Wolfgang Röhl 08.04.2010 23:14 +Feedback
Jesus als Geblasener. Cheap shot
Wie muss Satire beschaffen sein? Jedenfalls gutergeschmacksfrei, klar. Sonst würden wir uns ja bei Sendungen wie dem „Satirischen Wochenrückblick“ des NDR beömmeln müssen, wo ideelle Parteibuchhalter der SPD, der Grünen und der SED-Nachfolger sich in der öden Pflicht üben, Merkel (har!) oder Westerwelle (har, har!!) mittels zusammengeschnittener O-Töne aus dem Archiv als Dösbaddel der Nation witsisch vorzuführen, ohne dass der Rundfunkrat Anstoß nehmen kann. Das darf nun wirklich nicht alles gewesen sein, satiretechnisch. Weshalb Freunde gepflegter Brachialhäme gerne mal bei der „Titanic“ andocken…
Da ist jedes zweite Heft (für mehr langt es bei der chronisch unterfinanzierten Redaktion leider nicht) eine Übung für die (har, har, har!!!) Lachmuskeln. Das Gelaber von Leuten wie Gerhard Henschel kann man flott überblättern, den esoterischen Quatsch in der Rubrik „Humorkritik“ leicht übersehen – gibt trotzdem genug zum Gackern, für schlaffe vier Euro.
Eines allerdings darf Satire definitiv nicht – erwartbar sein. Insofern ist der aktuelle „Titanic“-Titel, auf dem ein Priester Jesus-am-Kreuz einen bläst, von denkbar größter Plattkopfartigkeit. Mag ja sein, dass die Frankfurter dank ca. 100 Beschwerden an den Presserat und ein paar Strafanzeigen (Stand von gestern) ein bisschen Mediengrummeln erzeugen, zehn oder zwanzig Hefte mehr verkaufen können. Aber wer, bitte, regt sich dieser Tage nicht über die Katholen auf? Wer hämmert nicht auf die priesterlichen Kinderficker ein? Übrigens, Beschwerden an den Presserat, hat die nicht auch „Bild“ im Überfluss? Jesus als Geblasener, dieser billigste aller Schüsse, entweiht eines meiner Lieblingsblätter nicht deshalb, weil ich dauernd in meine Dorfkirche renne.
Bloß aus dem Grund, dass ich Mainstream einfach, um mit der „Titanic“ zu sprechen, strunzdoof finde.
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Kategorie(n): Kultur


