort vom Kaputtsparen machen die Runde mit dem üblichen Gefälle von links nach rechts. Es wird theoretisiert auf Teufel komm raus:

Mosaikstein 2 aus:
http://www.n-tv.de/politik/Schaeuble-stellt-Griechen-Bedingungen-article5359196.html
Beim Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs wird aber der Konflikt zwischen Sparen und Kaputtsparen deutlich. Denn Regierungschefs fragen sich, wie sich langfristig das Wachstum in Europa beflügeln lässt. Selbst heftig sparende Staaten, das zeigt das Beispiel Spanien derzeit, bringen die schwächelnde Wirtschaft nicht wieder in Schwung.

Eigene Bemerkung dazu: Inzwischen ist für Schuldenstaaten Sparen eine Investition. Wenn eine Firma investiert, dann dauert es erst mal mit den Erträgen. Zwischen Saat und Ernte liegt Zeit, es gibt nun mal die Gewinnschwelle (break-even-point). Damit beschäftigen sich auch intelligente Köpfe:

Mosaiksteinchen 3 und 4 aus:
http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/denkfabrik-die-maer-vom-kaputtsparen/5238536.html
Notwendig ist eine aktive und nachhaltige Konsolidierungspolitik, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Eine solche Politik hat viele Gegner; Kritiker warnen, der Staat dürfe den Aufschwung nicht „kaputtsparen“. Doch müssen wir wirklich davon ausgehen, dass eine restriktive Finanzpolitik auf Jahre hinaus das Wachstum vermindert? Isoliert betrachtet dämpfen geringere Staatsausgaben oder höhere Steuern die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was in der Regel mit Wachstumseinbußen zu Beginn einer Konsolidierungsphase verbunden ist. Dem stehen aber andere, positive Effekte gegenüber, die längerfristig wirken. [sic ! da haben wir sie wieder: Die Zeit]
http://www.wienerzeitung.at/meinungen/kommentare/431125_Mythos-Kaputtsparen.html
Österreich droht, wenn wir dem populären Ökonomen Stephan Schulmeister und vielen anderen Experten glauben dürfen, eine tödliche Gefahr: das “Kaputtsparen”, also eine Wirtschaftskrise, die dadurch verursacht wird, dass der Staat zu sparsam ist.
Angesichts der Tatsache, dass die Republik Österreich Kredite aufnehmen muss, um die Zinsen bestehender Kredite zahlen zu können, erscheinen diese Warnungen vor vermeintlichem “Kaputtsparen” zumindest originell. Denn noch weniger sparsames Verhalten als selbst die Zinsen auf Pump zu bedienen ist selbst für einen hartgesottenen Schulden-Junkie kaum vorstellbar.
Trotzdem stimmt, dass ein substanzielles Zurückfahren staatlicher Ausgaben nicht ganz ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum bliebe. Ursächlich schuld daran ist freilich nicht eine Politik des Sparens, sondern natürlich jener vorhergehende staatliche Ausgabenexzess, der die Politik des Sparens erzwungen hat; spätestens dann, wenn die Gläubiger nervös werden.
Österreich - und vielen anderen europäischen Ländern - droht deshalb nicht wirklich die Gefahr des “Kaputtsparens”. Ihnen droht vielmehr die unvermeidbare Konsequenz jahrzehntelanger staatlicher Schuldenexzesse: die unvermeidliche Rechnung und damit verbundene Wohlstandseinbußen.
Dabei ist nicht wirklich gesichertes Wissen, dass die Wirtschaft zwangsläufig mit krampfartigem Schrumpfen reagieren muss, wenn der Staat spart. Denn gerade in jenen europäischen Staaten, die nach dem Crash im Jahr 2008 am radikalsten sparten - vor allem Lettland, aber auch Estland, Litauen oder Bulgarien -, begann die Wirtschaft relativ schnell wieder relativ rasch zu wachsen.

