Richard Wagner 17.09.2009 15:46 +Feedback
Jakob Augstein antwortet in Sachen Afghanistan
Manchmal erhält man Antworten auf Fragen, die man nicht gestellt hat.
Meine Fragen finden Sie hier:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/abzug_der_kultur/
Die Antwort von Jakob Augstein im Folgenden:
Lieber RW,
schade, dass man bei Ihnen nicht kommentieren kann.
Sonst könnten wir uns netztypisch ein bisschen zum Thema streiten.
Sie haben sicher mitbekommen, dass die Bundeskanzlerin im Bundestag
einen Zeitraum von fünf Jahren genannt hat, innerhalb dessen eine Lösung
für das Afghanistan-Problem gefunden sein müsse.
Wir haben im Freitag zwei Jahre genannt.
Ebenso übrigens wie neulich der CDU-Politiker Volker Rühe.
Das haben Sie sicher auch mitbekommen.
Es wäre wirklich interessant zu erfahren, warum in fünf Jahren etwas erreicht werden
kann, was in den vergangenen sieben Jahren nicht erreicht wurde.
Und es wäre auch interessant zu erfahren, warum eigentlich die Taliban in Afghanistan
in den vergangenen sieben Jahren immer stärker geworden sind.
Das wären mal so zwei Fragen gewesen, auf die die Bundeskanzlerin im Bundestag eine Antwort
hätte geben können. Hat sie aber nicht. Kann sie auch nicht.
Ich glaube, dass wir in Afghanistan erleben, was geschieht, wenn Realpolitik
mit moralischen Argumenten gestützt wird. Man verheddert sich in der Lüge und stolpert
und steht am Schluss so dusselig da wie der Verteidigungsminister.
Was würde denn geschehen, wenn unsere Politiker uns erzählten: Wir nehmen die Afghanen
jetzt mal die nächsten zwanzig Jahre in Geiselhaft, damit die pakistanische Atombombe sicher
bleibt - und wenn wir dabei tausende Zivilisten töten, ist das ein Preis, den wir - also die - zahlen
müssen?
Das ist vielleicht die Wahrheit.
Vielleicht ist das sogar notwendig - ich glaube das zwar nicht, aber darum könnte man streiten.
So sagt das aber niemand.
Stattdessen geht es um die armen Frauen und Mädchen ...
Sie kennen ja sicher das Ehegesetz, das Karsai kassieren musste, in dem es hieß, die Frau muss die sexuellen
Wünsche des Mannes erfüllen. Das Gesetz war schon durch das afghanische, demokratisch gewählte (hihi)
Parlament. Der Westen war nicht amused ...
Ach Herr Wagner, schade, dass man bei Ihnen nicht kommentieren kann ...
So ein schönes Thema.
Viele Grüße,
Ihr Jakob Augstein


