17.09.2012   22:47   +Feedback

Jakob, der Humorist

Eran Yardeni

Weil ich trotz allem der Meinung bin, dass Jakob Augstein ein netter, kluger, scharfsinniger Kerl ist, muss ich davon ausgehen, dass er auch ein gigantischer Satiriker, ein begabter Zyniker und ein brillanter Komiker sein muss. Dass er nicht wirklich ernst meint, wenn er schreibt, dass „die zornigen jungen Männer, die amerikanische - und neuerdings auch deutsche - Flaggen verbrennen, ebenso Opfer sind wie die Toten von Bengasi und Sanaa“. Dass er nur einen kleinen unschuldigen Scherz machte, als er behauptete, dass die jetzige Gewaltwelle „immer nur den Wahnsinnigen und den Skrupellosen nützt und dieses Mal auch - wie nebenbei - den US-Republikanern und der israelischen Regierung“. Dass er unsere theologische Unwissenheit nur parodieren und herausfordern wollte, als er in Anlehnung an Thomas von Aquin schrieb, dass die Gewaltausbrüche in der arabischen Welt „keine Sache der Religion, sondern eine der Politik” sind, als wusste ein solcher kluger Kerl wirklich nicht, wie verschwommen die Grenzen sind, die zwischen der politischen Welt und der religiösen Sphäre verlaufen.

Leider sind aber nicht alle meiner Meinung. Unter uns leben ein paar verwirrte Seelen, orientierungslose Bürger und spießige Journalisten, die Humor einfach nicht verstehen können oder wollen. Sie behaupten immer, dass man nur in der moralischen Dämmerzone des Antizionismus und Antisemitismus auf die Idee kommen könnte, darauf hinzuweisen, dass Israel „wie nebenbei“ von dem jetzigen arabischen Winter profitiere – eine Aussage die auch einen klaren Subtext hat.

Diese humorlosen Kreaturen, die die Nuancen einer guten Satire und einer gesunden Selbstironie nicht wahrnehmen können, behaupten auch hartnäckig, dass man Täter mit Opfern auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen gleichsetzten darf. Nach ihren komischen moralischen Maßstäben gilt diese eiserne Regel auch für amerikanische Opfer, was das Leben selbstredend ziemlich geschmacklos und langweilig macht.

Auch die Trennung zwischen Religion und Politik finden sie ziemlich naiv und albern, vor allem in Bezug auf Gesellschaften, in denen diese Trennung als Ketzerei, Staatsverrat und Gotteslästerung verstanden wird, für die man manchmal „wie nebenbei“ und je nach der Laune des Herrschers mit seinem Leben bezahlen muss.

Mit anderen Worten: Die Humorlosen bestehen auf ihrem Recht,  Jakob Augstein ernst nehmen zu müssen. Ist das nicht lustig?

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Kategorie(n): Inland 

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