Hier muss man sich wieder einklinken: Ja, es wird theoretisiert auf Teufel komm raus … theoretisiert? Aber da steht doch: „vor allem (in) Lettland, aber auch Estland, Litauen oder Bulgarien -, begann die Wirtschaft relativ schnell wieder relativ rasch zu wachsen.
Ja, was sollen denn Schlachten zwischen Theorien wenn‘s funktioniert?
Da werfen wir doch mal ein Auge drauf und sind verblüfft vor Erstaunen:

Mosaikstein 5 aus:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-handel-mit-griechenland-ist-eingebrochen/5791718.html
Bulgariens Vizepremier Simeon Djankov hat das härteste aller Sparprogramme in Europa durchgesetzt. Nun empfiehlt er den Euro-Ländern ein ähnlich rustikales vorgehen, etwa harte Kürzungen bei den Beamten.
Also auch Italien, Frankreich und Deutschland sollen sich auf maximal zwei Prozent Haushaltsdefizit verpflichten?
Ich (Simeon Djankov) denke ja. Um nicht in Krisen über die drei Prozent zu kommen. Und die Regierungen haben, wenn das in der Verfassung so verankert ist, nicht das Recht Budgetplanungen mit über zwei Prozent Defizit durchzusetzen. Sonst fliegen sie automatisch [sic ! Das ist wohl der Schlüssel des Erfolgs].
Wie konnten Sie den harten Sparkurs in Bulgariens Bevölkerung durchsetzen?
(Simeon Djankov:) Am Anfang war es extrem schwer, vor allem wegen Griechenland. Wir armen Bulgaren sollten harte Sparmaßnahmen durchsetzten und die Griechen, die deutlich besser leben als wir, bekam immer mehr Geld von Europa. Da fragten natürlich viele, warum wir fiskalisch verantwortlich sein sollen statt mehr Geld zu verlangen von der EU. Da wir aber nicht in der Euro-Zone sind, hat unsere Regierung gesagt, die EU wird uns wohl kaum mehr Geld geben und wir müssen unsere Probleme selbst lösen. In den ersten eineinhalb Jahren als Finanzminister (ab 2009) war es extrem schwierig, hart zu sparen und Nachbar von Griechenland zu sein.
Und heute?
(Simeon Djankov:) Ironischer Weise ist es jetzt auch wegen Griechenland viel einfacher geworden. Unsere Leute sehen jetzt täglich die Bilder aus Griechenland mit Streiks und dass nichts funktioniert, der Zoll nicht funktioniert, unsere Grenzen geschlossen sind. Und da sagen sie: das wollen wir nicht bei uns haben. Ich kann jetzt unsere Maßnahmen viel einfacher durchsetzen, weil die Menschen sehen was passiert, wenn wir unsere Probleme nicht lösen.

Mosaikstein 6 aus:
http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-deutschland-wird-uns-fuehren/60161472.html
Deutschland wird uns führen
Bundeskanzlerin Merkel kann in der EU auf Verbündete aus Osteuropa zählen: Bulgariens neu gewählter Präsident Rossen Plewneliew unterstützt Merkels Stabilitätspolitik. Sein Land empfiehlt er außerdem als Vorbild für die Griechen.
Plewneliew sieht Bulgarien als Vorbild für das krisengeschüttelte Griechenland an. Ein radikaler Abbau der Verschuldung sei möglich. “Vor zehn Jahren lagen unsere Gesamtschulden bei 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heute sind es 16 Prozent.” Griechenland, das wie Bulgarien Ende der 90er-Jahre eine Gesamtverschuldung von gut 100 Prozent des BIPs hatte, steht derzeit bei über 170 Prozent. Das BIP pro Kopf ist in Griechenland etwa zweieinhalb mal so hoch wie im benachbarten Bulgarien, das der EU 2007 beitrat. Von der Größe her sind die Länder vergleichbar, Bulgarien hat 7,5 und Griechenland rund elf Millionen Einwohner.
Besorgt äußerte sich der Präsident über die Energiepolitik seines Landes. “Es ist für mich eine große Sorge, dass Bulgarien immer noch von einem einzigen Gaslieferanten, und zwar Gazprom, abhängig ist.” Er hoffe, dass es 2013 eine Pipelineverbindung aus der Türkei und danach aus Griechenland geben werde. “Dann können wir ruhiger schlafen.” Das Land hatte im Winter 2008 wegen des Streits zwischen Russland und der Ukraine tagelang keine Lieferungen erhalten.
Plewneliew kritisierte in diesem Zusammenhang den Verzicht der eigenen Regierung auf die Erforschung der Förderung von Schiefergas im eigenen Land. “Meine Meinung ist, dass die Regierung zu schnell entschieden hat.” Trotz des Moratoriums wolle er sich dafür einsetzen, dass die Debatte weitergehe. Plewneliew schloss nicht aus, dass Gazprom systematisch Umweltorganisationen gefördert habe, die gegen das Schiefergas argumentierten. Diese Befürchtung habe auch der Wirtschaftsminister bereits öffentlich geäußert.

