Unterstützung für Achgut

  31.03.2009   02:35   +Feedback

Javad Asadian: Ein Alptraum, der nicht enden will

Am 1. April jährt sich der Jahrestag der Islamischen Republik Iran zum 30. Mal. Aus diesem Anlass findet in Berlin (Hackescher Markt) am 1. April um 17 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto „Freiheit statt Islamische Republik!“ statt. Der Redebeitrag von Javad Asadian wird hier vorab veröffentlicht. Javad Asadian, Politikwissenschaftler, Dichter und Schriftsteller, ist ehemaliger Vorsitzender des iranischen PEN-Club im Exil. Er ist in der Kampagne STOP THE BOMB sowie im Club Iranischer und Europäischer Filmemacher (CIEF) aktiv.

Seit der islamischen Revolution sind schon 30 Jahre vergangen. Während dieser Zeit wandelte sich für Millionen Iraner ein süßer Traum zu einem fortdauernden Alptraum.
Ein Jahr vor der Revolution ging ich zum Studieren nach Deutschland. Mit großer Begeisterung konnte ich feststellen, dass ich alle Bücher, die im Iran des Schah-Regimes verboten waren, ohne Angst vor Repressalien des Savak, des berüchtigten Geheimdienstes, besorgen und lesen konnte. Es war ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl. 

Als sich die Protestdemonstrationen gegen den Schah formten, war die Freude unter der iranischen Studenten groß. Fast alle waren politisch organisiert. Zu einer Partei oder Organisation zu gehören, war damals die Erfüllung eines inneren Verlangens, denn einige Jahre zuvor war im Iran ein Einparteiensystem ausgerufen worden. Es wurde von allen politisch interessierten Iranern gefordert, dieser Partei beizutreten oder das Land zu verlassen. Dies wurde damals bei unter Oppositionellen als politischer Selbstmord angesehen, und das war es auch, denn der Schah isolierte sich und wurde verletzbarer denn Je.

Wir wollten damals mehr Demokratie und die verweigerten bürgerlichen Freiheiten. Die Demonstranten verlangten inzwischen jedoch den Sturz des Schahs. Die Mullahs, die kaum politischen Ansprüche erhoben hatten, wurden von Khomeini motiviert, die Massen für einen Regimewechsel zu organisieren.

Als Schah das Land verlassen hat, jubelten Millionen Iraner. Wir im Ausland, die wir uns im Minutentakt über das Geschehen im Iran informierten, teilten den Passanten auf der Strasse den Sturz des Schahs mit und gratulierten uns. Wie Naiv verhielten wir uns damals!

Als Reza Schah die Macht übernommen hat, war die iranische Gesellschaft traditionell geprägt und rückständig. Obwohl wir 1905 bis 1911 durch eine moderne Revolution für die Herrschaft des Gesetzes und gegen Willkür der Monarchie und die Mullahs eingetreten waren, verfügte das Land über keine Krankenhäuser und Universitäten. Schulen existierten nicht. Justiz war ein Fremdwort und die Mullahs verwalteten die zwischenmenschlichen Beziehungen nach Vorschriften der Scharia. Die überwältigende Mehrheit der damals 17 Millionen Iraner waren Analphabeten.

Trotz aller berechtigten Kritik an Reza Schah ist der moderne Iran mit seinen Namen verbunden. Während des 2. Weltkriegs wurde Mohammad Reza Schah Nachfolger seines Vaters. Er setzte die Reformen fort, er entmachtete die Mullahs und entfernte sie aus dem Staatswesen. Zugleich jedoch instrumentalisierte er sie gegen die Kommunisten. Die Schulen wurden modernisiert, die Justiz wurde von der Scharia befreit und die Gleichberechtigung der Geschlechter wurde Gesetz.
Kurzum, Dank der Pahlavi Dynastie schloss das traditionell geprägte Iran an die moderne Welt auf. Diese Modernität verdeutlicht die Hässlichkeit der heutigen Herrschaft der Scharia im Iran.

Kaum war Khomeini an der Macht, verlangte er die Durchsetzung der islamischen Vorschriften.  Die Zwangverschleierung der Frauen war die erste Gewaltausübung der Mullahs. Naturgemäß war auch ein Frauenaufstand am 8. März 1979 die erste Protestbewegung gegen die Mullahherrschaft. Sie dauert bis heute ununterbrochen an.  An die frauenfeindlichen Vorschriften reiht sich ein wirtschaftliches Desaster. Khomeini erklärte, dass die Wirtschaft den Eseln gehöre und das Ziel der Revolution darin bestehe, den Islam weltweit an die Macht zu bringen.  Diese Einstellung machte das Land trotz Milliarden an Öl- und Erdgaseinnahmen zu einer düsteren Ruine aus Armut und Arbeitslosigkeit.

Irans Nahostpolitik bestimmt ein kurzer Satz Khomeinis: „Der Weg nach Jerusalem (Ghods) lauft durch Kerbala.“ Er kostete Millionen Iraker und Iraner während des achtjährigen Kriegs das Leben. Seitdem verfolgt das Regime die Vernichtung Israels als strategisches Ziel, um dabei die Vereinigung der islamischen Welt unter iranischer Führung als Vorstufe zur Errichtung der islamischen Weltherrschaft. Um dieses Endziel zu erreichen, versuchen die Mullahs mit allen Mitteln, sich atomar aufzurüsten. Für den Bau der Bombe konnte das Regime bis heute mit Lügen, Tricks, Betrügen, Tauschung und List Zeit gewinnen, für die Verhinderung eines nuklearen Iran bleibt vielleicht nur noch ein Jahr. Der neue amerikanische Präsident will es nun mit einem „Dialog“ ohne Vorbedingungen versuchen. Was er davon hält, hat Ayatollah Dr. Mohammad Bagher Kharazi, Chef der iranischen Hisbollah, am 25. März 2009 treffend zum Ausdruck gebraucht: „Wenn wir die Atombombe gebaut haben, werden wir Verhandlungen mit den Amerikanern führen.“ Obamas Politik wird den Mullahs Zeit verschaffen und die Welt einer apokalyptischen Gefahr einen weitern Schritt näher bringen. 

Schon 30 Jahre sind vergangen, seit unser Traum von Demokratie und bürgerlichen Freiheiten verspielt worden ist. Ob wir uns noch einmal gratulieren können, wenn dieser Alptraum nicht mehr unser Leben beherrscht, uns nicht mehr mit dem Tod droht, ist noch eine offene Frage.

()


Permanenter Link | Druckversion

Kategorie(n): Ausland 

Helfen Sie uns Die ACHSE DES GUTEN noch besser zu machen
und auszubauen!

Spendenkonto
Kontonummer: 4893891
Augusta-Bank, Augsburg
Bankleitzahl 720 900 00
Internationale Bankleitzahl BIC GENODEF1AUB
Internationale Konto-Nr. IBAN DE93720900000004893891

Google-Anzeige