Dr. Benny Peiser 14.04.2008 13:55 +Feedback
Josef H. Reichholf: Wie Hunger und Klimapolitik zusammenhängen
Der Reinfall hätte kaum größer sein können. Rasant ansteigende Preise für Grundnahrungsmittel und hungernde Menschen sind akute Folgen der vermeintlich guten Klimapolitik. Dass das so kommen würde, war absehbar. Die einseitig auf das CO2 und seine Verminderung ausgerichteten Umweltpolitiker wollten die längst vorliegenden Befunde zu den Folgen nicht zur Kenntnis nehmen. Sie passten nicht ins vorgefasste Konzept. Nun hat sie die Realität eingeholt. Politische Schadensbegrenzung ist angesagt.
Der globale Alarm gilt vor allem dem Vorreiter Deutschland. Mit der plötzlichen Verteuerung von Butter hat es letzten Sommer begonnen. Doch nun geht es ums Brot. In Haiti revoltieren die Massen. In Ägypten werden Läden und Backstuben gestürmt. Die Ereignisse bringen das wahre Ausmaß der Krise noch nicht zum Ausdruck: Biosprit und Biomasseproduktion erzeugen Hunger. Immer größere Flächen, auf denen Nahrung wachsen könnte, werden dafür in Anspruch genommen. Und auch, um Soja als Futtermittel für unser Stallvieh anzubauen. Denn jeder Hektar von unserem Land, der für Energiepflanzen genutzt wird, muss anderswo in weit größeren Flächen ausgeglichen werden, um den Futterbedarf für unser Vieh zu decken. Allein in Südamerika werden alljährlich zwischen zwei und vier Millionen Hektar Tropenwald neu gerodet. Die außerordentliche Biodiversität dieser Wälder zu erhalten sollte seit dem Umweltgipfel von Rio 1992 höchste Priorität haben. Doch die Konvention von Rio, die auf Betreiben des damaligen deutschen Umweltministers Klaus Töpfer zustande gekommen war, geriet in Vergessenheit. Sie passte nicht ins Konzept der Klimastrategen.
Auf der Bonner Biodiversitätskonferenz Ende Mai wird man ihrer gedenken. Dort wird hoffentlich die bittere Wahrheit zur Sprache kommen, dass auch hierzulande ein global wirkungsloser Klimaschutz Artenvielfalt und Lebensräume vernichtet, weil Biomasse erzeugt und zu Biosprit umsetzt wird. Was dadurch fern von hier angerichtet wird, interessiert nicht mehr. Das Kyoto-Protokoll hat die Dritte Welt ausgeblendet. Die Energiebilanz machen wir ohnehin national. Welcher (Umwelt)Politiker würde auch den Wählern die Wahrheit zumuten, dass unser Stallvieh Tropenwälder auffrisst und dass unser CO2-Sparen mit Biokraftstoffen den Hunger in der Welt vergrößert?
Der Autor ist Evolutionsbiologe. Von ihm gerade erschienen:"Ende der Artenvielfalt? Gefährdung und Vernichtung der Biodiversität”, Fischer-TB
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Kategorie(n): Wissen Wirtschaft