Dazu, aus einem Erstaunen heraus:
Herr Plewneliew, Herr Djankov, ihre Leistungen beeindrucken, viel mehr wie der übliche europäische Aktionismus.
Bloß eine kleine Kritik:
“Deutschland wird uns führen”

Ersparen sie uns den Stress, siehe:
http://www.faz.net/aktuell/forderung-nach-sparkommissar-athen-verlangt-respekt-vor-seiner-wuerde-11630513.html
Forderung nach Sparkommissar
Athen verlangt Respekt vor seiner Würde
Berlin fordert vor dem EU-Gipfeltreffen in Brüssel einen Sparkommissar für Griechenland. Aus Athen kommt heftiger Widerspruch.
Und:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-der-sparkommissar-vergiftet-rettungsdebatte/6127808.html
Der Sparkommissar vergiftet Rettungsdebatte
Mit der Idee eines Sparkommissars für Griechenland hat sich Deutschland massive Kritik eingehandelt. Luxemburg mahnt zu mehr Vorsicht - und Außenminister Westerwelle rudert auch schon zurück.“

Denn gegen fehlende eigene tiefe Einsicht kommt niemand an … und das mit der Würde ist so ein Problem …
Und sie haben doch auch selbst Erstaunliches geschafft, ohne Deutschland …
Und vielleicht sogar besseres:
Der Feldversuch war erfolgreich.

Es ist nun so, betritt man in einer Sache Neuland, in einer Sache wie „was passiert wenn ein Staat, der Jahrzehnte lang über seine Verhältnisse gelebt hat, plötzlich spart“, wie kann man wissen wie das Ganze ausgeht?

Nun, man theoretisiert, berechnet, Wissenschaftler machen Modelle und simulieren, man macht Analogschlüsse zu mal gewesenem oder was weiß ich und fasst das Ganze in wissenschaftliche Studien und man stellt fest: Ergebnisse sind keinesfalls einheitlich ja oft widersprüchlich.
Politiker zitieren daraus, ja, und zwar genau so wie es zu ihrer politischen Position passt. Und die Gesellschaft schließt sich ihnen an … auch so wie es zur jeweiligen politischen Couleur passt.

Jetzt haben wir wissenschaftliche Studien aber wo ist ihr Wert? Welchen Nutzen ziehen wir daraus?
Die Antwort ist: Das wissen wir erst hinterher!

Ja hinterher, diese Situation ist natürlich blöd.
Könnte man nicht einen Feldversuch machen, eine europäische Parzelle wo man’s ausprobiert?

Ja, es scheint es gibt diese Parzelle bereits, aber definieren wie erst mal das Problem und marschieren wir dann darauf zu und schauen dann ob’s da wächst und gedeiht.
Auf diesem Weg lassen wir klügere zu Wort kommen. Ich geh mal davon aus, dass deren Artikel für die nicht ganz blöden Laien geschrieben sind, sich ein Bild zu machen. Diese Artikel sollen die Mosaiksteinchen sein, die ein konsistentes Bild ergeben:

Mosaikstein 1 aus:
http://www.welt.de/wirtschaft/article13557403/Versagen-der-Politik-ruiniert-das-westliche-System.html
NOBELPREISTRÄGER:
Versagen der Politik ruiniert das westliche System:
Die Staatsschuldenkrise wird zum epochalen Problem des gesamten westlichen Systems. Bekommt die Politik die Krise nicht rasch in den Griff, steht den Volkswirtschaften der USA und Europas eine jahrelange Stagnation und damit der Abstieg gegenüber den aufstrebenden Nationen Asiens oder Lateinamerikas bevor.
Die Zukunft wurde schon konsumiert:
„Der Westen hat die vergangenen Jahrzehnte über seine Verhältnisse gelebt und damit einen Teil seiner Zukunft bereits konsumiert“, sagt Edmund Phelps, Professor an der Columbia University, der für seine Wachstumstheorie 2006 den Nobelpreis bekam. Jetzt stehe den USA, aber auch Europa eine lange Zeit der Stagnation bevor. „Der Westen muss für die Fehler der Vergangenheit büßen. Wenn er jetzt die richtigen Weichen stellt, wird sich die Erholung schneller einstellen und allen Beteiligten leichter fallen.“
Phelps bezeichnet das politische System als größtes Problem. „… In Europa hätten die Regierenden ein System pervertierter Anreize geschaffen mit Banken und Versicherern, die Staatsanleihen halten müssen, und Staaten, die sich über einst vereinbarte Schuldengrenzen hinwegsetzen.“
Die Staatsschuldenkrise wird auch von anderen Laureaten als regelrechter Konjunkturkiller gesehen. „Die Schuldensucht der Staaten ruiniert das westliche System“, sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Eric Maskin. „Wenn die Politik jetzt nicht aufwache und umgehend handele, würden die wirtschaftlichen Turbulenzen noch mehrere Jahre andauern.“
Die Zukunft wurde schon konsumiert – eine lange Stagnation ist sehr wahrscheinlich.

Eigene Bemerkung dazu: Problem und Ursachen sind jetzt definiert. Das erinnert an den Pharao (war ein gewisser Josef involviert in die Geschichte), wo nach sieben fetten Jahren, in denen man vorgesorgt hatte, die dürren Jahre folgten aber in der Variante, dass man in den fetten Jahren nicht nur schon alles verfressen hatte sondern sogar alles auf Kredit zu Lasten der dürren Jahre verfressen hatte.
Stagnation und dann das Wort vom Kaputtsparen machen die Runde mit dem üblichen Gefälle von links nach rechts. Es wird theoretisiert auf Teufel komm raus:

Mosaikstein 2 aus:
http://www.n-tv.de/politik/Schaeuble-stellt-Griechen-Bedingungen-article5359196.html
Beim Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs wird aber der Konflikt zwischen Sparen und Kaputtsparen deutlich. Denn Regierungschefs fragen sich, wie sich langfristig das Wachstum in Europa beflügeln lässt. Selbst heftig sparende Staaten, das zeigt das Beispiel Spanien derzeit, bringen die schwächelnde Wirtschaft nicht wieder in Schwung.

Eigene Bemerkung dazu: Inzwischen ist für Schuldenstaaten Sparen eine Investition. Wenn eine Firma investiert, dann dauert es erst mal mit den Erträgen. Zwischen Saat und Ernte liegt Zeit, es gibt nun mal die Gewinnschwelle (break-even-point). Damit beschäftigen sich auch intelligente Köpfe:

Mosaiksteinchen 3 und 4 aus:
http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/denkfabrik-die-maer-vom-kaputtsparen/5238536.html
Notwendig ist eine aktive und nachhaltige Konsolidierungspolitik, um die Staatsfinanzen zu sanieren. Eine solche Politik hat viele Gegner; Kritiker warnen, der Staat dürfe den Aufschwung nicht „kaputtsparen“. Doch müssen wir wirklich davon ausgehen, dass eine restriktive Finanzpolitik auf Jahre hinaus das Wachstum vermindert? Isoliert betrachtet dämpfen geringere Staatsausgaben oder höhere Steuern die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was in der Regel mit Wachstumseinbußen zu Beginn einer Konsolidierungsphase verbunden ist. Dem stehen aber andere, positive Effekte gegenüber, die längerfristig wirken. [sic ! da haben wir sie wieder: Die Zeit]
http://www.wienerzeitung.at/meinungen/kommentare/431125_Mythos-Kaputtsparen.html
Österreich droht, wenn wir dem populären Ökonomen Stephan Schulmeister und vielen anderen Experten glauben dürfen, eine tödliche Gefahr: das “Kaputtsparen”, also eine Wirtschaftskrise, die dadurch verursacht wird, dass der Staat zu sparsam ist.
Angesichts der Tatsache, dass die Republik Österreich Kredite aufnehmen muss, um die Zinsen bestehender Kredite zahlen zu können, erscheinen diese Warnungen vor vermeintlichem “Kaputtsparen” zumindest originell. Denn noch weniger sparsames Verhalten als selbst die Zinsen auf Pump zu bedienen ist selbst für einen hartgesottenen Schulden-Junkie kaum vorstellbar.
Trotzdem stimmt, dass ein substanzielles Zurückfahren staatlicher Ausgaben nicht ganz ohne Folgen für das Wirtschaftswachstum bliebe. Ursächlich schuld daran ist freilich nicht eine Politik des Sparens, sondern natürlich jener vorhergehende staatliche Ausgabenexzess, der die Politik des Sparens erzwungen hat; spätestens dann, wenn die Gläubiger nervös werden.
Österreich - und vielen anderen europäischen Ländern - droht deshalb nicht wirklich die Gefahr des “Kaputtsparens”. Ihnen droht vielmehr die unvermeidbare Konsequenz jahrzehntelanger staatlicher Schuldenexzesse: die unvermeidliche Rechnung und damit verbundene Wohlstandseinbußen.
Dabei ist nicht wirklich gesichertes Wissen, dass die Wirtschaft zwangsläufig mit krampfartigem Schrumpfen reagieren muss, wenn der Staat spart. Denn gerade in jenen europäischen Staaten, die nach dem Crash im Jahr 2008 am radikalsten sparten - vor allem Lettland, aber auch Estland, Litauen oder Bulgarien -, begann die Wirtschaft relativ schnell wieder relativ rasch zu wachsen.

Hier muss man sich wieder einklinken: Ja, es wird theoretisiert auf Teufel komm raus … theoretisiert? Aber da steht doch: „vor allem (in) Lettland, aber auch Estland, Litauen oder Bulgarien -, begann die Wirtschaft relativ schnell wieder relativ rasch zu wachsen.
Ja, was sollen denn Schlachten zwischen Theorien wenn‘s funktioniert?
Da werfen wir doch mal ein Auge drauf und sind verblüfft vor Erstaunen:

Mosaikstein 5 aus:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/der-handel-mit-griechenland-ist-eingebrochen/5791718.html
Bulgariens Vizepremier Simeon Djankov hat das härteste aller Sparprogramme in Europa durchgesetzt. Nun empfiehlt er den Euro-Ländern ein ähnlich rustikales vorgehen, etwa harte Kürzungen bei den Beamten.
Also auch Italien, Frankreich und Deutschland sollen sich auf maximal zwei Prozent Haushaltsdefizit verpflichten?
Ich (Simeon Djankov) denke ja. Um nicht in Krisen über die drei Prozent zu kommen. Und die Regierungen haben, wenn das in der Verfassung so verankert ist, nicht das Recht Budgetplanungen mit über zwei Prozent Defizit durchzusetzen. Sonst fliegen sie automatisch [sic ! Das ist wohl der Schlüssel des Erfolgs].
Wie konnten Sie den harten Sparkurs in Bulgariens Bevölkerung durchsetzen?
(Simeon Djankov:) Am Anfang war es extrem schwer, vor allem wegen Griechenland. Wir armen Bulgaren sollten harte Sparmaßnahmen durchsetzten und die Griechen, die deutlich besser leben als wir, bekam immer mehr Geld von Europa. Da fragten natürlich viele, warum wir fiskalisch verantwortlich sein sollen statt mehr Geld zu verlangen von der EU. Da wir aber nicht in der Euro-Zone sind, hat unsere Regierung gesagt, die EU wird uns wohl kaum mehr Geld geben und wir müssen unsere Probleme selbst lösen. In den ersten eineinhalb Jahren als Finanzminister (ab 2009) war es extrem schwierig, hart zu sparen und Nachbar von Griechenland zu sein.
Und heute?
(Simeon Djankov:) Ironischer Weise ist es jetzt auch wegen Griechenland viel einfacher geworden. Unsere Leute sehen jetzt täglich die Bilder aus Griechenland mit Streiks und dass nichts funktioniert, der Zoll nicht funktioniert, unsere Grenzen geschlossen sind. Und da sagen sie: das wollen wir nicht bei uns haben. Ich kann jetzt unsere Maßnahmen viel einfacher durchsetzen, weil die Menschen sehen was passiert, wenn wir unsere Probleme nicht lösen.

Mosaikstein 6 aus:
http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-deutschland-wird-uns-fuehren/60161472.html
Deutschland wird uns führen
Bundeskanzlerin Merkel kann in der EU auf Verbündete aus Osteuropa zählen: Bulgariens neu gewählter Präsident Rossen Plewneliew unterstützt Merkels Stabilitätspolitik. Sein Land empfiehlt er außerdem als Vorbild für die Griechen.
Plewneliew sieht Bulgarien als Vorbild für das krisengeschüttelte Griechenland an. Ein radikaler Abbau der Verschuldung sei möglich. “Vor zehn Jahren lagen unsere Gesamtschulden bei 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heute sind es 16 Prozent.” Griechenland, das wie Bulgarien Ende der 90er-Jahre eine Gesamtverschuldung von gut 100 Prozent des BIPs hatte, steht derzeit bei über 170 Prozent. Das BIP pro Kopf ist in Griechenland etwa zweieinhalb mal so hoch wie im benachbarten Bulgarien, das der EU 2007 beitrat. Von der Größe her sind die Länder vergleichbar, Bulgarien hat 7,5 und Griechenland rund elf Millionen Einwohner.
Besorgt äußerte sich der Präsident über die Energiepolitik seines Landes. “Es ist für mich eine große Sorge, dass Bulgarien immer noch von einem einzigen Gaslieferanten, und zwar Gazprom, abhängig ist.” Er hoffe, dass es 2013 eine Pipelineverbindung aus der Türkei und danach aus Griechenland geben werde. “Dann können wir ruhiger schlafen.” Das Land hatte im Winter 2008 wegen des Streits zwischen Russland und der Ukraine tagelang keine Lieferungen erhalten.
Plewneliew kritisierte in diesem Zusammenhang den Verzicht der eigenen Regierung auf die Erforschung der Förderung von Schiefergas im eigenen Land. “Meine Meinung ist, dass die Regierung zu schnell entschieden hat.” Trotz des Moratoriums wolle er sich dafür einsetzen, dass die Debatte weitergehe. Plewneliew schloss nicht aus, dass Gazprom systematisch Umweltorganisationen gefördert habe, die gegen das Schiefergas argumentierten. Diese Befürchtung habe auch der Wirtschaftsminister bereits öffentlich geäußert.

Dazu, aus einem Erstaunen heraus:
Herr Plewneliew, Herr Djankov, ihre Leistungen beeindrucken, viel mehr wie der übliche europäische Aktionismus.
Bloß eine kleine Kritik:
“Deutschland wird uns führen”

Ersparen sie uns den Stress, siehe:
http://www.faz.net/aktuell/forderung-nach-sparkommissar-athen-verlangt-respekt-vor-seiner-wuerde-11630513.html
Forderung nach Sparkommissar
Athen verlangt Respekt vor seiner Würde
Berlin fordert vor dem EU-Gipfeltreffen in Brüssel einen Sparkommissar für Griechenland. Aus Athen kommt heftiger Widerspruch.
Und:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-der-sparkommissar-vergiftet-rettungsdebatte/6127808.html
Der Sparkommissar vergiftet Rettungsdebatte
Mit der Idee eines Sparkommissars für Griechenland hat sich Deutschland massive Kritik eingehandelt. Luxemburg mahnt zu mehr Vorsicht - und Außenminister Westerwelle rudert auch schon zurück.“

Denn gegen fehlende eigene tiefe Einsicht kommt niemand an … und das mit der Würde ist so ein Problem …
Und sie haben doch auch selbst Erstaunliches geschafft, ohne Deutschland …
Und vielleicht sogar besseres:
Der Feldversuch war erfolgreich.

Dr. Rupert Reiger arbeitet da in einem Forschungszentrum der Luft- und Raumfahrtindustrie an Software und Algorihmen.

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Kategorie(n): Wirtschaft 

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